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Mein Schloss, mein Thron, mein Wappen – Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld gemalt von George Dawe

Herzog ernst 200 Jahre Sachsen Coburg und Gotha

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen unserer Blogserie „200 Jahre Sachsen-Coburg und Gotha“. Zum Auftakt widmeten wir uns einer Frau, ohne die der Anbeginn des Doppelherzogtums Sachsen-Coburg und Gotha nicht erzählt werden kann. Diesmal blicken wir auf ihren Ehemann, genauer gesagt auf ein Gemälde von ihm, auf den Maler, der es schuf, und auf einen „Doppelgänger“ des Gemäldes in einem ziemlich bekannten Gebäude…

Der zentral gelegene Raum im 2. Obergeschoss des Mitteltrakts von Schloss Ehrenburg wird bereits im 19. Jahrhundert als „Familiensaal“ bezeichnet. Die Namensgebung rührt von Ölgemälden, die Familienmitglieder des Coburger Herzogshauses zeigen.

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Der Familiensaal in Schloss Ehrenburg in Coburg. BSV/Kreativinstinkt

Noch heute hängen hier Porträts, die zu den Höhepunkten des Schlossrundgangs gehören. Zwischen den Fenstern Richtung Schlossplatz erblicken die Besucherinnen und Besucher zum Beispiel ein etwa dreieinhalb mal zweieinhalb Meter großes Bildnis von Herzog Ernst, der von 1806 bis 1844 regierte. Es stammt aus dem Jahr 1819. Ernst ist zu diesem Zeitpunkt mit Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg verheiratet und zweifacher Vater; die ernestinische Landesteilung, die ihm ein Doppelherzogtum namens Sachsen-Coburg und Gotha einbringen wird, liegt noch in der Zukunft. Noch ist der auf dem Porträt Dargestellte der Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld.

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Porträt Herzog Ernsts (reg. 1806-1844) von George Dawe, 1819. BSV/Weiss

Die Europas Landkarte so aufwühlenden napoleonischen Jahre hat das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld zum Entstehungszeitpunkt des Gemäldes überstanden. Es ist nach dem Wiener Kongress ein souveräner Staat im Deutschen Bund. Ernsts landesherrliche Position ist gefestigt. Der Herzog steht gut da im Jahr 1819 – und das lebensgroße Porträt spiegelt dies in der Sprache der Bilder.

Herzog Ernst präsentiert sich auf dem zur Gattung der Herrscherbilder zählenden Werk in ganzer Figur zu Seiten seines Wappens. Er steht gehüllt in einen Hermelinmantel und geschmückt mit Orden vor einem Thronsessel. Dessen Rückenlehne trägt die Initiale von Ernsts Vornamen; obenauf sitzt eine geschnitzte Herzogskrone als Zeichen von Rang und Würde. Auch die erhöhte Standposition auf Stufen, die vom linken Bildrand angeschnittene Säule und die ins Bild ragenden schweren Draperien kommen nicht von ungefähr, sondern sind Teil einer bewussten, herrschaftlichen Inszenierung. Nichts auf dem Bild ist ohne Hintergedanken integriert, nichts dem Zufall überlassen. Den Ausblick in die Ferne beispielsweise füllen vielsagend die Veste Coburg als Stammsitz der Coburger Herzöge sowie Schloss Ehrenburg als das gegenwärtige, durch Ernst im Umbau befindliche Residenzschloss. Der Ausblick wird so zum Einblick in Geschichte und Gegenwart des Hauses Sachsen-Coburg.

Der Künstler des Bildes ist George Dawe (1781-1829). Der Engländer war zunächst, der Profession des Vaters folgend, in den Graphischen Künsten tätig, wandte sich dann aber der Malerei zu. Dawe, gebildet und mehrsprachig, fand als Maler den Zuspruch höherer Gesellschaftskreise. Auch das britische Königshaus wurde auf ihn aufmerksam und saß ihm Porträt. Dawe kam in Berührung mit Leopold, dem Gemahl der Thronfolgerin Charlotte und Bruder von Herzog Ernst.

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Prinz Leopold, porträtiert von George Dawe, umgesetzt in Schabkunst (Mezzotinto) von seinem Bruder Henry Edward Dawe, 1817, ausgestellt in Schloss Rosenau in Raum 5 (Flur). BSV/Scherf

Dawe wirkte auch für den Herzog von Kent, Sohn von König George III. und Schwager von Herzog Ernst. 1818 porträtierte Dawe Teilnehmer des Aachener Kongresses und erlangte die Aufmerksamkeit des russischen Zaren Alexander I. Für den Zaren, den Schwager von Herzog Ernsts Schwester, malte Dawe sein Hauptwerk, welches ihn gemeinsam mit Assistenten über beinahe zehn Jahre beschäftigte: eine über 300 Einzelwerke umfassende Porträtsammlung verdienter Militärs, die sich in den Auseinandersetzungen gegen Napoleon in russischen Diensten ausgezeichnet hatten. Das Mammutprojekt entstand für den kaiserlichen Winterpalast in St. Petersburg. Auf dem Weg nach St. Petersburg reiste Dawe über Weimar, wo er Johann Wolfgang von Goethe und Maria Pawlowna, Frau des Erbprinzen und Schwester von Zar Alexander I., malte, und über Coburg für das Porträtieren von Herzog Ernst.

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Zar Alexander I. besucht George Dawe in dessen Atelier. © Royal Collection Enterprises Ltd 2026 | Royal Collection Trust

Dawes Porträtdarstellungen wurden gelegentlich kopiert, um an mehreren Orten gegenwärtig zu sein. In Schloss Ehrenburg gibt es auf diese Weise Motive Dawes auch im Schlafzimmer des Herzogs. Sie zeigen die Schwester von Herzog Ernst, Prinzessin Victoire, und deren zweiten Gemahl, den Herzog von Kent, die Eltern von Königin Victoria.

Schlafzimmer des Herzogs in Schloss Ehrenburg

Das Schlafzimmer des Herzogs in Schloss Ehrenburg. BSV/Gruber, Scherf

Die Vorlagen dafür befinden sich im Kensington Palace in London. Auch Dawes Herrscherbildnis im Familiensaal von Schloss Ehrenburg besitzt einen „Doppelgänger“ in London.

Herzog Ernst Royal Collection Trust London

Version des Gemäldes von Herzog Ernst im Buckingham Palace. © Royal Collection Enterprises Ltd 2026 | Royal Collection Trust

Obwohl es sich dabei um einen engeren Bildausschnitt handelt, sodass die meisten der Coburger Bildbeigaben fehlen, fällt ein Erkennen nicht schwer. Wer während der Sommermonate den Buckingham Palace in London besichtigt und Schloss Ehrenburg kennt, entdeckt es: In der großen Eingangshalle des Palasts, der Marble Hall, hängt ein Bildnis, auf dem im Hintergrund die Veste Coburg zu finden ist. Gleich daneben blitzt die charakteristische neogotische Fassade von Schloss Ehrenburg auf. Und aus der Bildmitte blickt unverkennbar, die Heirat seines Sohnes Albert mit Königin Victoria von Großbritannien und Irland erklärt es, Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld von der Wand des englischen Königspalasts.

Auf seiner ersten Reise nach Europa als US-Präsident besuchte Richard Nixon unter anderem England. Am 25. Februar 1969 empfing ihn Königin Elizabeth II. im Buckingham Palace zu einem Mittagessen. In der Marble Hall hatten Pressevertreter die Gelegenheit, den Staatsgast und die königliche Familie auf Film und Foto aufzunehmen. Bei Minute 1:00 im Hintergrund zu sehen: Königin Elizabeths Urururgroßvater, Herzog Ernst.

President Nixon With Queen Elizabeth

Im Vordergrund: Richard Nixon und Königin Elizabeth II.; dahinter: Prinz Philip (verdeckt), Prinzessin Anne, Prinz Charles – und ganz links Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld. GettyImages/Bettmann.