von Rebecca Brennecke //
Die Brunnenfigur der Fama ist ein goldenes Highlight des Westparterres der barocken Gartenanlagen von Schloss Linderhof. Die fast drei Meter große Figur bildet den Mittelpunkt eines Springbrunnens und stellt die römische Göttin und Personifikation des Ruhms, des Gerüchts und der Sage dar. Damit sie auch künftig in ihrem goldenen Glanz erstrahlt, wurde sie kürzlich aufwendig restauriert.
Von Franz Walker (1832* – 1902†) entworfen und modeliert, wird sie als goldener Engel dargestellt, mit weit geöffneten Flügeln. Sie steht auf einem Globus und in ihrer rechten Hand hält sie eine Posaune über die Wasser in die Luft gespritzt wird. Damit ist sie ein Spiegelbild der Renommée, wie sie von Cesare Ripa in seinem Buch „Iconologia“ als geflügelte Frau dargestellt wird.
Die Fama in Linderhof ist kunsthistorisch als allegorische Brunnenfigur zu verstehen, die Ruhm, höfische Repräsentation und dynastischen Anspruch in einer bewusst inszenierten Gartenanlage verdichtet. Durch ihre vergoldete Ausführung und die Einbindung in das ikonografische Gesamtkonzept des Schlossparks wird sie zum Teil einer repräsentativen Bildsprache, die das Herrschaftsverständnis von König Ludwig II. sichtbar macht.
Zustandsanalyse und Materialuntersuchung – der erste Schritt der Restaurierung
Aufgrund von Fassungsschäden wurde die Fama 2025 abgebaut und in die Restaurierungswerkstätten der Bayerischen Schlösserverwaltung gebracht, wo sich Metallrestauratoren und Kirchenmaler ihrer annahmen.

Anschliff der Altfassung unter dem Mikroskop (100-fache Vergrößerung). Zu sehen ist das entstandene Schichtenpaket der vergangenen Überfassungen. Insgesamt konnten ca. 19 verschiedene Lagen (Untergründe, Blattgold, Lacke…) gezählt werden. BSV/ Rebecca Brennecke.
Der erste Schritt einer Restaurierung ist die Analyse der Materialien, um das vorliegende Problem besser verstehen zu können. Dafür wurden Proben der Vergoldung genommen und mittels eines Epoxidharzes eingebettet. Durch gezieltes Anschleifen der Probe können so die verschiedenen Schichten der Fassung sichtbar gemacht werden, diese Methode hilft den Restauratoren dabei einen Einblick in vergangene Maßnahmen und die vorliegenden Materialien zu erlangen. Die entnommene Probe bestätigte, was bereits vermutet wurde und zwar, dass mehrere Vergoldungsschichten sowie Lacke über mehrere Jahre hinweg übereinander aufgetragen wurden und zwischen den einzelnen Schichten kein Abtrag der vorherigen Schichten stattfand. Dadurch entwickelte sich ein dickes Schichtenpaket, das zu Spannungen innerhalb des Fassungsaufbaus führte. In der Folge bildeten sich Risse, Abplatzungen und weitere Fehlstellen in der Oberfläche, die eine Angriffsfläche für mechanische und klimatische Belastungen darstellten. Über diese Schadstellen konnte Wasser unter die einzelnen Schichten eindringen, was weitere Schäden sowie Ablösungen der Fassung verursachte und den darunterliegenden Zinkguss nach und nach freilegte.
Zudem kam es durch Wasser zu vermehrten Kalkablagerungen sowie mikrobiellen Ablagerungen in Form von Algen. Eine solche Beschädigung der Fassung beeinträchtigt nicht nur die Wirkung der Skulptur und deren Aussage, sondern kann ebenfalls zu Folgeschäden des Zinkgusses führen.
Entwicklung des Restaurierungskonzepts und seine Umsetzung
Aufgrund der Schadensanalyse der Brunnenfigur entschied man sich schlussendlich für eine komplette Abnahme der vorhandenen Schichten und eine anschließende Neuvergoldung. Dafür sprach, dass es sich bei dem Schichtenpaket nicht um die Originalfassung handelt, sondern um durch spätere Bearbeitungen entstandene Fassungen. Die Bestandsfassung war zudem in einem derart instabilen Zustand, dass eine weitere Überfassung unmöglich gewesen wäre. Jede Art der Bearbeitung eines Objekts bedeutet eine Beanspruchung des Originalmaterials, aus diesem Grund wurde versucht die Maßnahmen auf das Nötigste zu reduzieren.
Die Abnahme der Vergoldung erfolgte zunächst durch die mechanische Entfernung loser Schichten mittels Skalpells. Die restliche Fassung wurde anschließend im Strahlverfahren mit Kunststoffgranulat entfernt. Anschließend folgte die Neufassung der Skulptur. Bei der Neufassung stand die Wahl eines möglichst langlebigen und widerstandsfähigen Beschichtungsmaterials im Vordergrund. Durch den Einsatz eines beständigen Anstrichsystems soll der Erhaltungsaufwand in Zukunft minimiert und der Zeitraum bis zu einer erneuten Überarbeitung der Fassung möglichst verlängert werden. Deshalb fiel die Entscheidung auf einen Lack, der aufgrund seiner hohen Witterungs- und Wasserbeständigkeit, seiner guten Deckkraft und seiner schnellen Trocknung üblicherweise im Automobil-, Bau- und Landmaschinenbereich eingesetzt wird.
Die Figur wurde zuerst grau angestrichen, anschließend folgten zwei Schichten eines gelben Lacks. Dieser dient als Untergrund für die nachfolgende Vergoldung und sorgt dafür, dass spätere Fehlstellen weniger stark in Erscheinung treten.

In Reihenfolge von links nach rechts: Vorzustand, Zustand nach der Bestrahlung, grauer und gelber Anstrich. BSV/ Raphael Beljung, Hannah Holland, Rebecca Brennecke.
Um den Untergrund für die anschließende Vergoldung vorzubereiten musste zuerst der Lack bearbeitet werden, dafür wurde dieser mit feinem Schleifpapier geschliffen, so dass Unebenheiten in der Lackschicht reduziert wurden. Die Glätte der Lackschicht reguliert den Glanzgrad der Vergoldung. Je glatter der Untergrund, desto glänzender die Vergoldung.
Bei der angewendeten Vergoldung handelt es sich um eine Ölvergoldung, die sich durch ihre Beständigkeit gegenüber Feuchtigkeit und Wasser auszeichnet. Zunächst wurde das Anlegemittel aufgetragen und bis zum Erreichen der erforderlichen Haftung anziehen gelassen.
Für die Vergoldung wurde Blattgold verwendet. Die einzelnen Blattgoldblätter werden mit einem speziellen Vergolderpinsel (Anschießer) auf die Oberfläche aufgebracht. Dabei handelt es sich um ein aufwändiges Verfahren, bei dem die Blätter des Blattgoldes passend zugeschnitten werden mussten. Die Fama wurde an besonders empfindlichen Stellen, wie der Kugel und den Flügeln doppelt vergoldet. Die Vergoldung der Fama allein erstreckte sich über einen Zeitraum von zwei Monaten.
Abschließend kehrte sie an ihren ursprünglichen Standort am Westparterre zurück, wo sie nun in restaurierter Form von den Besucherinnen und Besuchern bestaunt werden kann.





