Alle Artikel in: Residenz München

 

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Revolution und der Absetzung der Wittelsbacher 1918 ist die Münchner Residenz die wichtigste Regierungszentrale und das Herz Bayerns gewesen. Die zahlreichen Geschichten, welche dieser besondere Schauplatz bisher erlebt hat, werden in dieser besonderen Kategorie von unserem Kurator Dr. Christian Quaeitzsch mit einer guten Portion Humor erzählt!

Pfauenthron Linderhof

Weihnachtsgans war gestern – festliche Menüs in der Residenz…

Wenn heuer wieder in den letzten Tagen des Jahres unter dem festlichen Lichterbaum kulinarische Schlachten zwischen Gans-Rotkohl-Klößen und veganem Curry, zwischen Tradition und Erneuerung ausgetragen werden und die von Plätzchen und Weihnachtsmarkt-Pommes aufgeblähten Mägen angesichts des brodelnden Sylvester-Fondue-Topfes endgültig die Waffen strecken, mag der Gedanke tröstlich sei, dass andernorts und zu anderer Zeit sich das Feiertags-Menü ganz anders – und nur bedingt erfreulicher – gestalten konnte. Wie so oft ziehen wir für unsere steile (Kalorien)These die Bewohner der Residenz als Untersuchungsmaterial heran.

Weihnachtsstress Anno 1750 – die Adventszeit am kurfürstlichen Hof

Weihnachten naht mit Riesenschritten, und wer das festliche Tempo mithalten will, muss selbst langsam in die Gänge kommen, um die vielen, teils angenehmen, teils misslichen Pflichten im Vorfeld der Feiertage noch termingerecht zu erledigen: sei es in Stellvertretung für den vielbeschäftigten Weihnachtsmann Geschenke zu kaufen, sei es, die letzten Bleche mit Plätzchen zu backen, festliche Grüße per Karte, mail oder WhatsApp zu verschicken, oder, oder, oder… Da mag es als Trost in all dieser Rumrennerei dienen, dass in der guten alten Zeit, die ob ihres angeblich stark entschleunigten Lebensstils alljährlich in den Tagen traditioneller Festlichkeiten gemeinhin hoch im Kurs steht, nichts besser gewesen zu sein scheint – zumindest nicht am bayerischen Hof und in der Münchner Residenz!

„Wolle mer se reilosse?!“ – Fasching am Münchner Hof

Jetzt legt sie mit Macht los, die jecke Zeit, und die Welle organisierten Frohsinns schwappt auch durch die Straßen unserer geliebten bayerischen Landeshauptstadt. Schon früher waren die Münchner Verbindungen in die karnevalesken Hochburgen breit und für Umzüge aller Art gut ausgebaut: In Köln, Düsseldorf und der (Kur-)Pfalz – allerdings ohne das lachende, singende Meenz (für Bayern: „Mainz“) – saßen Wittelsbacher auf den Herrscherstühlen, die sich zwar nicht immer gut verstanden, aber immer mal wieder gerne schunkelten und bützten.

„Les jeux sont faits!“ – Glücksspiel bei Hofe

Weihnachten vorbei, Sylvester und Neujahr sind durch – die Feststimmung flaut langsam Richtung Alltag ab und geblieben ist nur ein weiterhin unentschlossener Winter und die Frage, wie man die immer noch langen Abende nun gestalten soll, bis es wieder wärmer wird. Für einen Bewohner der Residenz des 17. oder 18. Jh., der ohne nächtliche Straßenbeleuchtung und Fernwärme auskommen musste, und sich ohne Not nur ungern von den Kerzen und Kaminen der Appartements wegbewegt haben dürfte, tauchte die Frage, wie dunkle Stunden zu füllen seien, zum Glück gar nicht auf – denn die Lösung lag für ihn auf der Hand: das höfische Spiel!

„…dergleichen Parücken-Seculum, worinnen wir leben, findet sich in keinen vorigen Zeiten!“

So wundert sich 1743 der Jurist und Historiker Johann Peter von Ludewig. Und tatsächlich ist unser Bild vom 17. und 18. Jahrhundert fast etwas getrübt von dem ganzen Reis- und Weizenpuder, der von den in kunstvolle Locken gelegten falschen Haaren stäubt, die Herren und Damen auf den Porträts des Barock und Rokoko auf ihren Köpfen balancieren.

Residenz 2.0 – die „Wilhelminsche Feste“

Auch heutige Besucher unseres Schlosses werden sich nach einem rasch erledigten Rundgang durch circa hundert derzeit geöffnete Schauräume des Eindrucks nicht erwehren können: Hier ist einfach nicht genügend Platz, um sich auch einmal auszubreiten. Dies scheint zumindest der Eindruck der fürstlichen Bewohner des 17. Jahrhunderts gewesen zu sein.

Keine Goldzähne – sondern Zähne in Gold! Die Reliquienkammer der Residenz

Neben der weltberühmten Schatzkammer der Residenz, in deren zehn Sälen sich viele hundert Kunstgegenstände aus Gold, Silber, Kristall und Elfenbein, dekoriert mit Email und Edelsteinen aus einem ein Jahrtausend umspannenden Zeitraum dem Auge präsentieren, gibt es in der Residenz noch eine weitere, kleinere begehbare Schatztruhe – kleiner und vielleicht nicht so prominent, aber den Besuch nicht weniger lohnend!

Ticken die denn noch richtig? – der kurfürstliche Hofuhrmacher Paulus Graff und sein Meisterwerk

Heute fällt es schwer, sich bewusst zu machen, welch einschneidende Bedeutung die Erfindung und Einführung von transportablen Uhren für die Menschen der frühen Neuzeit gehabt haben muss. Als Zeitmesser ersetzten sie ja mit neuer Exaktheit – wenn auch zunächst nur für wenige – den Blick auf den ungefähren Sonnenstand und die grobe Orientierung an den Kirchenglocken, die regelmäßig zum Gebet läuteten.

Polieren und auf lange Finger klopfen – der Silberdiener Joseph Hölzl

Mit aufmerksamem Blick schaut Joseph Hölzl von dem Schriftstück auf, an dem er mit seinem praktisch verkürzten Federkiel arbeitet, und fixiert uns aufmerksam. Man merkt gleich, wir sind ihm verdächtig, denn Joseph Hölzl hat einen verantwortungsvollen und aufreibenden Job – er ist kurfürstlicher Silberdiener

Back Dir Deine Residenz – Rezepte für den anspruchsvollen Geschmack

In dem Prunk, der einen noch heute in den offiziellen Räumen der Residenz umgibt, vergisst man zwischen Marmor und Spiegelglas leicht, dass es daneben einst innerhalb der Schlossmauern auch eine etwas weniger opulent ausgestattete Alltagswelt gab, die die ganze Pracht am Laufen hielt – so mussten die Hochherrschaftlichen, die sich die vergoldeten Klinken in die Hand gaben, nicht zuletzt täglich mit Essen, sauberer Kleidung, Licht und Heizung versorgt werden, was von einer gewaltigen Infrastruktur geleistet wurde, die sich über die Residenz hinaus in die Stadt hinein erstreckte. Von dieser Welt, die auf ihre Art ebenso faszinierend war, wie der Glamour der höfischen Gesellschaft, haben sich leider nur wenige Zeugnisse bewahrt, vorzugsweise dann, wenn ihnen ein eigener künstlerischer Wert zuerkannt wurde.