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Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Revolution und der Absetzung der Wittelsbacher 1918 ist die Münchner Residenz die wichtigste Regierungszentrale und das Herz Bayerns gewesen. Die zahlreichen Geschichten, welche dieser besondere Schauplatz bisher erlebt hat, werden in dieser besonderen Kategorie von unserem Kurator Dr. Christian Quaeitzsch mit einer guten Portion Humor erzählt!

Residenz München_Max-Joseph-Denkmal

Ein König will nicht öffentlich aufs Klo…: Rauchs Münchner Denkmal Max I. Josephs

Heute treten wir mal vor die Tür der Residenz, um einen ihrer zeitweise populärsten Bewohner zu treffen: So wie die Münchner ihrem Ludwig I. am einfachsten bei dessen täglichem Spaziergang begegnen konnten, auf dem er dann auch schon mal einen ahnungslosen Touristen, der den Hut aufbehielt (schwerhörig!) anbrüllte „Wissen Sie wer ich bin – der König!“, findet man auch seinen in der Hauptstadt von jeher beliebten Vater Max I. Joseph (reg. 1799–1825) am schnellsten unmittelbar vor den Mauern der Residenz – auf dem nach ihm benannten Platz.

bronze residenz muc

Ein dynastisches Schwergewicht kehrt zurück – Ludwig der Reiche und die „bronzenen Wittelsbacher“ im Foyer des Herkulessaals

  Ostern ist ja erst ein paar Wochen her, und so hat sicher noch so mancher den alljährlich ausgestrahlten Reigen biblischer Monumentalfilme vor Augen, an ihrer Spitze den unsterblichen Sandalen-Schinken „Die zehn Gebote“ von 1956. Wer kennt nicht die stimmungsvolle Einstiegssequenz unter blutrotem Himmel, in der Hunderte von gepeinigten Sklaven die gigantische Statue des Pharao zum melodischen Schnalzen der Aufseher-Peitschen vom Steinbruch in die Hauptstadt ziehen? Ein wenig an dieses Szenario mögen wir letzte Woche in der Residenz erinnert haben, als die „neuneinhalb bayerische Schuh“, also ca. drei Meter hohe Statue Ludwigs des Reichen, ein 900 Kilo schweres Ungetüm aus vergoldeter Bronze, versetzt wurde.

Reiche Kapelle Residenz

Blut, Schweiß und Tränen – in Gold gefasst: Das große Passionsreliquiar aus der Reichen Kapelle

In den Tagen und Wochen vor den Osterfeiertagen herrscht im Bereich von Tradition und Überlieferung Hochbetrieb: Zum Beispiel machen sich vorwiegend in Frankreich und Italien um diese Zeit die Glocken der Kirchtürme heimlich (und per Flug) auf den Weg nach Rom, und wer jetzt die Nachbarn in West und Süd für ebenso regelmäßige wie leichtgläubige Opfer raffinierter Metalldiebe hält, fasst sich besser an die eigene Nase angesichts der Myriaden künstlerisch versierter Kaninchen, die hierzulande angeblich Eier aus Hühner- oder Schokoproduktion farbig aufpeppen und anschließend zwanghaft in Vorgärten (und Supermärkten) verstecken…

„Hey, hey, hey, ich war der goldene Reiter“ – Der heilige Georg in der Schatzkammer

Schneidig – im wahrsten Sinne des Wortes – zieht er sein Schwert: Ritter St. Georg im glänzenden, gold-geschmelzten Prunkharnisch, die kristallene Klinge in der erhobenen Rechten, gibt sich seiner Berufung hin, dem Töten von Drachen! Und was für ein Drache! (eigentlich eine Drachenlady, um mit Blick auf die für die junge Schlangenbrut bereiten Zitzen am bleichen Monsterbauch genau zu sein): Grün glänzend wälzt sich das  Ungetüm, schon ziemlich angeschlagen, unter den Hufen von Georgs strahlendweißen Schimmel – ein gerechtes Ende für das geflügelte und geschuppte Ungetüm – wenn es nur nicht so süß schauen würde!

Es steckt noch eine Kugel im Lauf… Ein silbernes Wunderwerk aus den Steinzimmern der Residenz

Zu den schöneren Momenten innerhalb der Museumsarbeit gehört es sicherlich, wenn man Verwaltungs- und Schreibkram für ein paar Stunden geschmackvoll arrangiert auf dem Büro-Schreibtisch belassen kann und sich den Kunstwerken in Depots und Schauräumen unmittelbar zuwenden darf, um sich intensiv mit einem interessanten Einzelstück zu beschäftigen.

Ticken die denn noch richtig? – der kurfürstliche Hofuhrmacher Paulus Graff und sein Meisterwerk

Heute fällt es schwer, sich bewusst zu machen, welch einschneidende Bedeutung die Erfindung und Einführung von transportablen Uhren für die Menschen der frühen Neuzeit gehabt haben muss. Als Zeitmesser ersetzten sie ja mit neuer Exaktheit – wenn auch zunächst nur für wenige – den Blick auf den ungefähren Sonnenstand und die grobe Orientierung an den Kirchenglocken, die regelmäßig zum Gebet läuteten.