von Aleksandra Bezuszko //
Anlässlich seines 300. Todestages widmen wir dem Jubilar Kurfürst Max Emanuel in diesem Jahr eine große Blogserie. Heute möchten wir uns jedoch nicht Max Emanuel zuwenden, sondern seiner Gemahlin Kurfürstin Therese Kunigunde. Dazu laden wir euch auf einen Spaziergang durch ihr Damenappartement im Neuen Schloss Schleißheim ein und richten dabei den Blick nach oben auf die eindrucksvollen Deckengemälde, die einen wichtigen Teil der Ausstattung bilden. Die Schlossanlage Schleißheim zählt zu den größten Residenzen der Wittelsbacher in Bayern. Das Anfang des 18. Jahrhunderts von Max Emanuel erbaute Neue Schloss ist eines der eindrucksvollsten Barockschlösser Europas.
Schon beim Betreten des Appartements der Kurfürstin im Neuen Schloss Schleißheim wird klar, dass es sich um ein bemerkenswertes Beispiel barocker Raumkunst handelt. Diese Räume gehörten der Kurfürstin Therese Kunigunde, der Tochter von König Johann III. Sobieski von Polen, die durch ihre Heirat mit dem bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel nach Bayern kam. Wie im Barock üblich begebt ihr euch durch eine sogenannte Enfilade – also eine Abfolge von Zimmern, vom Vorzimmer beginnend über das Audienzzimmer und das Paradeschlafzimmer bis hin zum Großen Kabinett. Dabei entfaltet sich ein durchdachtes Bildprogramm, das erahnen lässt, wie sehr die Raumgestaltung und die Architektur die Rolle der Kurfürstin am Hof vermitteln sollte. Es handelte sich eben nicht bloß um reine Dekoration.

Porträtgemälde, Therese Kunigunde von Polen, Kurfürstin von Bayern, Werkstatt G. Desmarees, um 1730, Residenz München, BSV/ Andrea Gruber, Rainer Herrmann.
Raumprogramm: Der Frieden und die weiblichen Tugenden
Beim Blick nach oben entdeckt ihr, dass in den Deckenfresken das Thema des Friedens und der weiblichen Tugenden dominiert. Dieses wurde vom venezianischen Maler Jacopo Amigoni in den jeweiligen Räumen immer wieder kunstvoll aufgegriffen. Nach den langen Jahren der Kriege und Kämpfe des Kurfürsten, die in dem Herrenappartement dargestellt wurden, ist in den Räumen der Kurfürstin nun das Zeitalter des Friedens eingetreten. Die dargestellten Allegorien, mythologischen Figuren und farbenprächtigen Szenen, die beim Betreten der jeweiligen Räume zu entdecken sind, steigern sich von Raum zu Raum in ihrer Bedeutung.

Deckengemälde – Allegorie des Friedens, Jacopo Amigoni, um 1724/25, Vorzimmer im Appartement der Kurfürstin, Neues Schloss Schleißheim, BSV/ Aleksandra Bezuszko.
Das erste Zimmer in unserem Rundgang ist das Vorzimmer, welches eine Allegorie des Friedens zeigt. Die Friedensgöttin Pax erscheint in dem Deckengemälde mit ihren Gefährtinnen im Zentrum und wird von verschiedenen Figuren umgeben, die Eintracht und Versöhnung symbolisieren. Friede steht hierbei für Ordnung und Wohlstand und soll vorrangig vor allen anderen Tugenden sein.
Im nächsten Zimmer, dem Audienzzimmer, begegnen euch im Deckenfresko die drei Grazien – Euphrosyne, Thalia und Aglaia – als Allegorie der Einheit und zudem der höfischen Vollkommenheit. Fama, die Göttin des Ruhms versinnbildlicht diese zusammen mit schwebenden Putti. Sie halten Kränze und Ölzweige, die für Harmonie stehen. Für die Besucher soll dieses Zimmer und damit verbunden der Hof selbst als ein Ort idealer Ordnung erscheinen und die Kurfürstin als Hüterin eben dieser präsentiert werden.

Deckengemälde – Die drei Grazien, Jacopo Amigoni, um 1724/25, Audienzzimmer im Appartement der Kurfürstin, Neues Schloss Schleißheim, BSV/ Andrea Gruber, Maria Scherf.
Das Paradeschlafzimmer: Ceres und der Sommer
Kommen wir nun zum Paradeschlafzimmer, dem am aufwendigsten ausgestatteten Raum im Appartement. Trotz der umfangreichen Ausschmückungen ist es dennoch weniger reich dekoriert als das Schlafzimmer des Kurfürsten. Das Zimmer ist in zwei Bereiche unterteilt, den Alkoven (Schlafnische) mit dem Imperialbett und den Vorraum. Das Imperialbett sowie die Textilien aus gelbem und silberbortenverziertem Damaststoff lassen auch heute noch die einstige Pracht dieser Räume erahnen. Wie er wohl damals bei Kerzenlicht gewirkt haben mag?

Paradeschlafzimmer im Appartement der Kurfürstin, Neues Schloss Schleißheim, BSV/ Rainer Herrmann, Ulrich Pfeuffer, Maria Scherf.
Wenn ihr euren Blick nach oben richtet, erscheint im Zentrum des Deckengemäldes Ceres, die Göttin der Landwirtschaft, als eine Allegorie des Sommers. Sie hält neben ihrem Insigne, der Ähre, ein Architekturmodell in der anderen Hand. Um sie gruppieren sich Figuren wie die Gottheiten Flora und Zephyr, Saturn sowie Apollo. Die dargestellten Götter stehen für Wachstum und Wohlergehen, was so auch auf die Kurfürstin und ihre Räumlichkeiten ausstrahlen sollte.

Ceres als Allegorie des Sommers, Jacopo Amigoni, um 1724/25, Paradeschlafzimmer im Appartement der Kurfürstin, Neues Schloss Schleißheim, BSV/ Wolf-Christian von der Mülbe.
Unser Rundgang endet im letzten Zimmer, dem Großen Kabinett, zu dem wir heute wohl Wohnzimmer sagen würden. Auch hier setzt sich die symbolische Bildsprache der vorherigen Räume fort. Das Fresko zeigt den „Triumph der Tugend über das Laster“. Dabei verdeutlichen mythologische Figuren wie Apollo oder Herkules die Stärke und das Streben nach Ruhm durch Tugendhaftigkeit. Als Gegenpol dazu steht Saturn mit Frauen, die Tatenlosigkeit und Laster verdeutlichen. Ein Appell, der somit nicht nur die Kurfürstin, sondern auch den Hofstaat daran erinnern sollte, welche Werte am Hof gelten.

Deckengemälde – Triumph der Tugend über das Laster, Jacopo Amigoni, um 1724/25, Großes Kabinett im Appartement der Kurfürstin, Neues Schloss Schleißheim, BSV/ Andrea Gruber, Maria Scherf.
Unterschiede zum Herrenappartement
Wie unterscheiden sich die beiden Appartements voneinander? Die Raumstrukturen beider Appartements ähneln sich grundsätzlich, jedoch gibt es einige Abweichungen. Im Vergleich zu den südlich gelegenen Räumen des Kurfürsten, die natürlich auch unbedingt einen Besuch wert sind, zeigt sich im Damenappartement eine andere Farbgestaltung. Während im Herrenappartement Purpur und Gold dominieren, die ein Hinweis auf besonders hohe Würde geben, bestimmen im Damenappartement Gelb- und Silbertöne das Erscheinungsbild. Die unterschiedlichen Farben verweisen auf den Sonnengott Apollo beim Kurfürsten und die Mondgöttin Diana, Beschützerin der Frauen, bei der Kurfürstin. Interessant ist zu sehen, wie die Farbgebung eindeutig Teil der Inszenierung ist. Dem Betrachter wird direkt klar: Die Farben der Kurfürstin stehen für eine andere Form fürstlicher Repräsentation.

Paradeschlafzimmer im Appartement des Kurfürsten, Neues Schloss Schleißheim, BSV/ Rainer Herrmann, Ulrich Pfeuffer, Maria Scherf.
Auch bei den Deckenfresken zeigen sich Unterschiede: Während beim Kurfürsten militärische Erfolge und heldenhafte Taten dargestellt sind, zeigen die Fresken der Kurfürstin Götter, Allegorien und weibliche Tugenden. Beide Raumfolgen erzählen uns somit von den allegorischen Tugenden des Kurfürstenpaares und den Erwartungen an sie. Bei unserem Rundgang wird deutlich, dass das Damenappartement im Neuen Schloss Schleißheim nicht nur ein repräsentativer Wohntrakt, sondern auch ein abgestimmtes Gegenstück zum Appartement des Kurfürsten ist. Am Ende bleibt vor allem der Eindruck, dass diese Räume eine Geschichte erzählen: nämlich wie Kunst und Interieur in der Barockzeit politisch und symbolisch eingesetzt wurden.
Entdeckt bei eurem nächsten Besuch im Neuen Schloss Schleißheim die Welt der Kurfürstin und schaut doch gerne mal genauer hin. Wir wünschen viel Vergnügen!
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Anlässlich des Jubiläums erinnern Themenführungen und eine Folge von Beiträgen auf dem Schlösserblog an Kurfürst Max Emanuel von Bayern. Hier findet ihr die aktuellen Führungstermine.
Auch die diesjährige Residenzwoche in der Residenz München (16.-25.10.2026) widmet dem Blauen Kurfürsten zahlreiche Programmpunkte. Am 24. und 25.10. findet zum Abschluss der Residenzwoche in der Schlossanlage Schleißheim ein zweitägiges Veranstaltungsprogramm mit vielen Angeboten zu Max Emanuel statt. Außerdem wird in der Residenz München zur Residenzwoche ein neuer Themenraum zu Max Emanuel und seiner Mutter Henriette Adelaide eröffnet. Alle Termine und Informationen findet ihr auf unserer Webseite.

