Ein Gastbeitrag von „Baroqueblockbuster“ Constantin Pelka //
Seit mehr als 5 Jahren reise ich durch Europa, auf der Suche nach kulturellen Trüffeln aus der Ära des Barock und des Rokoko. Seit Anfang an, noch als Student der Kunstgeschichte in München, haben mich besonders auch die Schlösser in Bayern in ihren Bann gezogen.
So bin ich über die Jahre sehr häufig immer wieder in die gleichen Schlösser zurückgekehrt und habe sie in verschiedensten Jahreszeiten und Lichtstimmungen für meine Social Media Kanäle @baroqueblockbuster auf Instagram und tiktok eingefangen.
Wenn ich meine Videos von den Schlössern in Bayern auf Social Media poste, bekomme ich oft Nachrichten von Followern, die fragen: Und ist das jetzt Barock oder Rokoko?
Um diese Frage zu beantworten, ist es eigentlich immer am besten, direkt zu einem Schloss aus der jeweiligen Epoche zu fahren und sich den Stil einfach vor Ort mit eigenen Augen anzuschauen. Für mich eignen sich die bayerischen Schlösser ganz besonders, um das Wesen der Kunststile des Rokoko und des Barock zu erfahren.
Barock: der erste globale Stil der Kunstgeschichte
Barock kommt überall vor: Von den Philippinen über die Türkei bis nach Südamerika. Viele wissen nicht, dass Barock der erste Kunststil der Geschichte ist, der nicht auf eine Region begrenzt ist, sondern global vorkommt.
Der Barock kommt als Stil in seinen unterschiedlichen Varianten zwischen 1600-1800 vor, in bestimmten Regionen allerdings auch noch später.
Aber was macht Barock aus? In dieser Dokumentation erkunde ich mit zwei Experten der Bayerischen Schlösserverwaltung das Neue Schloss Schleißheim, ein verstecktes Meisterwerk des Barock nördlich von München, und erkläre Grundbegriffe des Barock. Von der Architektur, über Statussymbole, bis hin zu Ausstattung und täglichen Gewohnheiten barocker Herrscher.
- Zunächst erlebe ich das monumentale Treppenhaus und erfahre, wie wichtig die Architektur als Rahmen für das Zeremoniell des Herrschers war
- Die Große Galerie stellt die Spiegelgalerie in Versailles mit ihrer Länge in den Schatten. Ich erkunde, was es mit der Galerie auf sich hat und was die Bedeutung dahinter ist.
- Dass Möbel auch kleine Theaterbühnen sein können, zeigen am besten die einmaligen Wandkonsolen
- Inwiefern Schlafengehen ein barocker Staatsakt ist, erfahre ich im Paradeschlafzimmer des Kurfürsten
Das Neue Schloss Schleißheim ist ein gebauter Barock-Traum. Dem bayerischen Herrscher Max Emanuel war der Titel „Kurfürst“ nicht genug. Er wollte Karriere machen und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation werden. Mit dem Schloss musste die Konkurrenz in Paris und Wien in den Schatten gestellt werden. Der Schlossbau sollte deshalb seinen Anspruch im wahrsten Sinn des Wortes untermauern. Schloss Schleißheim zeigt für mich am besten, was die Epoche des Barock ausgemacht hat.
Aber genug der Worte: Lass uns starten mit unserer barocken Erkundungstour durch das Schloss. Let’s go!
Der verschmitzte Rokoko – oder warum die Balkone von Putti und nicht mehr von Giganten getragen werden
Die psychedelische Flowerpower-Ära des 18. Jahrhunderts lässt sich nirgendwo besser bestaunen als in der Residenz München. Sie gilt als einer der größten innerstädtischen Paläste des Kontinents und zeigt Höhepunkte des höfischen Rokoko in Europa.
In den 1720er Jahren kommt die neue Mode des Rokoko in Frankreich auf. Über den Buchdruck verbreitet sich das „Rocaille“ Ornament in ganz Europa bis nach Süddeutschland. Von Region zu Region unterschiedlich, aber grob lässt sich sagen, dass der Stil des Rokoko bis 1760 seinen Höhepunkt erreicht hat.
In Bayern wird dieser neue Stil vom Zweidimensionalen der Buchillustration ins Dreidimensionale des Raums übersetzt. Das Spielerische, Kindliche, Unbeschwerte, Ambivalente, Psychedelische und Exotische wird nun chic. Dies zeigt sich sowohl in der Architektur, im Interior, im Möbel als auch im Gemälde.
Von den vielen bedeutenden Künstlern, die der bayerische Hof beschäftigt hatte, ragt ein Talent besonders hervor. Es ist François Cuvilliés, der eigentlich aus dem heutigen Belgien stammte und ursprünglich als Hofzwerg in den Dienst des bayerischen Herrscherhauses kam. In den 1730er Jahren formte er aus der barocken Residenz ein Meisterwerk des höfischen Rokoko in ganz Europa.
Zusammen mit dem Museumskurator der Münchner Residenz Dr. Quaeitzsch laufe ich durch die weiten Gänge und Säle auf der Suche nach den Highlights des Rokoko.
- Zuerst erkunde ich die Architektur des einzigartigen Cuvilliéstheaters.
- Als nächstes entdecke ich die psychedelische Dekorationskunst des Spiegelkabinetts in den Reichen Zimmern.
- Im Paradeschlafzimmer darf ich den geheimen Rokoko Sekretär des bayerischen Herrschers öffnen und die raffinierte Möbelkunst des Rokoko bewundern.
- Zum Schluss schaue ich mir die Gemälde des berühmten „Canaletto“ an, der uns visuell zum Sommerausflug des bayerischen Hofes in der Zeit des Rokoko beamt.
Dieses Video ist für alle, die mehr lernen möchten über Kunst, Architektur und Geschichte.
Viel Vergnügen!


