Autor: Bayerische Schlösserverwaltung

Neuschwanstein_Vorzimmer, elektrische Klingelanlage

Ludwigs modernes Mittelalter

Von Dr. Uwe Gerd Schatz, Kurator der Königsschlösser Historisch im Stil – modern in der Technik Hofsekretär Bürkel zitierte 1871 Ludwig II. über dessen Neue Burg: „Nach dem AH. Willen Seiner Majestät des Königs soll das neue Schloß im romanischen Stil gebaut werden. Da wir nun gegenwärtig 1871 schreiben, so sind wir über jene Zeitperiode, welche den romanischen Stil entstehen ließ, um Jahrhunderte hinausgerückt, und es kann doch wohl kein Zweifel darüber bestehen, daß die inzwischen gemachten Errungenschaften im Gebiet der Kunst und Wissenschaften uns auch bei dem unternommenen Bau zugut kommen müssen…; ebensowenig möchte ich zugeben, daß wir uns ganz in die alte Zeit zurückversetzen und auf Erfahrungen verzichten sollen, welche sicherlich schon damals verwertet worden wären, wenn sie bestanden hätten.“ Man erkennt: auch hier folgte Ludwig II. der Tradition seines Vaters. Dieses Zitat ist geradezu eine Definition des historistischen Bauens im 19. Jahrhundert. Typisch ist auch die Verbindung von Idealität und Pragmatismus. Man sah historische Gestalt und moderne Technik nicht als Gegensatz – im Gegenteil. Eine wichtige, geradezu fixe Idee dieses Jahrhunderts war …

Ledersattel Cadolzburg

Cuir bouilli – gekochtes Leder für die Cadolzburg

Von Jan Braun, Papierrestaurator der Bayerischen Schlösserverwaltung Der Ritter im schimmernden Panzer Hier links sehen wir die geläufige Vorstellung, die mit den mittelalterlichen Kämpfern und ihrer Funktionskleidung verbunden wird. Ein Idealbild, wie es Albrecht Dürer beispielhaft in seinem berühmten Kupferstich von 1513 entwirft. Wir finden es in unzähligen Darstellungen der Bildenden Kunst, welche die Welt der heute populären Fantasy- und Historienfilme inspirieren. Was ist eine Rüstung und aus welchem Material besteht sie? Ein wichtiger Bestandteil der mittelalterlichen Rüstungen war das von den Kelten erfundene und von den Römern kopierte Kettenhemd oder Ringpanzerhemd. Mit der Verbreitung von Fernwaffen wie Langbögen und Armbrüsten ab dem späten 12. Jh. ging man dazu über, den Körper durch zusätzliche Panzerplatten des sogenannten Plattenrocks zu schützen. Aus diesem entstand im 14. Jh. der Lentner, eine gepanzerte Schutzweste, aus der sich wiederum die Brigantine entwickelte, eine Art Schuppenpanzer aus auf Textil und Leder genieteten Metallplättchen. Erst ab dem Ende des 14. Jahrhunderts – also während des späten Mittelalters – entwickelte sich der Plattenharnisch, der aus polierten oder beschichteten Stahlplatten bestand, die den Großteil …

Riedenburg_Burg Prunn

Expertenführung: Von der Burg zum Schloss: 800 Jahre Baugeschichte „umb die Vest Prunn“

Die Burg Prunn im schönen Altmühltal Die mittelalterliche Burg Prunn fasziniert nicht nur durch ihre Lage auf einem Felssporn hoch über der Altmühl. Sie gehört auch zu den wenigen Burgen, die in ihren charakteristischen Bauteilen erhalten ist: Torbau mit einstiger Zugbrücke, Bergfried, Kapelle und Pallas.

Dachau Hofgarten_Achse vom Laubengang zum Hofgärtnerhaus

Ordnung und Strenge im Hofgarten Dachau – Ein Blick auf den korrigierten Wegeverlauf im Obstgarten

Von Manfred Stephan Die Entstehung des Hofgartens in Dachau Der Hofgarten Dachau kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Ab 1558 ließ der Wittelsbacher Herzog Wilhelm V. die alte baufällige Burg auf dem sogenannten Kayberg in Dachau von Grund auf erneuern. Es entstand ein mächtiges vierflügeliges Renaissanceschloss.

Badesteg Exter

Sonderausstellung „Julius Exter – Moore, Bäche, See“ am Chiemsee

Von Dr. Thorsten Marr Farben als Ausdruck landschaftlicher Stimmung Bei der diesjährigen Sonderausstellung im Künstlerhaus Julius Exter in Übersee-Feldwies dreht sich alles um das Thema „Wasser“. Badende im Chiemsee, Bootsfahrten, der Uferverlauf des Überseer Baches und der Tiroler Ache, das Moor „Kendlmühlfilzen“. Dabei geht es Exter nicht um topographische Beschreibungen, sondern um die Schilderung von Stimmungen. So lassen sich auf seinen Landschaftsbildern Tages- und Jahreszeiten aber Wärme oder Kühle und Ruhe oder Bewegung ablesen. Mal hat der Künstler die Feldwieser Bucht in morgendliches Licht getaucht, mal rekeln sich Badenixen auf einem heißen Badestrand und dann wiederum meint man das Summen der Insekten zu hören, wenn Exter die laue Luft eines spätsommerlichen Nachmittages einzufangen versucht. Bei den ausgestellten Arbeiten handelt es sich überwiegend um Werke, die nach 1917 entstanden sind. In dem Jahr lässt sich Exter dauerhaft und permanent in Übersee nieder. Die Münchener Wohnung überlässt er seiner Frau, von der er sich kurz vorher hat scheiden lassen. Münchener Künstler und die Landschaftsmalerei Vor dem 1. Weltkrieg aber auch in den 1920er Jahren waren die Münchener …

Herrenchiemsee_Ferdinand Piloty_König Ludwig II Gemälde

132. Todestag von König Ludwig II. – Der Mythos lebt weiter

Von Anne-Sophie Schultes Am 13. Juni 1886, heute vor 132 Jahren, starb König Ludwig II. im Alter von 40 Jahren im Starnberger See. Bis heute gibt es viele Spekulationen und Verschwörungstheorien um den Tod des Königs. Die ganze Wahrheit wird wohl für immer verborgen bleiben. Sein mysteriöses Ende und die Schlösser, die er hinterlassen hat, sind wahrscheinlich die Hauptgründe dafür, dass der Mythos um den Märchenkönig weiterlebt. Der bauwütige Sonderling Gegen Ende seines Lebens hat sich König Ludwig II. immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Um aus dem Alltag zu fliehen, baute er sich mit seinen Schlössern Refugien, die seinen Traumwelten entsprachen. Durch seine Bauleidenschaft häufte er immer mehr Schulden an und als er wenige Monate vor seinem Tod erneut die Bewilligung eines Kredits beim Landtag beantragte, beschloss das Ministerium, seine Entmündigung einzuleiten. Entmündigung und Tod Am 9. Juni 1886 wurde König Ludwig II. von der Regierung aufgrund verschiedener ärztlicher Gutachten entmündigt, drei Tage später wurde er in Gewahrsam genommen und nach Schloss Berg am Ufer des damals noch Würmsee genannten Starnberger Sees gebracht. Bereits …