Alle Artikel in: Hinter den Kulissen

 

Hier möchten wir einen persönlichen Blick hinter die Kulissen der Bayerischen Schlösserverwaltung ermöglichen: Was haben heutige Kastellane in einem Schloss zu tun, an was arbeiten unsere Restauratoren und was machen eigentlich unsere Gärtner im Winter? Wir möchten Euch die unentdeckten Seiten der Bayerischen Schlösserverwaltung zeigen und unsere Objekte auf diese Art auch außerhalb der Öffnungszeiten für Euch zugänglich machen.

Tintenzeug Burg Prunn Ausstellung

Ein frühbarockes Tintenzeug – ein zufälliger Fund auf der Burg Prunn

Bei Arbeiten in der Burg Prunn fand der Kastellan per Zufall ein gut erhaltenes Tintenzeug. Auf der folgenden Abbildung sieht man das noch verunreinigte Fundstück in allen Einzelteilen: in der Mitte der Korpus, rechts der Sandstreuer und links der Rest des Tintenfasses. Zu einem Tintenzeug gehören, neben dem Korpus, der dekorativ aussehen soll, immer ein Tintenfass und ein Sandstreuer, die in die runden Aussparungen des sonst hohlen Korpus eingehängt werden. Mit dem Sand wurde die noch nasse Tinte, die mit einem angespitzten Federkiel aufs Papier gebracht wurde, durch Aufstreuen fixiert und getrocknet. Die Ablage vorne diente zum Niederlegen des Federkiels. Bei unserem Tintenzeug handelt es sich um eine Fayence. Der beige Tonscherben ist mit grün marmorierter Glasur überzogen. Diese Art der Glasuren findet man gehäuft im süddeutschen und südtiroler Raum. Vergleichbare Tintenzeuge weisen auf ein Entstehungsdatum um 1675 hin. Neben sehr feinen Tintenzeugen, die so wertvoll waren, dass sie nur für den höfischen Gebrauch geeignet waren, gibt es auch schon früh solche „irdenen“ Tintenzeuge, die hübsch anzusehen, für das gehobene Bürgertum gefertigt wurden. Der Korpus …

türkischer saal schachen königshaus

Orient made in Munich! Die kunsthandwerkliche Ausstattung des Türkischen Saals im Königshaus auf dem Schachen

Dem Hofbau-Ingenieur Joseph Röhrer gelang 1870, was in unseren Tagen bei Bauprojekten nur noch selten gelingt: er blieb im Kostenrahmen – zunächst. So schätzte er, dass für die Errichtung des Königshauses auf dem Schachen mitsamt Küchengebäude und Stallungen 22.000 Gulden zu veranschlagen sind. Dass die Baukosten bis zur finalen Fertigstellung des königlichen ‚Retreats‘ im Jahr 1872 dennoch drastisch ansteigen sollten, ist allein auf die stets gefürchteten „Nutzerwünsche“ des Bauherrn Ludwig II. zurückzuführen: Dieser stellte sich seinen Türkischen Saal im Obergeschoß wesentlich größer und orientalischer vor und gab deshalb umfangreiche bauliche Änderungen in Auftrag. So floss in den Jahren 1871 und 1872 mit gut 110.000 Gulden nochmal das Fünffache der ursprünglich veranschlagten Bausumme in die „Erweiterung des Aufbaues oder oberen Stockwerkes“ und „die innere Ausschmückung und vollständige Einrichtung der vergrößerten Lokalitäten“. Um diese Zahlen etwas greifbarer zu machen: Münchens erster Oberbürgermeister verdiente in den 1870er Jahren jährlich etwa 5.500 Gulden, ein Maurer bekam täglich 2 Gulden (pro Jahr also weit unter 1000 Gulden) und die von der anstrengenden Arbeit auf der Ausnahmebaustelle auf 1866m Höhenmetern durstigen …

Tabourets Schachen Königshaus

‚Hier saß in türkischer Tracht Ludwig II. lesend‘ – Die Restaurierung der Tabourets Ludwigs II. aus dem Königshaus auf dem Schachen

Hella Huber und Cornelia Wild // ‚Hier, zwischen den zwei Fenstern, saß in türkischer Tracht Ludwig II. lesend, während der Troß seiner Dienerschaft, als Moslems gekleidet, auf Teppichen und Kissen herumlagerte, Tabak rauchend und Mokka schlürfend, wie es der königliche Herr befohlen hatte, der dann häufig überlegen lächelnd die Blicke über den Rand des Buches hinweg auf die stilvolle Gruppe schweifen ließ. Dabei dufteten Räucherpfannen, und wurden große Pfauenfächer durch die Luft geschwenkt, um die Illusion täuschender zu machen‘. So beschreibt Luise von Kobell 1898 einen der seltenen Aufenthalte des bayerischen Königs im Türkischen Saal auf dem Schachen. Den Bau in traditioneller Holzkonstruktion hatte Ludwig II. als Gesamtkunstwerk konzipiert und im Obergeschoss mit einem prachtvollen orientalischen Saal ausstatten lassen. Nach strengen Vorgaben des Königs erfolgte die Umsetzung der Entwürfe in enger Abstimmung mit den ausführenden, zumeist einheimischen und Münchner Kunsthandwerkern. Die Vorgehensweise spiegelt sich in der stilistischen Einheitlichkeit des imposanten Raumes wieder. Anlässlich des 175. Geburtstages Ludwigs II. wurden die sechs Tabourets im Restaurierungszentrum der Bayerischen Schlösserverwaltung bearbeitet. Die Recherche und kunsttechnologische Voruntersuchung durch die Fachrestauratorinnen …

Bayreuth Eremitage Altes Schloss Juni 2009

Ein außergewöhnliches Geschenk des Kronprinzen Friedrich von Preußen an seine Schwester Wilhelmine von Bayreuth

‚… und so wenigstens etwas zu Deiner Zufriedenheit beizutragen.‘ Am 7. Juli 1739, vier Tage nach ihrem 30. Geburtstag, schreibt Markgräfin Wilhelmine einen Dankesbrief an ihren Bruder Friedrich: ‚Du hast mir ein prachtvolles Geschenk gesandt. Ich weiß nicht, wie ich Dir für Deine Güte danken soll!‘ Man könnte ausgiebig spekulieren, welch überraschendes Präsent die feinsinnige Königstochter derart zu beeindrucken vermochte. Kostbar, kunstfertig, von höchster Qualität und Seltenheit musste es zweifellos gewesen sein.

Hofnarren Serie Burg Trausnitz

Die Hofnarrenbilder auf der Burg Trausnitz – ein gehobener Bilderschatz der Renaissance

von Brigitte Langer und Inga Pelludat Fünf ungewöhnliche Bildnisse sind nach ihrer Restaurierung wieder auf die Burg Trausnitz zurückgekehrt und nun im Vorsaal der Fürstenetage in neuem Arrangement zu bewundern. Mittels kunsthistorischer Forschung und restauratorischer Untersuchung gelang der Nachweis, dass die auf Holz gemalten Tafelbilder vor rund 450 Jahren entstanden sind und zum authentischen Gemäldebestand der Burg Trausnitz gehören. Sie sind Teil der sogenannten Hofnarren-Serie aus der Zeit des Erbprinzen Wilhelm.

opernhaus bayreuth dachstuhl

Versteckte Zimmermannskunst von Weltrang – Das Dachwerk des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth

Über dem Markgräflichen Opernhaus hat sich ein Meisterwerk der barocken Zimmermannskunst erhalten, das von der UNESCO 2012 bei der Ernennung zum Weltkulturerbe ausdrücklich gewürdigt wurde. Das 1747 errichtete Dachwerk über dem Bühnen- und Logenhaus ging mit seiner Spannweite von fast 25 Metern an die Grenze des Machbaren in seiner Zeit und wäre auch heute noch für jeden Ingenieur eine Herausforderung.

Uwe Steger Blumen

Frühlingserwachen im Schlosspark Nymphenburg

So langsam sprießt, zwitschert und blüht es wieder – der Frühling kehrt im Schlosspark Nymphenburg ein. Und mit ihm auch die Gärtnerinnen und Gärtner der Schlossverwaltung, die sich jedes Jahr aufs Neue darum bemühen, den Besucherinnen und Besuchern des Parks ein möglichst farbenfrohes Blumenspektakel zu bieten. Wir haben Uwe Steger, Gartenbaumeister der Schloss- und Gartenverwaltung Nymphenburg, und seine Kolleginnen und Kollegen im Park besucht und sie bei der aufwändigen Frühjahrsbepflanzung begleitet. Wie diese abläuft, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

vergolderin frau palffy bayerische schlösserverwaltung

Unterwegs mit Sabine Palffy – Vom Alltag einer Vergolderin der Bayerischen Schlösserverwaltung

Leuchtende Königskutschen, prunkvolle Kaisersäle, reich verzierte Schlafgemächer – die bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige wussten ihre Macht und Reichtümer eindrucksvoll zu inszenieren. In zahlreichen Schlössern und Residenzen in Bayern erwecken goldglänzende Ausstattungen die Pracht vergangener Zeiten zum Leben und bringen damit nicht nur ihre Besucher zum Staunen.