Alle Artikel in: Residenz München

 

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Revolution und der Absetzung der Wittelsbacher 1918 ist die Münchner Residenz die wichtigste Regierungszentrale und das Herz Bayerns gewesen. Die zahlreichen Geschichten, welche dieser besondere Schauplatz bisher erlebt hat, werden in dieser besonderen Kategorie von unserem Kurator Dr. Christian Quaeitzsch mit einer guten Portion Humor erzählt!

Hartschiersaal Residenz Muc

München leuchtet – Ein Relikt fürstlicher Festkultur des 19. Jahrhunderts in der Residenz

Besucher, die derzeit den weitläufigen und normalerweise wohltuend leeren „Hartschiersaal“ im Westen der Residenz betreten, weichen vielleicht erstmal erschrocken zurück: Dort, wo in kurfürstlichen Tagen die herrschaftlichen Leibgardisten, die „Hartschiere“, gemächlichen Wachdienst taten, schnaubt, klirrt und trampelt es – eine unabsehbare Kavalkade von Pferden, die hochgerüstete Militärs tragen, wälzt sich entlang der Fensterseite durch den Raum. Zum Glück sind Ross und Reiter, wiewohl fast lebensgroß, doch nur gemalte Pappkrieger: Fast 14 Meter lang und drei Meter hoch ist das gewaltige Band aus dünner Leinwand, auf dem der gewaltige Heereszug in lichtdurchlässigen Braun- und Grautönen dargestellt ist.

Maßvoll, aber nicht zu maßvoll - nach irgend etwas soll der Wein ja noch schmecken....

Powerfrauen am Münchner Himmel – Ein gemalter Tugendkatalog im Antiquarium

Wenn sich heutige Besucher unter der beeindruckend breiten Wölbung des Antiquariums aus der Höhe herab beobachtet fühlen, trügt sie dieses Gefühl nicht. Denn während die Aufseher nur mit freundlicher Diskretion darauf achten, dass niemand die breite Sitzbank aus rötlichem Marmor als Spazierweg missdeutet und aus den kalten Marmoraugen der aufgereihten Kaiserbüsten allein blasiertes Desinteresse gegenüber dem des höfischen Lateins kaum kundigen Fremdling strahlt, spähen vom Scheitel des Gewölbes 16 kritische Augenpaare auf ihn herab.

So stellte sich Hofmaler Peter Candid um 1615 die ideale Sommerfreizeit bei Hofe vor - Deckengemälde aus den Trierzimmern der Residenz

Kein Hitzefrei bei Hofe – der Sommer in der Residenz…

„Diese Hitze“ wird dieser Tage unisono gestöhnt – mal wollüstig-entspannt, wenn man sich mit Eis, Pommes und Magazin bewaffnet im Freibad rekelt, mal besorgt von denen, die ihren ausgetrockneten Acker begehen, oder leicht hysterisch, wenn man in hochgeschlossener Geschäftskleidung vom stickigen Büro auf den flirrenden Asphalt vor dem Fenster blickt. Vermutlich war das in vergangenen Zeiten an manchem Sommertag im kurbayerischen München auch nicht anders, auch wenn z.B. das europäische 17. Jahrhundert meteorologisch als „Kleine Eiszeit“ in die Geschichte eingegangen ist und uns die Quellen bis ins 19. Jahrhundert hinein das Bild ziemlich vieler verregneter Augustmonate zeichnen…

Kabinett der Königin Residenz München

„Schiller“nde Bilderwelt – Das Schreibkabinett der Königin im Königsbau

„Schillers „Musenalmanach“ ist jetzt auch raus: Beim „Lied von der Glocke“ sind wir fast von den Stühlen gefallen vor Lachen…“. Eher maliziös tönt im Jahr 1799 die literarische Erstkritik der Schriftstellerin Caroline Schlegel (1763-1809) über das eben damals erschienene Gedicht des großen Mannes, das kundigen Glockenguss und gelingendes Menschenleben in Parallele setzt und über dessen Länge abseits aller poetischen Vor- und Abzüge Generationen von Schülern gestöhnt haben. Vermutlich ging der selbstbestimmten Caroline die betuliche Art gegen den Strich, mit der der kränkelnde Dichterfürst die Rolle des weiblichen Geschlechts als „züchtige Hausfrau und „Mutter der Kinder“ vorbestimmte. Auf jeden Fall zeigt sich, dass der Zugang der Zeitgenossen zu „Schiller und Goethe“ – dem nur wenig später als unerreichbare „Olympier“ apostrophierten Weimarer Siegerduo in der literarischen Schwergewichtsklasse – erfrischend unbefangen war. Vor diesem Hintergrund mag man auch im unlängst wiedereröffneten Königsbau der Münchner Residenz einen hoffentlich interessierten Blick in das Schreibkabinett der Königin Therese, Gemahlin des Bauherrn Ludwig I. (reg. 1826-48), werfen, an dessen Wänden und Decke zahlreiche gemalte Szenen aus Schillers Werken erscheinen.

Header Teller Residenz

Stresstest für den „Hofmarschall“ – ein Blick hinter die Kulissen des fürstlichen Speisesaals

SchlossGenuss, so heißt die aktuelle Blogparade die derzeit von „Schlösser und Gärten e.V.“ veranstaltet wird – und das verheißungsvolle Motto kann vieles beinhalten – es mag gelten für das erfreuliche tête-à-tête des allergnädigsten Landesvaters mit der tagesaktuellen Mätresse im dezent-prunkvollen Interieur eines Rokoko-Kabinetts.

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Heiße Bilder – enkaustische Malereien in der Residenz

Man merkt es schon an den derzeit seltenen Blogbeiträgen – wir haben in diesen Wochen viel zu tun: Hinter der seriösen Fassade des klassizistischen Königsbaus der Residenz herrscht weitgehend unsichtbarer, aber nichtsdestotrotz turbulenter Betrieb. Während auf der einen Seite Bestandteile künftiger Vitrinen in neue Sammlungsräume hineingetragen werden, kommen auf der anderen die lange Jahre deponierten Exponate an, um sorgsam jeweils in ihrem neuen gläsernen Zuhause aufgestellt zu werden.

Silberteller

Es kommt ein Schiff beladen bis an sein höchsten Bord….: Eine schimmernde Neuerwerbung für die Silbersammlung

Kurz vor Weihnachten haben wir in der Residenz auch einmal Nikolaus gespielt und uns selbst – und damit auch stellvertretend unsere Besucher – mit einem schönen Stück aus dem Kunsthandel beschenkt: Während aber der fromme Bischof Nikolaus aus dem kleinasiatischen Myra armen Mädchen in Not Goldklumpen in die aufgehängten Strümpfe zu werfen pflegte, landete bei uns ein silberner Teller auf dem Gabentisch; und während besagte Socken zum Trocknen über dem Kamin hingen, in dem ein lustiges Feuerchen brannte, stammt unser Erwerbung aus den Tiefen des feuchten Nass….

Königsbau Residenz München

Der König ist tot – Lang lebe der König! Ludwig I. und sein Königsbau…

Schön könnte man heute bei Sonnenschein und klirrender Kälte an den 150. Todestag des bauwütigen Bayernkönigs und Kunstmäzens Ludwig I. (1786-1886) erinnern, wenn der royale Tausendsassa, zeitlebens ein Liebhaber guter Auftritte und überraschender Abgänge (nicht zuletzt so vorzeitig wie final von der politischen Bühne im Revolutionsjahr 1848), nicht ausgerechnet an einem 29. Februar im mondänen Nizza verstorben wäre!