Alle Artikel mit dem Schlagwort: Residenz München

pompadour gemälde residenz münchen

Frauen in Hosen – grüßen aus Paris…

Lässig hingestreckt auf honiggelben Polstern lässt sich die schöne Orientalin auf diesem Bild aus der Gemäldesammlung der Residenz ein Tässchen Kaffee reichen. Ihre vornehme Blässe verrät den in 1001 Nächten geschulten Augen des Betrachters, dass die exotische Beauté niemals gezwungen ist, unter der stechenden Sonne Konstantinopels zu arbeiten, sondern im angenehmen Halbschatten der Haremsgemächer müßig gehen und sich am Aroma des elegant gehaltenen Miniaturpfeifchens berauschen darf – die Gewogenheit des Sultans und jede Menge Sklaven, wie die Dienerin, die kniend Kanne und Tasse offeriert, machen’s möglich…

Julius Exter:

Faszination Frühling – ein Streifzug durch Bayerns Schlösser & Gärten

Heute ist kalendarischer Frühlingsbeginn und somit der optimale Zeitpunkt unseren Streifzug durch die Jahreszeiten in den bayerischen Schlössern fortzuführen und auf die Suche nach dem Frühling zu gehen. Denn neben der aus dem Winterschlaf erwachenden Natur, gibt es auch in und um die Schlösser, Burgen und Residenzen so manche Begegnung mit allerlei Formen des Frühlings…

Silberterrine Silberkammer Residenz München

Oh-là-là, da kommt die Olle, äh Olla… – Die Karriere der spanischen Suppe

Vielen Besuchern der neuen Silbersammlungsräume im Obergeschoss des Königsbaus der Residenz fällt als Erstes ein überaus reich verzierter, runder Deckeltopf aus vergoldetem Silber mit Schöpfkelle und Untersetzplatte auf: Über und über sind die schimmernden, gewölbten Flächen mit kunstvoll ineinander verschlungenen Flechtmustern verziert.

Ganz sicher keine „Pfeif(f)en“! Die Scagliola-Arbeiten der Familie Pfeiffer/Fistulator in der Residenz

Bayern: traditionell mit Leder behost, aber das brandaktuelle Laptop unter dem Arm – so spektakulär vielschichtig präsentiert sich der weißblaue Freistaat heutzutage gern in der Öffentlichkeit. Aber auch schon sein Vorgänger, das alte Herzog-, später Kurfürstentum, war bemüht, sich ein Image als innovativer Standort von Kultur und (künstlerischer) Innovation zwischen Inn und Isar maßzuschneidern und diesen Ruf über den unmittelbaren Einflussbereich der Wittelsbacher hinaus zu verbreiten. Wichtiger Anteil kommt dabei dem kurfürstlichen „Stuckathor“ und Ausstattungskünstler Wilhelm Pfeiffer zu, dessen Tod im Januar 1669 sich heuer zum 350. Male jährt! Das internationales Standing und Branding am besten an der eigenen Person ansetzt, demonstrierten Wilhelm und die Seinen schon früh mit einer eleganten Namensänderung, indem sie aus dem musikalischen Pfeiffer Anfang des 17. Jahrhunderts ein in elegantes Latein übersetztes, weltmännischen „Fistulator“ machten, den Namen, unter dem die Künstlerfamilie heute bekannt ist (und ähnlich wie zum Beispiel der etwas ältere Philipp Schwarzerdt aus Bretten, der sich als guter Kenner des Altgriechischen zum schicken Herrn Melanchthon gräzisiert in die Geschichte der Reformation einschrieb). Am Vorabend des Dreißigjährigen Kriegs, unter …

Ausschnitt aus der gestochenen Ansicht der Festdekoration im kurfürstlichen Opernhaus anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten 1765

Treulich geführt… Anno 1765: Prinzessinnenhochzeit in München

Januar 1765 – Festlaune am Münchner Hof, freudig bewegte Mienen in der Residenz – zumindest in der Öffentlichkeit: denn es beginnt nicht nur die alljährliche Karnevalssaison mit ihren zahlreichen Unterhaltungsangeboten, es gibt noch mehr zu feiern: Schon hält im neuen „Opera-Hauß“, das François Cuvilliés einige Jahre zuvor für Kurfürst Max III. Joseph errichtet hat, Hymenäus, der Genius der Hochzeit, an einem gemalten Götterhimmel die Bildnisse zweier Fürstlichkeiten fest im Griff: Das Porträt der Schwester des Kurfürsten, Prinzessin Maria Josepha und eines, das einen etwas blasiert lächelnden Herrn mit hoher Stirn zeigt: Joseph II., Sohn Maria Theresias und ältester Spross des Hauses Habsburg-Lothringen, seit wenigen Monaten erwählter römischer König und damit zukünftiger Kaiser!

Hier steppt der Bär und tanzt der Hund - wo? In der neu eröffneten Porzellansammlung im Residenzmuseum!

„Hund sans scho…“ – Wo die Fürstentafel zum Kinderspielplatz wird!

„We love to entertain you“ – ob diese markige Versicherung der modernen Unterhaltungsindustrie auch für den kleinen Hund auf unserem Titelbild gilt? Unwürdig für einen Vierbeiner muss er auf den Hinterpfoten zu einer Musik herumhopsen, die man sich nur schräg und improvisiert imaginieren kann. Der Gipfel ist natürlich die Kostümierung: Wenn es wenigstens die schicken Stiefel des „Maître Chat“ aus Charles Perraults Kater-Märchen wären! Aber das von Rüschen starrende Puppenkleid über ausgestellten Reifrock war wohl ursprünglich eher für eine Puppe und nicht für eine stolze Promenandenmischung bestimmt! Wenigstens geht das kindliche Publikum, das den kleinen Tänzer und seinen gleichfalls jugendlichen Impresario umsteht, voll mit – wenn der Beifall auch fragil klingt: Den „Le chien qui danse“ und seine Bewunderer sind aus zerbrechlichem Biskuit-Porzellan gefertigt!

Ludwig I Bayern Verfassung

Verfasst, erfasst, geliebt oder gehasst? Die bayerische Verfassung im königlichen Staatsporträt

„Unser“ Jubiläumsjahr in der Residenz und der Schlösserverwaltung neigt sich langsam dem Ende zu: Viel gab es 2018 zu feiern und an Vieles zu erinnern. Nicht nur die feierliche Wieder- und Neueröffnung des Königsbaus nach zehnjähriger Schließung, sondern auch das 100jährige Bestehen der BSV als Institution des Freistaats, der gleichfalls vor einem Jahrhundert im November 1918 mit der Ausrufung der bayerischen Republik durch den USPD-Politiker und späteren Ministerpräsidenten Kurt Eisner aus der Taufe gehoben wurde.

Hartschiersaal Residenz Muc

München leuchtet – Ein Relikt fürstlicher Festkultur des 19. Jahrhunderts in der Residenz

Besucher, die derzeit den weitläufigen und normalerweise wohltuend leeren „Hartschiersaal“ im Westen der Residenz betreten, weichen vielleicht erstmal erschrocken zurück: Dort, wo in kurfürstlichen Tagen die herrschaftlichen Leibgardisten, die „Hartschiere“, gemächlichen Wachdienst taten, schnaubt, klirrt und trampelt es – eine unabsehbare Kavalkade von Pferden, die hochgerüstete Militärs tragen, wälzt sich entlang der Fensterseite durch den Raum. Zum Glück sind Ross und Reiter, wiewohl fast lebensgroß, doch nur gemalte Pappkrieger: Fast 14 Meter lang und drei Meter hoch ist das gewaltige Band aus dünner Leinwand, auf dem der gewaltige Heereszug in lichtdurchlässigen Braun- und Grautönen dargestellt ist.