Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kurfürst Karl Albrecht

Sein und Schein – Steiniger Weg zur Wittelsbacher Kaiserkrönung 1742

„Meine Krönung ist gestern vor sich gegangen mit einer Pracht und einem Jubel ohne gleichen…“ – so notiert es der frisch gebackene – nein gekrönte – Kaiser Karl VII., kurz zuvor noch „schlichter“ Kurfürst von Bayern, am Abend eines für ihn ebenso denkwürdigen wie zermürbenden 12. Februar 1742 in sein Tagebuch.

Lifestyle auf dem Präsentierteller

Viel Licht, Goldglanz und reflektierende Kristalllüster, noble Gemälde an den grün bespannten Wänden und edelste Schaustücke auf Tischchen und Boden – so präsentierte sich die Galerie des Paradeappartements von Kurfürst Karl Albrecht (1726-45) der feinen Gesellschaft. Wer sich bei den höfischen Abendveranstaltungen in diesem „Spazier-Sahl“ tummelte, konnte damals zwischen den Fenstern sechs vergoldete Tischchen sehen.

Einfach göttlich – olympische Kunstfreunde gehen an die Decke.

Stolzgeschwellt haben wir im letzten Beitrag unsere Ölskizze des 1944 untergegangenen Deckenfreskos der Grünen Galerie präsentiert. Momentan noch in restauro enthüllt es bereits im Zuge der Reinigungsarbeiten, bei denen Verschmutzungen und vergilbte Überzüge abgelöst werden, mehr und mehr Details einer vielfigurigen Szenerie.

Es wird heiß – ein Phönix ersteht aus Asche

 „Das schönste Rokoko auf Erden“ – Die Reichen Zimmer und die Grüne Galerie „Das schönste Rokoko“ – so begeistert hat niemand Geringeres als Jacob Burckhardt (1818-1897) in seinen Briefen die Reichen Zimmer mit der Grünen Galerie in der Münchner Residenz beschrieben. Die Begeisterung des berühmten Schweizer Kunst- und Kulturhistorikers wärmt nicht nur die bayerische Seele – es ist  auch heute noch sofort nachvollziehbar: Schließlich war der mit der Gestaltung beauftragte Künstler – François Cuvilliés (1695-1768) –  bestrebt, für seinen Auftraggeber, den bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht (regierte 1726-1745), den fulminanten Eindruck höchster Eleganz und Pracht zu erzeugen.

Und was bringt das…? – warum Bild nicht gleich Bild ist.

Wenn nicht grade der Kampf mit den technischen Tücken der Blog-Software tobt, sind es derzeit vor allem die Arbeiten in der Grünen Galerie, die in der Residenz Museumsabteilung und Restaurierungszentrum in Atem halten. Nachdem notwendige Sanierungsmaßnahmen weitgehend abgeschlossen werden konnten (näheres hierzu in den kommenden Beiträgen), steht nun die Wiederherstellung der originalen Gemäldehängung des mittleren 18. Jahrhunderts im Fokus.  Vielleicht erhebt sich an dieser Stelle die Frage, inwieweit der hierfür notwendige Aufwand an Zeit und Geld gerechtfertigt ist.  Schließlich ist – flapsig gesprochen – in einer Galerie Bild letztlich Bild, hängt ein Großteil der oft zu allem Überfluss noch stark nachgedunkelten Gemälde doch sowieso außer Reich- und Blickweite. Außer einem allgemeinen Eindruck von Pracht und Fülle kommt meist erst mal gar keine weitere Information in Auge und Sinn des Betrachters an.