Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kurfürst Max III. Joseph

Ausschnitt aus der gestochenen Ansicht der Festdekoration im kurfürstlichen Opernhaus anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten 1765

Treulich geführt… Anno 1765: Prinzessinnenhochzeit in München

Januar 1765 – Festlaune am Münchner Hof, freudig bewegte Mienen in der Residenz – zumindest in der Öffentlichkeit: denn es beginnt nicht nur die alljährliche Karnevalssaison mit ihren zahlreichen Unterhaltungsangeboten, es gibt noch mehr zu feiern: Schon hält im neuen „Opera-Hauß“, das François Cuvilliés einige Jahre zuvor für Kurfürst Max III. Joseph errichtet hat, Hymenäus, der Genius der Hochzeit, an einem gemalten Götterhimmel die Bildnisse zweier Fürstlichkeiten fest im Griff: Das Porträt der Schwester des Kurfürsten, Prinzessin Maria Josepha und eines, das einen etwas blasiert lächelnden Herrn mit hoher Stirn zeigt: Joseph II., Sohn Maria Theresias und ältester Spross des Hauses Habsburg-Lothringen, seit wenigen Monaten erwählter römischer König und damit zukünftiger Kaiser!

Ticken die denn noch richtig? – der kurfürstliche Hofuhrmacher Paulus Graff und sein Meisterwerk

Heute fällt es schwer, sich bewusst zu machen, welch einschneidende Bedeutung die Erfindung und Einführung von transportablen Uhren für die Menschen der frühen Neuzeit gehabt haben muss. Als Zeitmesser ersetzten sie ja mit neuer Exaktheit – wenn auch zunächst nur für wenige – den Blick auf den ungefähren Sonnenstand und die grobe Orientierung an den Kirchenglocken, die regelmäßig zum Gebet läuteten.

München_Cuvilliestheater

Domino spielen im Cuvilliés-Theater: Der Hofball von 1765

Wer den heute am Brunnenhof eingerichteten Zuschauersaal aus Cuvilliés ehemaligen „Hof-Opera-Hauß“ zum ersten Mal betritt, dem verschlägt es angesichts der Pracht dieses weiß-rot-goldenen Rokoko(T)raums meist zunächst kurzfristig den Atem: Über die vier, mit geschnitzten Draperien verhängten Ränge hinweg entwickelt sich eine übergreifende Ornamentik aus bewegten Figuren und geschwungenen Rocaillen (asymmetrischen Muschelformen), die sich zu einem harmonischen und zauberhaften Ganzen fügen.

Wohl zu viele Mozartkugeln vertilgt….?

Tatsächlich wirkt der rundliche Marmorkopf mit den etwas feisten Wangen so, als habe sein distinguierter Träger zu viel von der Salzburger Schokospezialität verkostet. Und warum auch nicht, es ist schließlich der berühmte Kompositeur selbst – Wolfgang Amadeus Mozart, das „Wolferl“, den man sich physiognomisch gern graziler und anmutiger vorstellt – eher passend zur „Kleinen Nachtmusik“ statt zur wuchtigen Ouverture des „Don Giovanni“….

Ein verlorenes Paradies – das Teekabinett der Kurfürstin Maria Anna

Wer heute als Besucher der Residenz durch die sogenannten Kurfürstenzimmer aus der Mitte des 18. Jh. wandert, wundert sich vielleicht, dass sich in der Mitte der Raumflucht die ansonsten weiträumigen Gemächer, in die regelmäßig eine übliche Münchner Single-Wohnung inklusive Flur-Küche-Bad-Minibalkon zu passen scheint, auf einmal zu zwei vergleichsweise engen Zimmerchen zusammenziehen.