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Starke Männer kriegen Verstärkung: Herkules-Darstellungen in der Residenz

Endlich ist es soweit: nach langer Restaurierung ist der um 1779/81 geschnitzte Figuren-Zyklus der Herkulestaten des kurfürstlichen Hofbildhauers Roman Anton Boos (1733-1810) in der Residenz wieder komplett: Und angesichts des Schwergewichts der mächtigen Preis-Ringer sowie der beeindruckenden Gesamtfläche aus hölzernen Muskelbergen, deren Fassung es zu sichern, retuschieren und zu überarbeiten galt, kann man wahrlich sagen, dass es sich in mancher Hinsicht auch hier um eine „herkulische Arbeit“ gehandelt hat, die dem berühmten Dodekathlos kaum nachsteht: das ist der feine griechische Fachausdruck für den Katalog der zwölf Aufgaben, die der mythologische Halbgott einst meistern musste und denen er seinen seit der Antike anhaltenden Ruhm in der bildenden Kunst der westlichen Welt verdankt. Denn die erfolgreichen Kämpfe gegen allerlei sagenhafte Plagen des Altertums zum Wohle der gepeinigten Menschheit und die feine Abkunft des Herkules (griechisch: Herakles) — sein olympischer Erzeuger war der Göttervater persönlich! — machten den starken Mann mit der Keule und dem Löwenfell schon früh zur weitaus beliebtesten Identifikationsfigur für die meist nicht ganz so wie er fitnessgestählten Potentaten auf Europas Thronen.