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Schönheiten auf Reisen: Sonderausstellung „Ludwig, Lola und Legenden“ in Aschaffenburg

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Ab dem 5. Dezember präsentiert eine Kabinettausstellung in Schloss Johannisburg Highlights aus der Schönheitengalerie König Ludwigs I.

August 1847. Während in München die Stimmung immer heftiger brodelt und alle Zeichen auf Revolution deuten, genießt König Ludwig I. mit Frau und Tochter Alexandra die Sommerfrische in Aschaffenburg. Aus dem Turmzimmer seines Schlosses korrespondiert er zugleich mit seiner Mätresse Lola Montez: „Die Nacht war südlich, und ich habe an meine Lolitta gedacht.“ Die vermeintlich spanische Tänzerin – in Wirklichkeit war sie Britin – hatte er erst einige Monate zuvor kennengelernt. Das provokante Auftreten der Femme fatale hatte seither zu Skandalen und Tumulten in München geführt.

Doch in der Stadt am Main darf „Lolitta“ ihren „Louis“ nicht besuchen, wie dieser seinem Minister Maurer berichtet: „Lola Montez, die wiederholt und wiederholt den lebhaften Wunsch äußerte, zugleich mit mir in Aschaffenburg sich aufzuhalten, ist nicht hier; zugleich doch ein Beweis, daß sie nicht regiert. Je règne et gouverne…“ An seinem Geburtstag stellt ihr Ludwig jedoch im Aschaffenburger Schloss das verhängnisvolle Adelsdiplom aus, das sie in den Gräfinnen-, ihn aber unfreiwillig in den Ruhestand versetzen sollte.

Nach gut 170 Jahren gibt Lola Montez nun erstmals ein glanzvolles Gastspiel in Aschaffenburg. Anlässlich der Restaurierung der berühmten „Schönheitengalerie“ in Schloss Nymphenburg ergreift die Bayerische Schlösserverwaltung die einmalige Gelegenheit, drei Schönheitengemälde in der Kabinettausstellung „Ludwig, Lola und Legenden“ vom 5. Dezember 2019 bis 1. März 2020 im Schloss Johannisburg in Aschaffenburg zu präsentieren.

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Die Schönheitengalerie

König Ludwig I. von Bayern ließ 1827–1850 in einer beeindruckenden Porträtserie die schönsten Frauen seiner Zeit malen. Schon kurz nach seinem Thronantritt erteilte er Hofmaler Joseph Stieler die ersten Aufträge, doch bis zur Fertigstellung aller 36 Bilder vergingen fast drei Jahrzehnte. Galerien attraktiver Frauen waren zwar keine Erfindung Ludwigs I., doch neu an seiner Porträtserie war die Auswahl der Modelle: Stellten die Bilder zuvor hauptsächlich Hofdamen dar, saßen nun unabhängig von ihrem Stand adelige Damen und Bürgerstöchter, Mitglieder der königlichen Familie und Skandalnudeln Modell. Ebenso wichtig wie die äußere Erscheinung war dem Auftraggeber der Charakter der Porträtierten: „Nur Schönheiten guter Aufführung kommen in die Sammlung!“ Die Entscheidung darüber, was „gute Aufführung“ war, oblag dabei jedoch dem König… So rankten sich schnell Legenden um die Dargestellten, deren Berühmteste ohne Zweifel Lola Montez war. Ludwigs „gemaltes Serail“ – wie Heinrich Heine einst spottete – stellt einen Höhepunkt der Porträtmalerei im frühen 19. Jahrhunderts dar. Schon zur Entstehungszeit konnten die Bilder in zwei eigens dafür vorgesehenen Sälen der Münchner Residenz öffentlich besichtigt werden. Seit deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wird die Gemäldeserie in Schloss Nymphenburg präsentiert.

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Die Schönheitengalerie Ludwigs I. in Schloss Nymphenburg vor der Restaurierung.

Ludwig I. und Aschaffenburg

Kein bayerischer König besuchte Aschaffenburg so oft wie Ludwig I. (reg. 1825–1848). Zunächst war es politische Notwendigkeit, die ihn dorthin zog: Um das erst 1814 zum bayerischen Staatsgebiet gekommene Franken enger an die Monarchie zu binden, wurde der Wohnsitz des Kronprinzenpaars in den neuen Landesteil verlegt. Auch als amtierender Regent (und sogar noch nach seiner Abdankung) verbrachte Ludwig die Sommermonate mit seiner Frau Therese und den Kindern in Aschaffenburg, wo er das eindrucksvolle Renaissanceschloss bewohnte und 1840 bis 1848 das Pompejanum als idealisierten Nachbau einer römischen Villa errichten ließ. Genau zu dieser Zeit porträtierte Joseph Stieler im Auftrag des Königs auch die drei Schönheiten Prinzessin Alexandra, Caroline Lizius und Lola Montez, die aufgrund ihrer besonderen Beziehung zu Aschaffenburg im Zentrum der Ausstellung stehen.

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Die Schönheiten freuen sich schon auf Euren Besuch!

Alexandra, Caroline … und Lola!

Prinzessin Alexandra, jüngste Tochter des Königspaars Ludwig und Therese, kam 1826 im Schloss Johannisburg zur Welt. Mit ihren Eltern verbrachte sie viel Zeit in der geliebten Sommerresidenz am Main, mit ihrem Vater teilte sie die Begeisterung für die Schriftstellerei. Als 19-jährige ließ der König seine Lieblingstochter, die zeitlebens unverheiratet blieb, mit efeubekränztem Haar für die Schönheitengalerie porträtieren.

Die 16-jährige Caroline Lizius hatte der Monarch in Aschaffenburg, ihrem Geburtsort, kennengelernt. Viele Jahre verband ihn ein inniges Verhältnis mit der Bürgerstochter, der er eine Anstellung als Hofkapellsängerin in München verschaffte und Gedichte widmete – zum Spott der Zeitgenossen, denen die Affäre nicht verborgen blieb. Zweimal ließ er sie von Stieler malen. Erstmals sind beide Porträts nebeneinander zu sehen – das farbenfrohe des jungen Mädchens und das elegante im dunklen Samtkleid, das in die Galerie gelangte.

Und schließlich Lola Montez! Als Tänzerin betörte sie den König während einer Audienz und erzwang so ihren Auftritt in München. Die ebenso leidenschaftliche wie verhängnisvolle Affäre führte schließlich zur Staatskrise und zu Ludwigs Abdankung. Das Bildnis der königlichen Mätresse im spanischen Kostüm mit roten Nelken im Haar war eines der letzten und spektakulärsten der Schönheitengalerie. Schon zu seiner Entstehungszeit Touristenmagnet, wurde das Bild nach dem endgültigen Aus der Affäre ins Depot verbannt. Erst mit der Musealisierung der Münchner Residenz nach dem Ende der Monarchie durfte das Bild wieder in die Reihe der Schönheiten zurückkehren.

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Porträts des Königspaares Therese und Ludwig (1841).

Die Porträts der drei Schönheiten und des Königspaares sind in der Ausstellung zusammen mit weiteren Exponaten in einen beziehungsreichen und amüsanten Bilderreigen gesetzt und laden zu einem kurzweiligen Eintauchen in das gesellschaftliche Leben der 1840er-Jahre ein.

 


Die von Brigitte Langer, Werner Helmberger und Florian Schröter kuratierte Ausstellung ist vom 5.12.2019 bis 1.3.2020 täglich außer Montag von 10–16 Uhr in Schloss Johannisburg in Aschaffenburg zu besichtigen. In Kooperation mit den Museen der Stadt Aschaffenburg wird sie in den Räumen des Städtischen Schlossmuseums gezeigt. Im Zusammenwirken mit dem VHS-Führungsnetz Aschaffenburg werden zahlreiche Sonderführungen angeboten. Alle Infos dazu findet Ihr auf unserer Webseite.

 

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