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300 Jahre Schlosspark Ellingen

ellingen residenz garten

Die Residenz Ellingen – unsere Perle des fränkischen Barocks – wird heuer 300 Jahre alt. Aufgrund der aktuellen Lage kann die Bayerische Schlösserverwaltung leider nicht wie gewohnt zur gemeinsamen Feier laden. Die gebührende Aufmerksamkeit bekommt das Barockschloss daher in Form einer umfangreichen Blogreihe. Nachdem bisher bereits die Geschichte erörtert, historische Fotografien betrachtet und über die Restaurierung der Sankt Georgs Statue berichtet wurde, wollen wir nun den Fokus auf den Schlosspark der Residenz Ellingen lenken. Heute im Blick: Die botanischen Besonderheiten der landschaftlichen Neu- und Umgestaltungen des 18./ 19. Jahrhunderts. 

Postkarte Ellingen Residenz Garten

Vom Barockgarten zum Englischen Landschaftsgarten

Wie schon im ersten Blogbeitrag erwähnt, geht der heutige barocke Schlossbau der Residenz Ellingen auf die Landkomture Philipp Benedikt Forstmeister von Gelnhausen und Karl Heinrich Freiherr von Hornstein zu Beginn des 18. Jahrhunderts zurück. Unter von Hornstein wurde auch 1726 der barocke Schlossgarten nördlich der Residenz angelegt. Die Fläche zwischen dem Schlossbau, seinen Nebengebäuden und den angrenzenden Grundstücken der Ellinger Ackerbürger bot beengte Rahmenbedingungen für eine barocke Parkanlage.

gartenhaus ellingen residenz

Links: Nördlich der Residenz der realisierte barocke Park mit Gartenhaus als Bezugspunkt. Südlich der Residenz der nicht realisierte Barockgarten und der realisiete Orangerie- und Küchengarten. Plan von 1762. Rechts: Detail des Gartenhauses.

Der Plan von 1762 wurde von Andreas Binder erstellt und zeigt nördlich der Residenz gelegen den verwirklichten barocken Schlosspark. Dieser hat keine axialen Bezüge zum Schlossgebäude, sondern erhielt einen eigenen architektonischen Bezugspunkt in Form eines Gartenhauses.

Im Gegensatz dazu erstreckt sich im Plan ein größerer, formaler Barockgarten südlich der Residenz in Verlängerung der Mittelachse des Schlosses. Allerdings wurde die großzügige, barocke Idealplanung südlich des Schlossbaus und unmittelbar an die heutige Brauerei angrenzend nie realisiert, im Gegensatz zu dem kleinen barocken Garten mit Gartenhaus im Norden des Schlosses. Ganz im Süden der Stadt ist der Orangerie- und Küchengarten abgebildet, dessen Umgrenzungsmauern und Orangeriebauten immer noch erhalten sind sowie sich bis heute im Besitz der Fürstenfamilie von Wrede befindet.

barockgarten ellingen residenz nördl

Der nördlich der Residenz realisierte Barockgarten. Plan von 1762.

Der ehemalige, realisierte Barockgarten nördlich der Residenz wurde in Ellingen auf Gartenparterres mit einer Mittelachse und einer Brunnenanlage reduziert sowie hier ohne Bosketts und zentrale Alleen ausgeführt. Am nördlichen Ende der Parterres befand sich ein erhöht liegendes barockes Gartenhaus, mit einer halbrunden Freitreppe und beiderseitigem Geländer, das in Form von Balustraden gestaltet wurde. Die Parterres waren überwiegend als Zierbeete, bzw. als Rasen- oder Broderieparterres, ausgebildet. In der Literatur ist beschrieben, dass hier für die Gestaltung der Parterreformen mit hoher Wahrscheinlichkeit das französische Standardwerk von Dezaillier d’Argenville: La Théorie et la Pratique du Jardinage etc. als Inspirationsquelle maßgeblich diente, wie vielen anderen Hofgärtnern dieser Zeit auch.

Ellingen Gartenhaus Überreste

Oben: Historische Fotografie des erhöht liegenden barocken Gartenhauses mit einer halbrunden Freitreppe und beiderseitigem Geländer. Das Gartenhaus wurde aufgrund seiner schlechten Bausubstanz nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Unten: Heute ist nur noch die Balustrade erhalten.

Residenz Ellingen vorher nachher

Links: Urmesstischblatt von 1820. BayLVAMue. Rechts: Ellingen auf GoogleMaps, 2020.

Die Phase des Englischen Landschaftsgartens

Das Urmesstischblatt von 1820 zeigt die Stadt und Residenz Ellingen, weiter ist dort erstmals der Schlosspark als ein zweigeteilter Englischer Landschaftsgarten dargestellt. Die Anfänge der landschaftlichen Um- und Neugestaltungen des Schlossparks wurden noch unter der Herrschaft des Deutschen Ordens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begonnen. So kauften die Ellinger Landkomture ab 1760 sukzessive die angrenzenden Grundstücke der Ellinger Ackerbürger auf, um dann ab etwa 1770 im nördlichen Teil einen neuen Englischen Landschaftsgarten in Miniatur anlegen zu können.

Ellingen_1820-Hofgarten

Ausschnitt des Ellinger Urmesstischblattes von 1820. Zweigeteilter Englischer Landschaftsgarten mit nördlichem und südlichem Teil.

Auf dem Ausschnitt des Ellinger Urmesstischblatts von 1820 ist die Ellinger Residenz und der Schlosspark abgebildet. Der nördliche Teil zeigt eine englische Anlage mit geschwungenen Wegen, landschaftlichen Gehölzkulissen und einen kleinen oktogonalen Gartenpavillon in roter Farbe eingezeichnet. Der südliche Teil hingegen, der ehemalige Barockgarten des Deutschen Ordens, wird bereits in der Literatur auch schon um 1770 und im Binder-Plan von 1771 als vereinfachte Verlandschaftlichung gezeigt und beschrieben. Der dargestellte Planausschnitt des Urkatasters zeigt hier zwei einfache Rasenparterres á la Anglaise und einen zentralen Weg von der Kanalbrücke hin zum damals umgestalteten Gartenhaus im Stile des Klassizismus, welches auch den südlichen Teil vom nördlichen Teil bis heute trennt. Das Gartenhaus wurde jedoch aufgrund seiner schlechten Bausubstanz nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen und an dessen Stelle wurden symmetrisch zur Freitreppe zwei Kastanien gepflanzt. Auch ist dort zu erkennen, dass der ehemalige, schrägverlaufende Wassergraben in einen rechtwinkligen Verlauf umgestaltet und Richtung Nordosten zum Park und zur Stadt Ellingen hin verlegt wurde; vermutlich ist dies auch der Grund, um nördlich des Ostflügels eine kleine Gartenpartie mit organischen Beeten innerhalb des Schlossgrabens verwirklichen zu können. Ellingen Schlosspark LandschaftsgartenWann allerdings schließlich die englischen Rasenparterres auch zu einem klassischen englischen Garten mit einem großen Gehölzbestand und geschwungenen, wassergebundenen Wegen umgestaltet wurde, ist derzeit nicht bekannt. Mit den Baumpflanzungen auf dem ehemaligen Rasenparterre des ehemaligen Barockgartens, konnte der nördliche und der südliche Teil zu einer Einheit zusammenwachsen. Nachdem der nördliche Teil lange Zeit im zentralen, mittigen Bereich durch einen Tennisplatz überbaut war, konnte dieser in den 1980er- und 1990er-Jahren durch die Schlösserverwaltung wieder als Gesamtanlage behutsam als ein englischer Gartenpark gepflegt werden.

Der Schlosspark heute – Ein Englischer Landschaftsgarten mit botanischen Besonderheiten!

Heute präsentiert sich der Park als ein kleiner, historisch gewachsener Landschaftspark, der der Phase des klassischen Englischen Landschaftsgartens zuzuordnen ist – mit geschwungenen, wassergebundenen Wegen, großen Rasenflächen und einem alten Baumbestand. Die einzigen erhaltenen Relikte aus dem Barock sind zum einen die Balustrade und zum anderen die halbrunde Freitreppe, welche zum ehemaligen Gartenhaus führte.

Residenz Ellingen Scillablüte

Ein jährliches Gartenhighlight und Naturspektakel stellt die Blausternchenblüte (Scilla bifolia) im Frühjahr um Ostern (März/April) dar, denn dann ist der Rasen in ein blaues Blütenmeer verwandelt. Auch sind etliche alte botanische Gehölzraritäten aus der Zeit des frühen 19. Jahrhunderts zu entdecken. Ein besonderes Exemplar ist der alte Gingko (Gingko triloba), der um die 200 Jahre alt sein dürfte und damals noch eine exotische Besonderheit darstellte.

gingko schlosspark ellingen

Weiter erwähnenswert sind einige ca. 180 Jahre alte Blutbuchen (Fagus sylvatica ‘Purpurea‘ und ‘Tricolor‘), die mit ihrem roten Laub einen farblichen Akzent im ansonsten grünen Blättermeer setzen. Die Ellinger Blutbuchen könnten aus Sonderburg des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen stammen, wo die allermeisten europäischen Blutbuchen um 1800 herum entstanden. Auch historisch bedeutend ist eine alte Traubeneiche (Quercus petraea ‘Muscaviensis‘). Der Sortenname ‘Muscaviensis‘ lässt annehmen, dass diese Eichenart im Landschaftspark Bad Muskau des Fürsten Hermann Pückler-Muskau entstand – woher allerdings die Ellinger Traubeneiche stammt oder wo sie kultiviert wurde, liegt im Dunkeln der Geschichte und ist bislang ungeklärt. Jedoch wurde mit der Aufnahme der Muskauer-Traubeneiche in die Liste der „Champion Trees“ der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft im letzten Jahr deren besondere Bedeutung gebührend gewürdigt.

Ellingen Schlosspark

Rückblickend betrachtet kann festgehalten werden, dass diese Auflistung an exotischen Gehölzen des frühen 19. Jahrhunderts für einen kleinen, landschaftlichen Schlossgarten im landschaftlichen Stil eines bayerischen Standesherrn sicher nicht ungewöhnlich, aber beachtlich ist. In diesem Kontext betrachtet, könnte es auch gut möglich sein, dass die beschriebenen Ellinger Baumraritäten aus der bedeutenden exotischen Pflanzensammlung des ersten bayerischen Königs Max IV. Joseph aus dem Nymphenburger Schlosspark stammen könnten. So hatte doch der berühmte bayerische Generalfeldmarschall Carl Philip von Wrede am Münchner Hof eine hohe Stellung inne und genoss bei der bayerischen Königsfamilie ein hohes Ansehen.

Durch die Sammelleidenschaft für Gehölzraritäten von Carl Philip von Wrede und seiner Nachfolger, der Fürsten von Wrede, für exotische Gehölzraritäten ist uns bis heute eine kleine Baumsammlung des frühen 19. Jahrhunderts überkommen, wie sie in englischen Gartenparks nur noch selten zu finden ist. Wenngleich sich der Schlosspark im Laufe der Zeit mehrmals wandelte, so ist er doch im Kern und als Gesamtanlage betrachtet ein Englischer Landschaftsgarten im Kleinen, so wie er im 19. Jahrhundert gestaltet hätte sein können. Angesichts des oben beschriebenen, wertvollen Altbaumbestandes ist jedoch die gartenkonservatorische und –denkmalpflegerische Arbeit zur Erhaltung des Ellinger Schlossparks von großer Bedeutung.

 


Vielen Dank an:
Hr. Bittner (Technischer Leiter) und Fr. Beckler (Kastellanin) von der Residenz Ellingen sowie Hr. Wallerius (Referent der Gärtenabteilung, G4) von der Hauptverwaltung der Bayerischen Schlösserverwaltung in München.


Zum Nachlesen und Schmökern:

Bodenschatz, Harald; Geisenhof, Johannes (1990): Deutschordensresidenz Ellingen. Visionen, Pläne und Bauten einer barocken Schloßlandschaft. Erschienen als begleitendes Buch zur gleichnamigen Ausstellung der Stadt Ellingen und der Bayer. Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen anläßlich des 800jährigen Jubiläums des Deutschen Ordens im Schloß Ellingen vom 27. Oktober bis 25.  November 1990. Schriftenreihe „Stadterneuerung“ der Stadt Ellingen, Heft 13. Lühker-Verlag, Weißenburg.

Schäfer, Bärbel (1994): Residenz und Markt Ellingen. Zur Konzeption eines Landkomtursitzes im 18. Jahrhundert. Mittelfränkische Studien im Auftrag des Historischen Vereins für Mittelfranken Herausgegeben von Gerhard Rechter in Zusammenarbeit mit Robert Schuh und Werner Bürger. Band 10. Selbstverlag des Historischen Vereins für Mittelfranken. Ansbach.

 

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