Geheimnisse
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Fürstliche Feuerwerke und prinzliche Schreihälse – Max Emanuel wird getauft

München leuchtete. Und zwar lange bevor einem gewissen Thomas Mann dieser gern zitierte Anfang für eine seiner Novellen einfallen sollte. Es war der 21. September 1662, also heute vor 350 Jahren, und der Tag der Taufe des neugeborenen Kurprinzen Max Emanuel.

 


Max Enamuel als Kind - die Verkleidung als Engelchen erwies sich später als Wunschdenken...



 

Schon am Tag zuvor war der Salzburger Fürstbischof Max Gandolph von Kuenburg, der die Zeremonie vollziehen sollte, feierlich in München eingezogen, begleitet von zahlreichem Gefolge, 190 Pferden und 24 Kutschen (bevor jetzt groß gerechnet wird: manches Pferd durfte auch allein gehen…). Bereits für diesen Anlass hatte man ein erstes Feuerwerk vor der Stadt auf dem Hirschanger abgebrannt, also etwa in der Gegend westlich des heutigen Bayerischen Nationalmuseums und der Antikensammlung. Dem hohen Besucher entsprechend wählte man für das feurige Spektakel eine christliche Thematik: Unter einem Triumphbogen, den ein bayerischer Löwe bewachte, stand Christus persönlich, umgeben von Darstellungen der Tugenden. Vor diesem leuchtenden Aufbau stiegen Böller und Raketen in die Luft. Wer einmal an Sylvester auf der Theresienwiese oder auf der Maximiliansbrücke gestanden hat, mag ermessen, wie viel die Zuschauer nach zwei Minuten noch erkennen konnten…
 

Maximilian Gandolf von Kuenburg (1622-1687)



 

Am Nachmittag des 21. September wurde es dann richtig ernst: Vor den Toren der Residenz war die ganze Stadt auf den Beinen und wartete auf den Festzug – und auf die traditionellen Weinspenden, die rot und weiß, mehr fruchtig-billig als edelherb, aus eigens installierten Brunnen flossen.

Die Taufe war um 16.00 angesetzt. Klar, dass man erst gegen 17.00 in der Residenz langsam loskam. Im Kaiserhof formierte sich der Hofstaat um den Täufling und die kurfürstlichen Eltern Ferdinand Maria und Henriette Adelaide, um den kurzen Weg in die Frauenkirche zurückzulegen: Der bayerische Adel war brieflich zur Teilnahme aufgefordert worden – nicht für alle ein ersehnter Ausflug nach „Minga“, denn Pferd, höfische Gewandung und Aufenthalt in einer standesgemäßen Unterkunft mussten selbst bezahlt werden. Die Münchner Übernachtungspreise waren schon im 17. Jahrhundert happig und mancher ärmere Aristokrat suchte verzweifelt nach Entschuldigungen, um dem frohen Anlass aus der Entfernung, von der heimatlichen Scholle aus, zujubeln zu dürfen.
 

Die "Festroute" - 1662 noch ein Weg durch fast die halbe Stadt...



 

Hinter einer ersten Abteilung von Dienern und Hofbeamten, sowie Verwandten, fürstlichen Gästen und dem Kurfürsten selbst, die alle auf geschmückten Pferden saßen, wurden der rote Kurhut mit seinem Hermelinbesatz und das aus Silberstoff gefertigte Taufkleid auf Kissen getragen. Es folgte in einer Säfte, die von 6 kleinen Pagen in weißem Kostüm flankiert wurde, die Hauptperson, Max Emanuel selbst, der von seiner Kinderfrau, der Tiroler Gräfin Wolckenstein, einer einflussreichen Vertrauten seiner Mutter, getragen wurde. Dahinter rollte mit spektakulären sechs PS die viel bestaunte rot-goldene Kutsche der Kurfürstin, die Henriette Adelaide aus ihrer Heimat Savoyen mitgebracht hatte. Max Emanuels Großmutter, die Kurfürstinwitwe Maria Anna, eine geborene Habsburger Kaisertochter, wurde dagegen in einer Sänfte getragen, aber immer genau auf gleicher Höhe mit dem Wagen der wenig geliebten Schwiegertochter – besonders in diesem Teil des Zuges herrschte wohl bereits beste Stimmung… Es folgten dann „nur“ noch eine Hunderschaft der Leibwache, der „Hartschiere“, sowie das Gefolge der Hofdamen.
 

Der Ort des Geschehens....



 

Spätestens als der festliche Zug in der Kirche angekommen war, dürften die meisten Nerven bereits blank gelegen haben, denn Max Emanuel, schon als Säugling ein Freund großer Effekte, brüllte ununterbrochen, dass die gotischen Gewölbe nur so hallten. Der Machese Pallavicino, Gesandter des Herzogs von Parma, berichtet, dass man angesichts des pausenlosen Geschreis die eigentliche Taufzeremonie in einem eher unfeierlichen Eilverfahren absolvieren musste.

Auf dem Rückweg leuchte München dann tatsächlich, denn die ganze Stadt war festlich illuminiert – in den Fenstern der Bürgerhäuser standen Kerzen, vor den öffentlichen Gebäuden glühten farbige Transparente, hinter denen Fackeln und Feuerschalen standen, geheimnisvoll in der Dämmerung: In einer Zeit ohne nächtliche Straßenbeleuchtung ein geradezu magischer Anblick.

Doch war all dies nur der Auftakt für das richtige, das „churbayerische Freudenfest“, das der Hof in den folgenden Tagen zu Ehren des neuen Prinzen veranstaltete, und über das in einem der nächsten Blogbeiträge berichtet werden soll.

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