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Ausblick in die Vergangenheit: Ein neu erworbenes Gemälde erzählt Geschichte in der Kaiserburg Nürnberg

Nürnberg Kaiserburg_Blick auf den Sinwellturm_klein

Die Konservatorin der Nürnberger Kaiserburg, Katharina Heinemann, stellt uns einen Neuzugang in der Kaiserburg Nürnberg vor – ein echtes „Lieblingsstück“.

Gemälde kaiserburg nürnberg

Dachpanorama vor der Kaiserburg Nürnberg, © Bayerische Schlösserverwaltung

Auf den ersten Blick könnte dieses Dachpanorama ein Schnappschuss von heute sein: Das im Sommer 1861 entstandene Gemälde „Ausblick von der Burg auf Nürnberg“ von Georg Christian Perlberg. Mit meisterlicher Präzision gibt der in Nürnberg beheimatete Maler die Nürnberger Dachlandschaft im sommerlichen Morgenlicht wieder, mit dem gewaltigen Chor von St. Lorenz und den kupferbehelmten Türmen des Wolff’schen Rathausbaus.

gemälde nürnberg

Nicht ganz neu: „Ausblick von der Burg auf Nürnberg“ von Georg Christian Perlberg, © Bayerische Schlösserverwaltung

Einblicke in vergangene Zeiten

Ein Besuch vor Ort in der Kaiserburg zeigt: Das dem ersten Anschein nach so vertraute Bild gewährt Einblicke in vergangene Zeiten: Perlberg lenkt den Blick durch ein seit dem Zweiten Weltkrieg verlorenes Rundbogenfenster. Dieses war – erkennbar an der nachträglich eingefügten Brüstung – aus einer Pforte entstanden. Dieser Durchgang Richtung Süden befand sich in der Mauer, die an den östlichen Eingang der Walburgiskapelle anschloss. Einst gab es hier – auf dem Areal der der Kaiserburg vorgelagerten Burggrafenburg – einen kurzen, direkten Zugang von der Stadtseite zur Walburgiskapelle, die den Burggrafen als Burgkapelle diente. Dieser hoch gelegene Eingang, der als Rundbogenfenster noch bis zum 2. Weltkrieg existierte, war über einen überdachten hölzernen Steg zugänglich. Er ist zum Beispiel gut erkennbar auf der kolorierten Ansicht Nürnbergs aus dem sogenannten Haller-Buch (1533), die wiederum dem Typus aus der Schedelschen Weltchronik (1493) folgt.

Hallerbuch Nürnberg

Die seit 1420/27 nicht mehr existente Burggrafenburg mit dem hölzernen Steg und der Rundbogenpforte rechts von der zur Burghut ausgebauten Walburgiskapelle., Abbildung aus dem Haller-Buch © Lagerort: NürnbergStaatsarchiv (Rep 52a, Rst. Nürnberg 211)

Hinweise auf den Burgherren der Kaiserburg

Eine weitere Spur im Gemälde verrät dem Besucher, wer in seiner Entstehungszeit der Nürnberger Burgherr war: Ein auf der Brüstung abgelegter goldverzierter hoher Hut, die eleganten weißen Lederhandschuhe und der blaue Samtmantel mit in Gold aufgesticktem Nürnberger Stadtwappen verweisen verschlüsselt auf König Maximilian II. von Bayern (reg. 1848-1864). Für ihn waren im ersten Stock des Palas der Kaiserburg kurz vor Entstehung dieses Fensterbilds die Räume im gotischen Stil eingerichtet worden. Zum fürstlichen Burgherrn passen auch die im Schatten der Brüstung dargestellten herrschaftlichen Jagdmotive. Mit dem an die Wand gelehnten detailliert geschilderten Gewehr, den beiden erschöpft rastenden Hunden und den zwei angebundenen Falken erweist sich das Bild als ein Stück spätromantischer Genremalerei.

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König Maximilian II.

Das 2015 für 28.000€ erworbene Gemälde wurde im Restaurierungszentrum der Bayerischen Schlösserverwaltung restauriert und erstrahlt nun an seinem neuen Standort in der roten Stube der historischen Gemächer der Kaiserburg.


 

Fakten zum Gemälde auf einen Blick:
„Ausblick von der Burg auf Nürnberg“
Georg Christian Perlberg (1806–1884)
Nürnberg, 1861, Öl auf Leinwand, bez. unten rechts „G. Perlberg Juni 1861“, 60 x 49 cm (mit Rahmen).
Nürnberg, Bayerische Schlösserverwaltung (Inv.-Nr. NbgKbg.G0019)

 


Nähere Informationen zur Kaiserburg findet Ihr hier.

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