Hinter den Kulissen, Residenz München
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Es werde Licht – Neuer Glanz in alten Zimmern

Häufigeren Besuchern der Residenz wird es vielleicht schon aufgefallen sein, dass sich seit diesem Jahr in zahlreichen Bereichen des Museums etwas geändert hat: Vor allem in den barocken Prunkräumen aus dem frühen 17. Jahrhundert, den sogenannten Stein – und Trierzimmern, die sich im Osten und Westen um den Kaiserhof gruppieren, ist es deutlich heller geworden.


Sonnenlicht aus, Kunstlicht an - unsere neuen Leuchtkörper treten in Aktion


Die neue Lichtfülle verdankt sich nicht einem entschlossenen Appell zum frühjährlichen Fensterputz oder einem nachträglichen Mauerdurchbruch, um die Aprilsonne einzulassen. Vielmehr sind es neue LED-Lampen, die je in Sechsergruppen auf schwenkbaren Leuchterständern montiert, für ungewohnten Glanz sorgen. Damit haben wir endlich einen wichtigen und schon seit Langem anstehenden Schritt unternehmen können, die museale Präsentation dieser zentralen Räume zu verbessern.

Schon seit vielen Jahren kennen die Besucher die beiden reich dekorierten Raumfluchten nur im Halbdämmer – mit wohlverschlossenen und achtsam verdunkelten Fenstern: Trotz Lampen und Strahlern versanken die überaus reiche Wandausstattung aus vielfarbigem Stuckmarmor sowie die teilweise erhaltenen, nach dem Krieg wieder montierten Deckengemälde im Schatten. Gerade an Regen- und Wintertagen erinnerten die Gemächer manchmal eher an mysteriöse Höhlen, statt mit ihrem prachtvollen und vielgestaltigen Dekor zu beeindrucken. Grund für diese Situation war aber nicht die Lust der Museumsleute am Versteckspiel oder der Wunsch, die Besucher raten, statt sehen zu lassen, was für Gestalten sich wohl an Wand und Decke tummeln. Vielmehr waren gewichtige konservatorische Motive ausschlaggebend: Die Räume beherbergen den in seinem Reichtum nahezu einmaligen Bestand der Residenz an gewebten Bildteppichen des frühen 17. Jh.


Ein Teppich der Monatsfolge nach einem Entwurf Peter Candids in den Trierzimmern (Raum 47)


Diese opulent mit Goldfäden durchzogenen textilen Wandgemälde wurden zu großen Teilen im Auftrag des Kurfürsten Maximilian I. (reg. 1595-1651), dem Bauherrn der Stein- und Trierzimmer, hergestellt oder für ihn erworben. Sie gehörten zu Maximilians kostbarsten Besitztümern, die nur aufgehängt wurden, wenn die Räume für allerhöchste Besucher – den Kaiser und seine Familie – hergerichtet wurden.

Dass diese ebenso kostbaren wie fragilen Stücke vier Jahrhunderte überleben konnten, ist ein seltener Glücksfall. Und trotzdem heute wohl keine begehrlichen Eroberer mehr nach den kostbaren Behängen schielen und auch keiner mehr versuchen wird, sie zu verbrennen um aus der Asche die geschmolzenen Goldfäden herauszusieben, sind sie weiterhin stetig in ihrer Existenz bedroht, denn ihr ärgster Feind ist – das Licht! Die UV-Strahlung der Sonne, aber auch das Spektrum handelsüblicher Glüh- und Halogenlampen zersetzt schleichend die organischen und mineralischen Farbstoffe und lässt das alte Gewebe brüchig werden. Sollen die Teppiche dauerhaft ausgestellt werden – wofür sie ja schon ursprünglich gar nicht gedacht waren – muss ein starker und effizienter Lichtschutz garantiert sein, der die schädliche Strahlung filtert und auf ein Mindestmaß herabsetzt, um den Verfallsprozess zu verlangsamen. Die Dunkelheit, in der wir unsere Schätze den angestrengten Augen der Besucher präsentier(t)en, ist der notwendige Kompromiss, den es einzugehen gilt – glücklich waren wir mit ihm nicht.
Eine Verbesserung der Situation verspricht aber seit einigen Jahren die in steter Entwicklung begriffene LED-Technologie: Das „neue Licht“ ist UV-frei und somit ungleich schonender – zudem strahlen die Leuchten viel weniger Wärme ab, als die älteren Lampen.


Hoffnungsträger LED? Regelmäßig werden Stärke und UV-Anteil des Lichts in den Museumsräumen gemessen


Mit Eifer haben wir daher, als im letzten Jahr Mittel zur Verfügung standen, die Gelegenheit wahrgenommen, mit einem ganzen Satz neuer Beleuchtungskörper die neue Lichttechnik auszutesten. Allerdings ist die Ermittlung einer geeigneten Lichtfarbe innerhalb des generell kälteren Spektrums der LEDs nicht einfach, denn die reiche koloristische Palette der Teppiche und ihr warmer Goldschimmer sollen ja möglichst farbecht sichtbar werden.  Mindestens so trickreich ist die Bestimmung der geeignetsten und zugleich unauffälligsten Position für die Leuchten im Raum – hier gibt es mindestens so viele Meinungen wie jeweils Personen im Raum anwesend sind.


Die Suche nach der besten Position ist wie ein Strategiespiel - ähnlich den Partien, die im 17. Jh. auf diesem Prunkspieltisch ausgefochten werden konnten, der ebenfalls in Trierzimmern steht (Raum 52)


Wir testen und experimentieren und sind noch weit von der Perfektion entfernt. Aber die ersten Erfolge stimmen uns optimistisch – fast strahlen wir um die Wette mit den neu beleuchteten Räumen, die zusammen mit ihren textilen Kostbarkeiten nun wieder ganz neu entdeckt werden können!

1 Kommentare

  1. Nadine sagt

    Das find ich gut. Gerade wenn es draußen „schmuddelwetter“ gab, hat man fast nichts mehr erkannt. Viel Glück bei der Lichtoptimierung! 🙂

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