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Königliche Wanderungen – Der Herzogstand und die Vorderriß

Eboli Pferdeportät Pfeiffer

Vom Allgäu aus richten wir den Blick nun wieder nach Osten, gehen von der Pöllat weg, hin zu Loisach und Isar, werfen den Blick statt auf den Alpsee auf den Kochelsee. Im Vergleich zu den bekannteren Reisezielen von Maximilian II. und Ludwig II., Hohenschwangau und der Gegend um Schloss Linderhof, werden der Herzogstand und die Vorderriß heute nicht umgehend mit den Wittelsbachern in Verbindung gebracht. Dabei hielten sich sowohl König Maximilian II., als auch sein Sohn, Ludwig, sehr gerne an diesen Orten auf.

Der Herzogstand

Der Herzogstand erhebt sich oberhalb des Kochelsees und ist heute ein voll erschlossenes touristisches Reiseziel. Ganz anders war dies noch, als Maximilian 1859 hier einen ersten Reitweg auf den Berg anlegen ließ, damit er bequemer zu seiner, ebenfalls dort für Ihn angelegten Jagdhütte gelangen konnte. Ludwig II. schätzte nicht die Jagd, wohl aber die Aussicht, welche man von diesem Berg aus genießen kann, genau wie sein Vater. Allerdings wollte er dort etwas komfortabler wohnen, als dies Maximilian getan hatte. Deshalb wurde ab 1865 mit ersten Planungen für ein neues, größeres Königshaus am Herzogstand begonnen, welche im Sommer 1867, mit der Anlieferung des Mobiliars, erfolgreich zu Ende gebracht wurden. Damit Ludwig II. den Ausblick in die umgebende Landschaft noch besser genießen konnte, ließ er sich nach und nach kleine Pavillons auf den Gipfeln von Herzogstand, Fahrenberg und Martinskopf errichten. Dort konnte der König speisen und den Blick sowie seine Gedanken schweifen lassen.

Von den originalen Gebäuden, welche Ludwig II. im Bereich des Herzogstand bauen ließ, ist heute keines mehr erhalten. Blitzschlag und ein technischer Defekt sorgten dafür, dass das Königshaus und zwei der drei Pavillons ein Raub der Flammen wurden, währen man den dritten Pavillon einfach abgetragen hatte, um das Material anderweitig zu verwenden. Der Pavillon auf dem Gipfel des Herzogstand wurde allerdings wieder neu aufgebaut und so können sich auch heute noch Wanderer dort niederlassen und den Ausblick genießen.

Pferd hildolf Pfeiffer

Pferdeportät „Hildolf“ vor der Gebirgspartie auf dem Weg zum Herzogstand mit Blick in Richtung Nordosten auf Jochberg und Benediktenwand. Friedrich Wilhelm Pfeiffer, 1868.

Das Königshaus in der Vorderriß

Nur wenige Kilometer weiter, dort wo sich Rißbach und Isar treffen, liegt das Königshaus in der Vorderriß. Heute dient dieses ehemalige Domizil der Wittelsbacher dem örtlichen Forstamt als Wohnhaus und Außenstelle. Das Gebäudeensemble erhebt sich, malerisch gelegen, auf einer Anhöhe oberhalb der Isar. Bekannte touristische Ziele in der Umgebung sind heute der Sylvensteinspeicher und die Mautstraße in Richtung Wallgau. Es ist wie so oft bei den Örtlichkeiten, die Maximilian und Ludwig schätzten. Während der Vater der Jagd fröhnte, suchte Ludwig die Abgeschiedenheit und Ruhe. Beide Anliegen ließen sich hier trefflich umsetzen.

Eine wunderbare Schilderung eines Besuches von Ludwig II., in der Vorderriß, hat uns Ludwig Thoma hinterlassen. In Oberammergau geboren, verbrachte der Schriftsteller hier seine Kindheitsjahre, von 1867 bis 1873. Thoma schreibt:

„Das Gattertor flog auf, Vorreiter sprengten aus dem Walde heran, und dann kam in rascher Fahrt der Wagen, in dem der König saß, der freundlich grüßte und seine mit Bändern verzierte schottische Mütze abnahm. Meine Mutter übereichte ihm einen Strauß Gartenblumen oder Alpenrosen, mein Vater trat neben sie, und in der lautlosen Stille hörte man ein leise geführtes Gespräch, kurze Fragen und kurze Antworten.“

Wer die Schilderungen von Ludwig Thoma liest und heute das Forsthaus aufsucht, der kann, ein wenig Fantasie vorausgesetzt, die Szenen vor dem inneren Auge heraufbeschwören.

 


Titelbild: Pferdeportät Eboli auf der Straße nach Wallgau am nördlichen Ufer der Isar mit Aussicht auf die Kapelle des Forsthauses und des Königshauses in der Vorderriß. Friedrich Wilhelm Pfeiffer, 1869.

 

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