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Königliche Wanderungen – Hohenschwangau und die Bleckenau

Pferdeportät Wala Pfeiffer

Nachdem wir uns im letzten Beitrag den königlichen Sehnsuchtsorten in der oberbayerischen Bergwelt gewidmet haben, richten wir unseren Blick heute ein paar Kilometer weiter nach Westen, nämlich ins Allgäu, genauer gesagt ins Ostallgäu.

Hohenschwangau – Der Kindheitsort Ludwigs II.

Schloss Neuschwanstein lockt jedes Jahr Millionen von Besuchern an. Vor 150 Jahren war dies aber noch eine ruhige Gegend, da die Eisenbahnlinie nach Füssen erst zum Ende der 1880er Jahre fertig wurde. Wie dies für den Ammergau und für das Ammergebirge gilt, so teilten auch hier Maximilian II. und Ludwig II. die Begeisterung für diese Gegend. So war Hohenschwangau für beide Könige ein Ort, an dem sie sich heimisch fühlten und an dem sie gerne weilten. Ganz besonders liebte auch Königin Marie Hohenschwangau, die in einem Brief an ihren Sohn Ludwig diese Gegend als ihren „liebste(n) Ort auf Erden“ bezeichnete.

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Königin Marie mit den Prinzen Ludwig und Otto beim Spaziergang im Park von Schloss Hohenschwangau. Fotografie: Joseph Albert um 1859.

Ludwig II., dessen Kindheit und Jugend als Kronprinz in weiten Teilen nicht das war, was man allgemeinhin als eine glückliche Zeit betrachten könnte, verband mit Hohenschwangau stets positive Erinnerungen. Das unterscheidet diesen Ort von anderen, die Ludwig II. später mied, wie etwa München oder Berchtesgaden. Dort bewohnte die königliche Familie Schloss Hohenschwangau, das Maximilian II. als heruntergekommene, baufällige Burg Anfang der 1830er Jahre, nach zähen Verhandlungen, für 7000 Gulden von einem Privatmann erwarb. Maximilian II. ließ die Burg nach seinen Vorstellungen umbauen und renovieren und von namhaften Malern mit Sagendarstellungen ausschmücken. Es darf angenommen werden, dass die Wandgemälde vom Schwanenritter Lohengrin und anderer Heldenepen beim jungen Ludwig II. einen tiefen Eindruck hinterließen.

Von Schloss Hohenschwangau aus unternahm Maximilian II. Jagdausflüge in die nähere Umgebung. Königin Marie und die beiden Prinzen, Ludwig und Otto, brachen von hier zu zahlreichen Wanderungen in die umliegende Bergwelt auf. Ein bevorzugtes Ausflugsziel war die sogenannte „Jugend“, jener Bergrücken, auf dem sich heute Schloss Neuschwanstein erhebt. Ludwig erwähnt in einem Brief an seinen Großvater, Ludwig I., aber auch anspruchsvollere Bergtouren als diese leichte Wanderung. So schildert er im Jahre 1857 eine Bergpartie auf den 2047 Meter hohen Säuling, der sich über Hohenschwangau erhebt. Ludwig äußert sich in dem Brief voller Begeisterung darüber, wie weit man von diesem Berg aus nach Tirol, aber auch Richtung München blicken konnte. Wer diesen Berg heute besteigen will, der sollte über eine gute Kondition verfügen, denn sowohl der Aufstieg von der bayerischen Seite (Hohenschwangau), als auch von der Tiroler Seite (Pflach) aus erfordert Trittsicherheit und Durchhaltevermögen.

Nikur Pferd Hohenschwangau

Pferdeporträt ‚Nikur‘ mit Schloss Hohenschwangau. Friedrich Wilhelm Pfeiffer, 1867, Nymphenburg, Marstallmuseum.

Die Bleckenau – eine kurze Wanderung zum Schweizerhaus

Gemütlicher geht es hingegen zu, wenn man sich auf den Spuren der bayerischen Monarchen in die Bleckenau begibt. Direkt an der Pöllat gelegen, die unterhalb der Marienbrücke spektakulär hinabstürzt und sich dann wild tosend durch die Pöllatschlucht windet, ist dieser Talboden ein lohnenswertes Ausflugsziel. Über die Bleckenaustraße und einen Wasserleitungsweg ist die Bleckenau von der Bushaltestelle Marienbrücke aus gut und bequem zu erreichen. Wie lange man für diese kleine Tour benötigt, hängt von der jeweiligen Ausdauer und dem individuellen Tempo ab. Bei durchschnittlichem Tempo ist die Strecke in etwa einer Stunde gut zu bewältigen.

Wie lange Maximilian II. und Ludwig II. gebraucht haben, um dort hinauf zu gelangen, darüber können wir nur spekulieren. Was sie aber dort oben suchten, das wissen wir genauer – Privatheit und Erholung. Maximilian II. hat um 1850 herum in der Bleckenau ein sogenanntes „Schweizerhaus“, ein Holzhaus, errichten lassen. Dies sollte Marie an Schlesien und ihr dortiges Feriendomizil Schloss Fischbach erinnern, wo sie eine unbeschwerte Kindheit verbrachte. Das „Schweizerhaus“ in der Bleckenau steht auch heute noch und beherbergt eine Wirtschaft. Königin Marie liebte es, in ihrem Wochenenddomizil in den Bergen Gäste zu bewirten. Hierzu tischte sie höchstselbst Kaffee und Kuchen auf. Prinz Otto, der natürlich bei diesen Familienausflügen ebenfalls dabei war, schrieb im August 1864 in das Gästebuch des „Schweizerhauses“ einen Vierzeiler, der sehr gut die fröhliche Stimmung wiedergibt. Mit diesem Zitat soll unser Ausflug nach Hohenschwangau nun enden:

„Eben trug Fürst Taxis / mit Kellner Praxis / Kaffee und Butter / uns zum Futter.“


Titelbild: Pferdeporträt ‚Wala‘ mit Teilansicht des königlichen ‚Schweizerhauses‘ in der Bleckenau bei Hohenschwangau. Friedrich Wilhelm Pfeiffer, um 1867, Aufn. nach Restaurierung 1988, Nymphenburg, Marstallmuseum.

 

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