Tipps und Aktuelles
Kommentare 2

Kunst einerseits, Politik andererseits – die Bavaria auf der Theresienwiese

Theresienwiese2018

Alle Jahre wieder! Und bald ist es erneut so weit: das Münchner Oktoberfest beginnt. Wie man auf dem Foto, das vor drei Tagen aus dem Kopf der begehbaren Bavaria-Statue aufgenommen wurde, sehen kann, sind die Aufbauarbeiten in vollem Gange. Seit 168 Jahren wacht die Bavaria über die Theresienwiese mit ihrem starken, strengen Blick. Die imposante Verkörperung des Landes Bayern ist eines der bekanntesten Denkmäler Münchens. Man sieht sie auf Postkarten, auf Souvenirs und sicher auch auf zahlreichen Urlaubsfotos. Fast hätte sie aber ganz anders ausgesehen.

Bayerisches Pantheon – auch für Nicht-Bayern

Bereits kurz nach seiner Krönung machte sich König Ludwig I. (reg. 1825-1848) daran, seine Idee eines Denkmals für bayerische Persönlichkeiten, die sich um das Königreich besonders verdient gemacht hatten, zu verwirklichen. Schon damals wusste er, dass nicht nur gebürtige Alt-Bayern, sondern auch Schwaben und Franken geehrt werden sollten. Diese Gebiete gehörten erst seit Kurzem zu dem noch jungen Königreich Bayern. Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, wollte Ludwig I. eine Gedenkstätte schaffen, die alle seine Untertanen ansprach, größtmögliches Identifikationspotential lieferte und somit möglichst vielen als Vorbild dienen würde.

Der Wettbewerb

1833 schrieb Ludwig I. einen Wettbewerb aus, um einen passenden Entwurf für das Denkmal zu finden. Wichtig war für ihn, dass das Gebäude Platz für 200 Büsten bieten würde. Es gab keine weiteren Vorgaben, nur den Hinweis, dass er keine Kopie der Walhalla wünschte, die er in Donaustauf als Gedächtnisort für verdiente deutschsprachige Männer und Frauen hatte bauen lassen. Folglich waren unter den Entwürfen einerseits Bauten im Stil des Klassizismus und andererseits im Stil der Romantik.

Wilhelm von Kaulbach 1848 Ludwig I. mit Künstlern und Gelehrten.

Gemälde von Wilhelm von Kaulbach von 1848. König Ludwig I., umgeben von Künstlern und Gelehrten, steigt vom Thron, um die ihm dargebotenen Werke der Plastik und Malerei – links im Stil des Klassizismus, rechts im Stil der Romantik – zu betrachten. © Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Der Klassizismus und die Romantik waren zwei Stile, die damals nebeneinander existierten. Ihre Vertreter hatten sehr unterschiedliche Kunstauffassungen und standen sich oft sehr unversöhnlich gegenüber. Der Klassizismus sah den Höhepunkt der Kunst in der Antike, orientierte sich an römischen und griechischen Elementen und einem festen Formenkanon. Die Romantik hingegen wendete sich hin zur Natur, zum Gefühl und zur Mythenwelt der eigenen Kultur. In der Architektur galt für Romantiker die mittelalterliche Gotik als richtungsweisend und nachahmenswert.

König Ludwig I. hatte eine vielseitige Kunstauffassung, die damals wie heute nicht leicht nachvollziehbar ist: Er förderte beide Stile und ließ damit zu, dass sich klassizistische und romantische Künstler während seiner Regierungszeit künstlerisch verewigen konnten. Dies zeigt sich besonders im endgültigen Entwurf der Bavaria.

Klenze Entwurf zur Bavaria

Leo von Klenze, 1833/34. Wettbewerbsprojekt zu Ruhmeshalle und Bavaria, Hauptentwurf, aquarellierte Ansicht. © Staatliche Graphische Sammlung München.

Klassizismus trifft Romantik

1834 favorisiert Ludwig I. den Hauptentwurf seines Hofarchitekten Leo von Klenze, einer der bedeutendsten deutschen Architekten des Klassizismus. Deshalb verwundert es kaum, dass Klenzes Ruhmeshalle ein typisch klassizistischer Bau ist: eine klar gegliederte, dorische (eine von fünf klassischen altgriechischen Säulenformen) Säulenhalle mit U-förmigem Grundriss. Besonders beeindruckt war Ludwig I. von der Kolossalplastik aus Bronze, denn eine solche war seit der Antike nicht mehr verwirklicht worden. Was ihm jedoch ganz und gar nicht gefiel, war das griechische Aussehen der Bavaria samt charakteristischer Gewandung, Sandalen und einem Lorbeerkranz.

Um die Vorstellung des Königs zu realisieren, wählte Klenze für die Ausführung seines Bavaria-Entwurfes den Bildhauer und Romantiker Ludwig von Schwanthaler. Dieser orientierte sich an Klenzes Entwurf und entwickelte ihn drei Jahre lang weiter, bis er eine geeignete Form fand. Das Ergebnis war eine „germanisierte“ Bavaria, wie wir sie heute kennen, mit Attributen der romantischen Formenwelt: ein hemdartiges Kleid, darüber ein gegürtetes Bärenfell, das Haupt gekrönt von einem Eichenkranz, einen weiteren in der nach oben ausgestreckten Hand, während sie in der anderen einen Dolch hält, der ihre Wehrhaftigkeit unterstreicht.

Mit der Ruhmeshalle und der Bavaria kommen also beide Stile zum Ausdruck. Insbesondere die Bavaria vereint Klassizismus und Romantik und Ludwig I. sieht darin sein Ziel verwirklicht, eine Symbolfigur zu schaffen, die für Stärke, Offenheit und für ganz Bayern stehen soll.

Bavaria_Oktoberfest

Besonders bedeutsamer Bauplatz

Als Ort für das Bauvorhaben hatte Ludwig I. bereits vor Ausschreibung des Wettbewerbs die Theresienwiese bestimmt, zu der er auch eine besondere persönliche Bindung hatte: 1810 hatte er dort die Vermählung mit seiner Frau Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen mit einem Pferderennen gefeiert. Die Wiese wurde zu Ehren der Braut nach ihr benannt und das Fest war der Vorläufer des heutigen Oktoberfests.

Wie wichtig die Ruhmeshalle und die Bavaria für Ludwig I. waren, zeigt auch, dass er die Fertigstellung nach seiner Abdankung mit seinem Privatvermögen finanzierte. Es wäre also zu kurz gegriffen, dem König reines politisches Kalkül bei seiner Kunstförderung vorzuwerfen, denn Politik hin oder her, Kunst war Ludwigs große Leidenschaft.

Bavaria Treppe

Das Innere der Bavaria.

Ein 90 Tonnen schweres begehbares Kunstwerk

Am 9. Oktober 1850 wurde die Bavaria enthüllt und für Besucher geöffnet. Damals wie heute kann die Bavaria über den Eingang auf der Rückseite des Sockels betreten werden. Bis heute ist sie mit 18m die größte Bronzestatue der Welt. Im Kopf der Bavaria befindet man sich auf 16m Höhe, man sollte also keine Höhenangst haben. Kommt vorbei und macht euch selbst ein Bild! Während des Oktoberfestes ist die Bavaria bis 20 Uhr geöffnet. Die Ruhmeshalle bleibt in dieser Zeit allerdings aus Sicherheitsgründen geschlossen.

 


Aktuelle Infos zur Bavaria und der Ruhmeshalle findet Ihr wie immer auf unserer Webseite.

 

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.