Geheimnisse
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Löwen, Affen & Co. im Hause Wittelsbach

Orpheus und die Tiere Johann König

Über Jahrhunderte hinweg war das Sammeln von Tieren und deren Haltung in Menagerien ein beliebter Zeitvertreib des Adels und zugleich Machtdemonstration. Exotische Tiere konnten nur über gute Handelsbeziehungen und mit enormem finanziellen Aufwand erworben und gehalten werden. In einer zweiteiligen Blogserie werfen wir zuerst einen Blick auf die Haltung von exotischen Tieren unter Herzog Wilhelm V. im 16. Jahrhundert. Im zweiten Teil widmen wir uns der Menagerie im Schlosspark Nymphenburg.


 

Die Entdeckung direkter Seewege im 16. Jahrhundert nach Afrika, Asien, Amerika und Fernost ermöglichte den weltweiten Handel von exotischen Waren. An den europäischen Höfen – und so auch bei den Wittelsbachern – wurde die Haltung von exotischen Tieren über Jahrhunderte zum luxuriösen und modischen „Must-have“. Die teilweise aufwendigen Menagerien waren eine spektakuläre Form der herrschaftlichen Repräsentation und die Tiere wurden zu Symbolen für Macht und Wohlstand.

Tierische Sammellaune

Durch die Etablierung von permanenten Herrschersitzen wurden Burgen zu großzügigen Anlagen ausgebaut, die eine Haltung von wilden Tieren ermöglichten.

Die Burg Trausnitz in Landshut wurde nach dem Tod von Herzog Ludwig X. zum Prinzensitz des jeweiligen Thronfolgers. Unter Wilhelm V. (1548-1626, reg. 1579-1598) erfuhr die Burg in seiner Erbprinzenzeit fundamentale Umbauten und künstlerische Ausgestaltungen im Stil der Renaissance. Wilhelm folgte dem Vorbild seines Vaters Herzog Albrecht V. (1528 -1579 , reg.1550-1579) und legte eine umfangreiche Kunst- und Wunderkammer in Landshut an. Zu seiner Sammelfreude gehörten auch zahlreiche fremdländische Tiere, die er durch verschiedene Handelsbeziehungen erwarb.

Landshut_Löwengraben

Der Löwengraben der Burg Trausnitz, Blick vom Söller Richtung Osten.

Löwen existierten in Bayern nicht nur auf dem Wappen, sondern unter anderem auch auf der Burg Trausnitz. Auch von Tigern, Panthern und einem Affen, der hin und wieder Bier zu trinken bekommen hat, ist die Rede. Außerdem werden, um nur ein paar zu nennen, Kamele, Dromedare, Strauße und viele andere Vögel, Krokodile und Schildkröten, die hin und wieder im Kochtopf landeten und natürlich auch einheimische Tiere wie Bären, Luchse und Wildschweine erwähnt. Die Tiere wurden in einem ab 1570 geplanten Tiergarten gehalten und von Leopardenmeister, Löwenwärter, Kamelknecht, Fasanenwärter, Hundewärter, Falkner und einem „lothringischen Karnickelwärter“ versorgt.

Zahlreiche Briefe aus Wilhelms Erbprinzenzeit belegen mit welchem logistischen Aufwand die Anschaffung exotischer Tiere verbunden war, die meist über Handelsbeziehungen mit Mailand und Genua erworben wurden. Nicht alle Tiere mussten einen so weiten Weg hinter sich bringen. Eine Löwin beispielsweise wurde von München auf einem Floß nach Landshut geschickt.

Löwen als wittelsbachische Statussymbole

Nach der Regierungsübernahme durch Wilhelm V. siedelte er die Löwen nach München um, wo diese in einem Zwinger nahe der Residenz im Bereich des Alten Hofs gehalten wurden. Bereits sein Vater, Herzog Albrecht V., hatte in München Löwen gehalten.

Albert V Bayern

Albrecht V. mit Löwe, 1555, Bayerische Staatsgemäldesammlungen.

Ein Reisebericht von Andrea Franceschi aus dem Jahre 1492 beschreibt die Löwenhaltung:

„Es ist hier der Hof des Herzogs Albrecht von Bayern, und er hält einen sehr vornehmen und glänzenden Hof. Neben dem Tor des alten Hofes sind in zwei Verließen drei Löwen – ein schönes Schaustück. Ferner befinden sich im Hofe zwei Löwen, die viel größer sind als die eingeschlossenen. Dieselben spazieren unter den Leuten umher, lassen sich von jedermann anrühren und sind ganz zahm; allerdings ist der eine von ihnen, der größere, kastriert und  hat keine Krallen mehr, der andere aber ist unversehrt.“ 

Historische Quellen beschreiben mehrmals Löwen, die ihrem jeweiligen Herrn wie Hunde treu gefolgt sind. Auf einem Porträt von 1555, das Herzog Albrecht V. zeigt, liegt ihm ein Löwe brav zu Füßen und teilt sich die Aufgabe der Bewachung des Herzogs mit einem kleinen Schoßhund. Angeblich soll der Löwe Albrecht nicht von der Seite gewichen sein.

Wie akkurat diese Beschreibungen sind, lässt sich heute nicht mit Sicherheit feststellen. Allerdings klingen sie zumindest fragwürdig. Die Häufigkeit solcher Darlegungen könnte man vielmehr als Huldigung an die Macht und Stärke der Wittelsbacher Herrscher interpretieren. Sogar der mächtige König des Tierreichs verbeugt sich vor diesem Adelsgeschlecht und akzeptiert diese als seine Herrscher. In der „Baierischen Chronik“ von 1522-1531 erklärt Aventin den mythologischen Herkules als Ahnenherrn Bayerns. Die Wittelsbacher verstehen sich als Nachfahren von Herkules, dem größten Helden aller Zeiten, der einst den Löwen Nemea bezwang. Die Löwenhaltung und deren Darstellungen in Bayern ist also auch als Machtlegitimation und als Nobilitierungsversuch des Adelsgeschlechts zu lesen.

…Seinem Gesichtsausdruck im Porträt nach zu urteilen scheint für Herzog Albrecht V. die körperliche Nähe zu einem Löwen nicht sonderlich aufregend gewesen zu sein. Vielleicht war das Posieren mit Löwe also doch eine alltägliche Begebenheit im Leben der damaligen High Society?

 


Titelbild: Tiere lauschen dem Gesang des Orpheus, Johann König, Residenz München.

 

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