Geheimnisse

Vielseitiger Vorgänger und einflussreiche Nachbarschaft: Die Geschichte des alten Redouten- und Opernhauses Bayreuth

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In Bayreuth entsteht derzeit ein neues Museum! Im Redoutenhaus des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth könnt ihr im kommenden Jahr im „Opernhausmuseum“ Wissenswertes über die Bayreuther Theatergeschichte sowie die Auftraggeberin und die Architekten des Bauwerks erfahren. Um eure Vorfreude auf das neue Museum zu wecken, erzählen wir euch in den kommenden Monaten zahlreiche spannende Hintergrundgeschichten rund um das Opernhaus sowie das benachbarte Redoutenhaus. Kommt gerne mit und begleitet uns auf dem Countdown zum neuen Museum.


Von Maria Blenk und Tanja Kohwagner-Nikolai

Der Bayreuther Hof nutzte viele Jahre eine Bühne im Großen Saal des Alten Schlosses für Sing- und Tanzspiele, Theaterstücke und kleinere Opernaufführungen. Ab 1684 ist in den historischen Quellen ein Theaterbau nachweisbar, bei dem es sich vermutlich um einen Anbau des Schlosses handelte. Den Wunsch nach repräsentativen Festräumen ließ schließlich der theaterbegeisterte Markgraf Georg Wilhelm (reg. 1712–1726) Wirklichkeit werden, der mit Sophia von Sachsen-Weißenfels (1684–1752) eine große Musikliebhaberin zur Frau nahm.

So ließ er ab 1714 in seiner Residenzstadt Bayreuth ein erstes freistehendes Gebäude eigens für Maskenbälle und Opernaufführungen errichten. Das „Redouten- und Operahauß“ befand sich am Schlossberg, also in städtebaulich prominenter Lage unterhalb des Alten Schlosses, aber nicht innerhalb der höfischen Sphäre. Ein besonderer Umstand, der damit zu erklären ist, dass die Veranstaltungen, vor allem die Maskenbälle auch Bürgerinnen und Bürgern der Stadt zugänglich waren.

Redouten- und Opernhaus Bayreuth Karte

Das alte Redouten- und Opernhaus als freistehendes Gebäude gegenüber dem Alten Schloss. (Carte Spéciale Bayreuth (Detail), Johann Adam Riediger, 1745. Bayreuth, Historisches Museum (06.100 ))

Das Gebäude war zweigeteilt, vorne an der Straßenseite, der heutigen Opernstraße befand sich das Redoutenhaus. Dahinter schloss sich ein Opernhaus an, das über eine professionelle Bühnenmaschinerie verfügte. Unter Georg Wilhelms Nachfolger, dem pietistischen Markgrafen Georg Friedrich Carl (reg. 1726–1735), fiel das Opern- und Redoutenhaus in einen Dornröschenschlaf, bis der Komplex von Markgraf Friedrich und seiner Gattin Wilhelmine ab 1735 wieder genutzt wurde, was intensive Umbaumaßnahmen erforderte. Das Opernhaus ließ man zunächst zum Reithaus umfunktionieren und das dortige Theater in einen Saal des Alten Schlosses verlegen. Das Redoutenhaus behielt vorerst seine ursprüngliche Bestimmung, bis es Wihelmine 1740 neu errichten und mit einem geräumigen Theater ausstatten ließ. Tanzveranstaltungen fanden dann im rückwärtigen Gebäude, dem alten Opern- bzw. Reithaus statt, in dem man einen hohen Ballsaal mit Empore schuf. Der Gebäudekomplex war nun also wieder Zentrum höfischer Festivitäten, besonders zur Karnevalszeit. Im Jahr 1747 veranstaltete der Bayreuther Hof in der Zeit dreimal die Woche einen öffentlichen Maskenball, zweimal eine Französische Komödie und jeden Donnerstag eine Oper.

markgräfliches opernhaus bayreuth

Das Redoutenhaus als Geschäftsgebäude mit dem benachbarten „Königlichen Opernhaus“ Bayreuth, um 1860, aus: Heinrich Stelzner: Bayreuth. Ein Jubiläums-Album in XX Blaettern von Bayreuth und Umgebung © BSV (Zug.-Nr. 2958)

Mit der Eröffnung des benachbarten Markgräflichen Opernhauses 1748 verlor der Festbau jedoch langsam an Bedeutung. Nach dem Tod Markgräfin Wilhelmines im Jahr 1758 entschloss sich Markgraf Friedrich dazu, den gesamten Gebäudekomplex zu veräußern. 1759 kaufte der Hofbankier und Münzlieferant Moses Seckel (gest. um 1770) zusammen mit seinem Bruder David das alte Redouten- und Opernhaus von ihrem Landesherrn für 8 250 Gulden. Der Kaufvertrag vom 5. März 1759 (StA Bamberg (Fürstentum Bayreuth, KDK, Nr. 800/I)) beinhaltet die Erlaubnis, das Vorderhaus nicht nur als Wohn-, sondern auch als Geschäftshaus zu nutzen und im Hinterhaus eine Synagoge mit Thoraschule einzurichten. Die am 15. März 1760 eingeweihte Synagoge ist also kein Neubau von Grund auf, sondern geht aus der baulichen Umgestaltung des alten „Redouten- und Operahauses“ durch die Gebrüder Seckel hervor. Die architektonische Besonderheit als ehemaliges Opernhaus lässt sich noch heute nachvollziehen. So findet man im Inneren der Synagoge an der Ostwand Hinweise auf den ehemaligen Bühnenbogen und im Dachboden Teile der barocken Bühnenmaschinerie.

Der vordere Gebäudeteil, das ehemalige Redoutenhaus, wurde weiterhin als privates Wohn- und Geschäftshaus genutzt und war bis 1920 in jüdischem Besitz. Derzeit wird das Redoutenhaus saniert und ab 21. April 2023 ein Museum zum UNESCO-Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus und der barocken Theaterwelt beherbergen.

Das Redoutenhaus mit der dahinterliegenden Synagoge in direkter Nachbarschaft zum Markgräflichen Opernhaus

Das Redoutenhaus mit der dahinterliegenden Synagoge befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Markgräflichen Opernhaus. © Klaus Sohl

Unsere Gäste können in den aufwändig gestalteten Ausstellungsräumen die Geschichte des Opernhauses und die barocke Theaterwelt mit allen Sinnen erleben. Zentrum des Rundgangs bleibt das Opernhaus selbst, das mit einem Mediaguide für Kinder und Erwachsene erkundet werden kann. Im Museum wird das Barocktheater schließlich mit zahlreichen interaktiven Stationen, Modellen und Originalen erlebbar. So lässt die Mitmachstation „Besucherorchester“ die Besucherinnen und Besucher in die Musik des 18. Jahrhunderts eintauchen. Einzigartig ist die bespielbare Rekonstruktion einer barocken Bühne: Hier können große wie kleine Gäste Bühnenluft schnuppern und sogar zu Maschinisten werden, indem sie Strippen ziehen und Kulissen schieben. So lassen sich die verschiedenen Facetten des Markgräflichen Opernhauses im wahrsten Sinne des Wortes aktiv begreifen.