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Sophia von Sachsen-Weißenfels: Deutschsprachige Oper für Bayreuth

sophia von sachsen-weissenfels

Oper in Bayreuth? Da fallen heutzutage vielen Musikfreund*innen zwei Namen ein: Richard Wagner und Markgräfin Wilhelmine. Doch auch vor der Regentschaft des theaterliebenden Markgrafenpaars Wilhelmine und Friedrich III. (reg. 1735–1763) gab es bereits eine Blütezeit des Musiktheaters im kleinen Markgrafentum, die eng mit einer kunstsinnigen Frau verbunden ist: Sophia von Sachsen-Weißenfels (1684–1752). Sie heiratete 1699 den Bayreuther Erbprinzen Georg Wilhelm und war an seiner Seite von 1712 bis 1726 Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth. Die Eheleute teilten das Interesse an Theater, Musik und prächtigen Festen.

Sophia wuchs als Tochter von Herzog Johann Adolf I. in Weißenfels auf. Während die kurfürstliche und (ab 1709) königliche Verwandtschaft in Dresden einen der politisch wie kulturell bedeutendsten Höfen des Heiligen Römischen Reichs führte, reüssierte der Weißenfelser Hof als musikalisches Zentrum. Hier wirkten zahlreiche weithin bekannte Musiker der Zeit: Sophias Vater entdeckte das musikalische Talent Georg Friedrich Händels, Sohn seines Hofchirurgs. Johann Beer wirkte in Weißenfels als Sänger und Konzertmeister. Johann Philipp Krieger war hier nach mehreren internationalen Stationen, u.a. in Bayreuth und am Wiener Kaiserhof, Kapellmeister. Eine der berühmtesten Sängerinnen der Zeit, Johanna Elisabeth Döbricht, und ihre kaum minder bekannten Schwestern starteten als Töchter eines Hofmusikers hier ihre Karrieren.

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Zentrum Deutschsprachiger Oper: Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels (Abbildung Wikipedia/Tilman2007)

Berühmt wurde der Weißenfelser Hof aber vor allem als Zentrum der deutschsprachigen Oper bzw. des Deutschen Singspiels. Zwischen 1675 und 1736 gelangten hier 87 – sämtlich deutschsprachige – Opern und Singspiele zur Aufführung, eine gemessen an der Größe des Hofs bemerkenswerte Anzahl. Der Pflege und Förderung der deutschen (Hoch-)Sprache sahen sich der Vater und der Großvater Sophias eng verbunden. Sie waren beide Mitglieder der größten deutschen Sprachakademie, der „Fruchtbringenden Gesellschaft“, deren Vorsitzender Großvater August war. 1699, im Jahr der Eheschließung Sophias, wurde am Weißenfelser Hof thematisch passend die Oper „Der vergöttlichte Cupido. Camilla Königin der Volsker“ gegeben.

Münze Vermählung_Plassenburg

„Durch göttliches Fügen des Landes Vergnügen“, Silbermedaille zur Vermählung Georg Wilhelms von Brandenburg-Bayreuth mit Sophia von Sachsen-Weißenfels am 16. Oktober 1699 (Bayerische Schlösserverwaltung/Plassenburg, Leihgabe des Landschaftsmuseums Obermain).

Diese Vorliebe für deutschsprachiges Musiktheater brachte Sophia durch ihre Heirat mit Georg Wilhelm an den Bayreuther Markgrafenhof mit und prägte das Musikleben dort nachhaltig. Während es bei den Hochzeitsfeierlichkeiten 1699 in Bayreuth noch die italienischsprachige Oper „Amage. Regina deʼ Sarmarti“ gab und bis zum Ableben des Schwiegervaters Christian Ernst (reg. 1661–1712) weitere italienische Opern aufgeführt wurden, dominierten während der Regierungszeit Georg Wilhelms deutschsprachige Werke das Bayreuther Musiktheater. In der kurzen Regierungszeit von 1712 bis 1726 gelangte die enorme Zahl von über 50 Opern und Serenaden zur Aufführung! Teils stand Sophia gemeinsam mit Angehörigen des Hofs selbst auf der Bühne, so zur Eröffnung des neuen Erlanger Opernhauses am 10. Januar 1719 als „Königin von Spanien“ sowie als „Göttin Aurora“ im Abschlussballett.

Adam Falkenhagen und Johanna Elisabeth Hesse

Weißenfelser Klänge in Bayreuth: Adam Falkenhagen (1697–1754), gestochen von Johann Wilhelm Stör 1727/57 (Abbildung: Kunstsammlungen der Veste Coburg, www.kunstsammlungen-coburg.de) und Johanna Elisabeth Hesse, geb. Döbricht (1692–1786), gemalt von Johann Christian Fiedler um 1760 (Abbildung: Wikipedia)

Zudem kamen einige in Weißenfels tätige Künstler durch Sophia nach Bayreuth. Der Komponist Georg Philipp Telemann war ab 1723 Kapellmeister in Bayreuth und lieferte Instrumentalmusik sowie zwei Opern. Die Markgräfin sorgte auch für die Weiterbildung von Musikern. So berichtet Georg Wilhelm, der Musiker Johan Daniel Schöntag sei „auf meiner Frauen Gemahlin Kosten“ an den Stuttgarter Hof entsandt worden, damit er „die Trompeter Kunst erlernet“. Die wiederholte Bitte Georg Wilhelms an den Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt in den Jahren 1719 und 1720, „die Cantatrice Hessin“ für ein Gastspiel auszuleihen, dürfte auf Sophia zurückgehen. Bei der berühmten Sängerin, die dem Markgrafen „gar oftmahlen angerühmet worden“, so dass er „dieselbe gerne hören mögte“, handelt es sich um die mittlerweile mit dem Gambisten Ernst Christian Hesse verheiratete Weißenfelserin Johanna Elisabeth Döbricht. Noch 1732, einige Jahre nach dem Tod des Bayreuther Markgrafen Georg Wilhelms, bestanden die Verbindungen nach Weißenfels. Der Lautenist und Komponist Adam Falkenhagen und seine Ehefrau, die bekannte Sängerin Johanna Emilia Kegel, kamen um 1732 an den Bayreuther Hof.

Mit der Eheschließung zwischen Sophia und Georg Wilhelm begann eine rege Bautätigkeit im Markgraftum Bayreuth, die auch Theaterbauten umfasste: Das ab 1700 errichtete Erlanger Schloss erhielt ab 1718 ein Opernhaus und eine Redoute. Ab 1701 entstand das Schloss Sankt Georgen samt Seebühne. Die teuren Musiktheateraufführungen waren damals eingebettet in Festlichkeiten zu besonderen Anlässen. So wurde der Geburtstag Sophias am 2. August 1718 mit der Serenade „Die Bildmuße der Schönheit, der Liebe und der Treue“ sowie der Oper „Argenis und Poliarchus“ gefeiert.

Georg_Wilhelm Markgraf

Musikliebender Gemahl: Markgraf Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth, gemalt von Andreas Möller 1709. BSV.

Wie genau sich Sophia in die Planungen der Festlichkeiten, Bauprojekte etc. eingebracht hat, ist leider bislang nicht erforscht. Schlimmer noch: Bisher prägen legendenhafte Darstellungen des 19. Jahrhunderts unser Bild der Markgräfin, die Sophia aus dem Blickwinkel der damaligen Zeit als verschwenderische, unsittliche Persönlichkeit skizzieren.

Dass das Theater eine Konstante in ihrem Leben war, lässt sich jedoch auch aus ihrer zweiten Ehe ersehen. Nach einigen Jahren des (ebenfalls nicht theaterlosen) Witwenstandes, die Sophia in Erlangen verbrachte, ehelichte die 50-Jährige im Jahr 1734 den kunstsinnigen 28-jährigen Reichsgrafen Albert Joseph von Hoditz und Wolframitz (1706–1778). Auch in dessen Heimat Roßwald, dem heutigen Slezské Rudoltice in Tschechien, widmete sich das Ehepaar den Bühnenkünsten.

Dennoch erlangte Sophia ihre internationale Berühmtheit nicht durch ihren Einsatz für das Musiktheater, sondern durch ihre Bestattung: Ihre Einäscherung 1752, damals ein Skandal, ging als erste europäische Feuerbestattung der Neuzeit in die Geschichte ein.

 


Literatur

Hans-Joachim Bauer, Barockoper in Bayreuth, Laaber 1982.
Johann Christoph Gottsched, Die Deutsche Schaubühne, Leipzig 1744, Band 4, S. 38–40.
Johann Georg Heinritz, Die Lebens- und Regierungsjahre des Markgrafen Georg Wilhelm, Archiv für Geschichte von Oberfranken 1843, Heft 2, S. 65–85.
Johann Wilhelm Holle, Georg Wilhelm, Markgraf von Bayreuth 1712–1726, Archiv für Geschichte von Oberfranken 1856, Heft 3, S. 1–44.
Otto Klein, Werden und Vergehen des Musenhofs Weißenfels, Weißenfels 2012.
Eleonore Sent (Hg.), Die Oper am Weißenfelser Hof, Rudolstadt 1996.

 


Titelbild: Musiktheaterliebende Markgräfin: Sophia von Sachsen-Weißenfels, gemalt von Andreas MØller (?) 1712/1726 (Abbildung: Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen).

 

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