Alle Artikel in: Residenz München

 

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Revolution und der Absetzung der Wittelsbacher 1918 ist die Münchner Residenz die wichtigste Regierungszentrale und das Herz Bayerns gewesen. Die zahlreichen Geschichten, welche dieser besondere Schauplatz bisher erlebt hat, werden in dieser besonderen Kategorie von unserem Kurator Dr. Christian Quaeitzsch mit einer guten Portion Humor erzählt!

Einfach heldenhaft – die Restaurierung der Herkulesgruppen von R. A. Boos

Kurz vor Weihnachten hat sich die Residenzfamilie um vier stramme Buben vermehrt – Vorhang auf für die Herkulesgruppen des bayerischen Hofbildhauers Roman Anton Boos aus dem späten 18. Jh., die lange Zeit ein Dasein im Abseits führten und nun mit Mitteln der Strascheg-Stiftung restauriert werden konnten. In ihrem Gastbeitrag berichtet Marion Biesalksi, die betreuende Restauratorin in der Schlösserverwaltung, von dem aufwendigen Projekt…

Jung gebliebene Göttin verlässt alt-angestammten Platz – Die Venus des Antonio Canova

„Aphrodite die schöne, die züchtige, will ich besingen,/Sie mit dem goldenen Kranz, die der meerumfloßenen Kypros/ Zinnen beherrscht, wohin sie des Zephyros schwellender Windhauch/ Sanft hintrug auf der Woge des vielaufrauschenden Meeres,/ Im weichflockigen Schaum; und die Horen mit Golddiademen/ Nahmen mit Freuden sie auf, und thaten ihr göttliche Kleider/An…“ so wohlklingend übersetzt Konrad Schwenck (1793-1864) das hymnische Lob, das Homer der Göttin der Liebe und Schönheit entgegenbringt: der schaumgeborenen Aphrodite, die die Römer später mit der von ihnen verehrten Venus gleichsetzten, und die dem griechischen Sänger – da blind und so von keinem irdischen Vorbild abgelenkt – besonders lebhaft vor dem inneren Dichterauge vorgeschwebt haben muss! Es scheint fast, als ob Antonio Canova (1757-1822), der berühmteste klassizistische Bildhauer Italiens, der im frühen 19. Jahrhundert Päpste, Kaiser und Könige mit seinen hoch begehrten Skulpturen erfreute, diese Zeilen gelesen hätte, unmittelbar bevor er sich an den Entwurf „seiner“ Liebesgöttin machte, die heute ihre unsterblichen Reize in der Residenz entfaltet.

Einfach göttlich – ein (fast) echter Michelangelo in der Reichen Kapelle

Eine der schönsten Skulpturen der in dieser Hinsicht nicht gerade ärmlich ausgestatteten Residenz ist zugleich eine der am besten versteckten und am wenigsten bekannten: Es handelt sich um die vergoldete Aktfigur des auferstandenen Christus, der, das Kreuz in den Armen haltend, zwischen zwei bewundernden Putti thront.

Eine Herkulesarbeit: Kurzatmiger Löwe wird restauriert!

„Hier haben sich mal Zwei wirklich gern!“, wird mancher bei einem flüchtigen Blick auf die beiden verschlungenen (Holz-)Figuren, die zum Bestand des Residenzmuseums gehören, denken. Erst beim genaueren Hinschauen erkennt man, dass hier mit allen Kräften gerungen wird, und dass es sich eigentlich um einen Fall für den Tierschutz handelt.

Wohl zu viele Mozartkugeln vertilgt….?

Tatsächlich wirkt der rundliche Marmorkopf mit den etwas feisten Wangen so, als habe sein distinguierter Träger zu viel von der Salzburger Schokospezialität verkostet. Und warum auch nicht, es ist schließlich der berühmte Kompositeur selbst – Wolfgang Amadeus Mozart, das „Wolferl“, den man sich physiognomisch gern graziler und anmutiger vorstellt – eher passend zur „Kleinen Nachtmusik“ statt zur wuchtigen Ouverture des „Don Giovanni“….

Relief runter, Vorhang rauf – Ostern kann beginnen: Barockes „Theatrum sacrum“ in der Reichen Kapelle

Passend zum Karfreitag ist unser heutiges Auftaktbild mit dem silbernen Kreuzigungsrelief gewählt: Unter dem flachen Kruzifix, an dem der vollplastische, muskulöse Christuskörper tatsächlich mit ganzem Gewicht zu hängen scheint, haben sich links die römischen Soldaten versammelt, während rechts die kummervoll zusammengebrochene Maria von ihren Gefährten versorgt wird.

Gut gebrüllt Löwe – die bronzenen Torwächter der Residenz

München ist eine Löwenstadt – ob es mit der statistisch hohen Anzahl von Tagen mit Sonne zu tun hat, die das dem Wüstentier zugehörige Gestirn ist? Vielleicht ist es auch das selbstbewusste, gern auch grollende und beißfreudige Verhalten der Bewohner. Kaum ein öffentlicher Platz jedenfalls, kein Wappen und kein für den Tourismus gestalteter Bierkrug, den nicht Tatzen, Mähne und Schweif zieren, vom Accessoire für den Fußballfan mal ganz zu schweigen.

Ritterhelm mit Duschfunktion – der Wittelsbacherbrunnen

Im Sommer dient er als sprudelnde Erfrischung in der steinernen Wüste der Residenzhöfe, winters erinnert er unter seiner geheimnisvollen Holzverpackung an eine – auch erfrischende – Glühweinbude auf dem Weihnachtsmarkt: der Wittelsbacherbrunnen ist ein absolutes Highlight unserer Schlossanlage. Wohl verborgen im Zentrum der verschachtelten, über Jahrhunderte gewachsenen Hofanlagen, bildet er – obwohl nur wenige Schritte vom lärmigen Zentrum mit Marien- und Odeonsplatz entfernt – eine Oase der Stille.

Frühlingsgefühle, ein nasser Bär und zwei Hunde aus Bronze: Die Gärten der Residenz Teil 2

Schon vor zwei Monaten haben wir an dieser Stelle über einen versteckten kleinen Garten der Residenz berichtet – den im späten 16. Jh. errichteten Grottenhof (https://schloesserblog.bayern.de/?p=1157), in dem momentan dank einer großzügigen Spende der Kappelmaier-Stiftung dringend notwendige Restaurierungsarbeiten wieder anlaufen. Der plötzliche Sommereinbruch erleichtert aber nicht nur die mühselige Arbeit der Wandrestauratoren, sondern weckt auch bei uns neue Frühlingsgefühle, und die wollen selbst am Büro-PC ausgelebt werden – wenn auch nur mit der Vorstellung eines weiteren, heute verschwundenen Gartenparadieses, das aber dennoch zahlreiche Spuren hinterlassen hat: