Hinter den Kulissen
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Unterwegs mit … Gärtnermeister Georg Bauer

Einblick in die Gärtnerei

Wenn alle Besucher die Eremitage verlassen haben, geht unser Gärtnermeister Georg Bauer gern noch eine Runde durch den Park. Gern sitzt er dann im Parterre am Alten Schloss und fragt sich, wie seine Vorgänger seine Aufgabe angegangen sind, wie sie die Beete angelegt und gepflegt haben. Für ein Interview traf ich ihn an seinem Lieblingsplatz – ein schattiger Sitzplatz hinter dem Gärtnerhäuschen, das neben der Gärtnerei liegt und sein Zuhause ist. Warum er diese Nähe zu seinem Arbeitsplatz sehr genießt, hat er uns in einem Interview verraten.

Was ist Ihre Aufgabe in der Gärtnerei der Eremitage Bayreuth?

Ich bin der Gärtnermeister, auch Betriebsleiter genannt, und bin zuständig für die Anzucht und die Produktion der Pflanzen von über 70 Gattungen, die wir später in die Beete bringen. Damit beliefern wir nicht nur die Eremitage, sondern auch den Hofgarten des Neuen Schlosses, Fantaisie, Sanspareil, Kulmbach und auch Coburg – eigentlich decken wir ganz Nordbayern ab. Dass wir selber unsere Pflanzen kultivieren, hat viele Vorteile. So können wir uns gut auf die Witterung einstellen. Falls es also am Anfang des Jahres unerwartet eine längere Kältephase gibt, können wir bedenkenlos die Bepflanzung verschieben und die Pflanzen einfach später in einer guten und frischen Qualität auf die Beete bringen.

Gärtnermeister Georg Bauer an seinem Lieblingsplatz: eine schattige Sitzgruppe hinter dem Gärtnerhäuschen.

Gärtnermeister Georg Bauer an seinem Lieblingsplatz: eine schattige Sitzgruppe hinter dem Gärtnerhäuschen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Am Morgen geht es los mit der Arbeitseinteilung. Neben mir arbeitet noch eine Gärtnerin hier und wir haben fünf Auszubildende. Danach kommen die Pflege der Pflanzen und die Prüfung des Bestands auf Schädlinge wie Blattläuse, Weiße Fliegen oder Thripse. Ab und an müssen auch unsere Gewächshäuser gewartet werden.

Für den Park selber sind wir nicht verantwortlich, da gehe ich nur zur Entspannung hin. Wenn ich abends oder am Wochenende durch den Park spaziere, schaue ich mir die Beete an, wie sie sich entwickeln, ob die Pflanzen, die wir ausgewählt haben, gut mit der Feuchtigkeit und Wärme klarkommen. Dieser Eindruck fließt in die Planung für das nächste Jahr ein, denn jedes Jahr ist unterschiedlich, da sich auch das Wetter jedes Jahr ändert. Zum Beispiel war dieses Jahr die extreme Wärme eine große Herausforderung. Wir mussten ganz genau darauf achten, dass die Pflanzen nicht vertrocknen oder überwässert werden und wie der trockene Boden sich dabei verhält.

Das heißt, jedes Jahr ist für Sie anders?

Das ist das Spannende an meinen Beruf. Auch wenn die Planung das eine Jahr richtig gut läuft, können der gleiche Ablauf und die Bepflanzung im nächsten Jahr eine ganz andere Herausforderung sein. Aber das mag ich an meinem Beruf: Jedes Jahr ist unterschiedlich, da jede Pflanze anders wächst und anders behandelt werden muss. Jeder Tag ist anders und das schätze ich wirklich sehr an meinem Beruf. Ich bin schon seit 32 Jahren Gärtner und immer noch gern bei der Arbeit dabei.

Die Gärtnerei der Eremitage beliefert auch unsere Objekte in Bayreuth, Fantaisie, Sanspareil, Kulmbach und Coburg.

Das klingt fast so, als wollten Sie schon immer Gärtner werden?

Mein Elternhaus hatte einen Garten und ich habe schon früh meine Leidenschaft für die Pflanzenpflege und die Arbeit an der frischen Luft entdeckt. Das haben auch meine Eltern früh gemerkt und damit war die Entscheidung als Gärtner tätig zu sein selbstverständlich.  Und nach so vielen Jahren gehe ich immer noch gern zu meiner Arbeit. Wenn ich immer in der Frühe durch die Gewächshäuser gehe, sieht jeder Tag anders aus. Ich kann sehen, wie die Pflanzen wachsen. Auch die Arbeit mit unseren jungen Auszubildenden macht mir sehr viel Spaß. Es wird nie langweilig, weil man immer wieder was Neues lernt und sich immer neuen Situationen stellen muss. Wenn ich ehrlich bin, ist eigentlich jeder Tag zu kurz für mich.

Sie müssen sich aber ab und an auch Herausforderungen stellen, oder?

Die letzten Jahre haben wir das Parterre neu arrangiert. Große Pflanzen mit dem imposanten Blütenstand sollten etwas zurückgenommen werden und Platz für kleinblütige Pflanzen freigeben. Das war eine besondere Aufgabe, denn wir mussten uns Fragen stellen wie: Welche Gewächse nehmen wir dafür? Sind die dafür überhaupt geeignet? Welches Arrangement passt in die Anlage? Dafür habe ich in der Gärtnerei eine Musterbepflanzung angelegt,  um zu sehen wie sich die Kombination der Pflanzen über die Zeit verändert.

Circa 70 unterschiedliche Sorten werden hier angezüchtet und später in verschiedenen Schlossgärten gepflanzt.

Was ist denn Ihre Lieblingspflanze?

Wir haben Zitruspflanzen im Bestand, eine sehr anspruchsvolle Pflanzengattung, die es auch schon zu Wilhelmines Zeiten gab. Diese Pflanzen bringen viele Wachstumseinschränkungen mit sich, wie die richtige Menge an Wasser, Licht oder die passende Bodenbeschaffenheit – ein sehr spannender und anspruchsvoller Bereich! Passend dazu haben wir, also die Gärtner der Schlösserverwaltung aus ganz Bayern, uns dieses Jahr in Bayreuth unter dem Schwerpunkt Zitrusfrüchte getroffen. Da diese Kulturpflanze sehr heikel ist, ist der Austausch unter Kollegen sehr viel wert; und es ist natürlich auch schön die Kollegen zu treffen, die man sonst vielleicht nur bei Problemen oder bei Fragen anruft. Solch einen Austausch versuchen wir einmal im Jahr zu arrangieren.

Auf welches Werkzeug können Sie nicht verzichten?

Früher waren für den Gärtner der Spaten, Rechen, Kultivator oder die Gießkanne unabdingbar. Durch die Modernisierung der Gewächshäuser wird uns Arbeit abgenommen, wie zum Beispiel das Gießen durch Bewässerungstische oder Frostschutzmatten in der Winterzeit. Trotzdem bleibt unser Beruf sehr traditionell und nicht jede händische Arbeit lässt sich durch Technik ersetzen. Und Technik ist auch nur schön, wenn sie richtig funktioniert. Wenn die Bewässerung ausfällt und die Blumen zwei bis drei Tage nicht gewässert werden, ist unsere Anzucht dahin – bis jetzt ist das aber zum Glück nicht passiert.

Jeder Platz wird genutzt!

Jeder Platz wird genutzt!

Auch ein gutes Beispiel ist der Winter. Wir haben zwar eine Heizung für die kälteren Monate  in unseren Gewächshäusern, wenn die aber ausfällt und wir gerade Minusgrade haben, wäre das sehr ungünstig. In diesem Fall geht in der Gärtnerei und bei mir Zuhause ein Alarm los und ich kann sofort lossprinten und Warmlufterhitzer aufstellen. Und das muss schnell passieren. In solchen Momenten ist es ein großer Vorteil, wenn der Gärtner im Gärtnerhaus wohnt und damit direkt neben der Gärtnerei.

Was machen Sie heute noch?

Wir bereiten gerade die Herbstbepflanzung vor. Bis wir diese in die Beete bringen können, müssen die Gewächse noch gestutzt werden, um so eine kompakte Form zu erhalten. Momentan sind unsere Beete mit Sommerflor bestückt und ab Ende August haben wir eine Bepflanzung mit Rosmarin, Lavendel, Zitronenthymian, Basilikum, verschiedenen Schmuckpflanzen oder Gräsern eingeplant. Wenn die Pflanzen in den Gewächshäusern fertig sind, räumen wir die Beete ab und beginnen mit der Herbstbepflanzung. Die alten sind einjährige Pflanzen und werden kompostiert. Nach drei Jahren wird der Kompost aufbereitet und wiederverwendet – es geht also nichts verloren.

Vielen lieben Dank für das schöne Gespräch!

 

3 Kommentare

  1. Mein Vater ist zur Zeit in einer Gärtnerei tätig und ich erwäge ebenso den Beruf des Gärtnermeisters. Das von Ihnen geführte Interview hilft mir hierbei ein umfassendes Bild von dem Beruf zu bekommen. Am Ende soll für mich die Eigenständigkeit durch das Betreiben einer eigenen Betriebs zur Gärtnerei stehen. Vielen Dank für die Hilfe zur beruflichen Orientierung!

    • Bayerische Schlösserverwaltung sagt

      Herzlichen Dank für Ihre Nachricht! Das freut uns sehr zu hören. Viel Erfolg auf Ihrem geplanten beruflichen Weg.

  2. Bernd Schreiber sagt

    Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Bericht, der einen so interessanten Blick hinter die Kulissen der Gärtnerei ermöglicht! Sehr sympathisch – vielen Dank auch an all die fleißigen und helfenden Hände, die insbesondere die Eremitage jedes Jahr – drei Mal – in ein neues blühendes Paradies verwandeln!

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