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Prinz Alberts Kindheit auf der Rosenau

Rosenau Prinzengarten

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen unserer Blogserie anlässlich des Jubiläumsjahres „200 Jahre Albert und Victoria von Coburg“. Diesen besonderen Anlass hat die Bayerische Schlösserverwaltung genutzt, um den einstigen Prinzengarten von Schloss Rosenau wieder aufleben zu lassen. Was genau dahinter steckt, erfahrt Ihr im Beitrag.


 

Prinz Albert kam am 26. August 1819 um sechs Uhr im Schloss Rosenau auf die Welt „und guckte wie ein Eichhörnchen mit großen schwarzen Augen um sich“, so seine Großmutter.

Alberts Vater Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha (bis 1826 von Sachsen-Coburg-Saalfeld) hatte das malerisch über der Itz gelegene Schloss ab 1808 umgestalten und als Sommerresidenz ausbauen lassen. Das Umfeld des im Kern mittelalterlichen Schlosses war nach und nach in einen variationsreichen Landschaftspark verwandelt worden. In dieser idyllischen Umgebung verbrachte Prinz Albert zusammen mit seinem älteren Bruder Erbprinz Ernst und seiner Mutter Luise während seiner ersten Lebensjahre die Sommermonate.

Schloss Rosenau Sommer

Luise selbst beschreibt den romantischen Park anschaulich:

„Neben der Burg [= Schloss Rosenau] fließt die Itz, die dort mit vielem Geräusch über große Steine fließt, weiter davon kommt man zu einem großen Wasserfall der von hohen Felsen in eine Grotte stürzt, in der Bänke angebracht sind, die man besonders bei starker Wärme aufsucht und sogar in den Mittagsstunden Kühle und Erfrischung erhält, von da führt der Weg wieder durch grüne Wiesen und duftige Spaziergänge zu einem großen Obelisk, von dem Punkte man wieder eine schöne Aussicht hat. Ueberall wechselt es ab mit schattigen Gängen, schönen Wiesen und Wasserparthien, und Alles das ist ein Garten.“

Herzogin Luise mit ihren Söhnen Coburg

Herzogin Luise (1800–1831) mit ihren beiden Söhnen Ernst (rechts) und Albert (links), Ludwig Döll, 1823/24.

In diesem herrlichen Umfeld wachsen die jungen Prinzen auf. Auch nach der Trennung der Eltern im Jahr 1824 und der späteren Scheidung sowie der Verbannung von Luise verbrachten Ernst und Albert in der warmen Jahreszeit viel Zeit in der Rosenau, dann jedoch hauptsächlich gemeinsam mit ihrem Erzieher Johann Christoph Florschütz. Der bereits 1823 engagierte „Rat Florschütz“ wurde schon bald zur besonders wichtigen Bezugsperson für die Prinzen. Sie verbrachten den ganzen Tag mit ihm und wohnten sogar zusammen im Dachgeschoss des Schlosses Rosenau. Mit ihrem Vater Ernst I. frühstückten sie meist gemeinsam – oft im Freien – gelegentlich nahm er sie mit auf die Jagd.

Das Erziehungsprogramm des Rats Florschütz stand unter den Schlagworten Gesundheit, Brauchbarkeit, Tugend. Neben einer moralischen und intellektuellen Bildung legte der Prinzenerzieher großen Wert darauf, dass sich Ernst und Albert täglich an der frischen Luft aufhielten und auch ausreichend bewegten. In der Rosenau gab es vielfältige Möglichkeiten dazu.

Freizeitgestaltung für kleine Prinzen

Zusammen mit ihrem Erzieher unternahmen die Kinder Spaziergänge und Wanderungen. Sie erkundeten die Natur, so dass ein großes Interesse an der Naturkunde entstand. Prinz Albert ließ auch andere an seiner Begeisterung teilhaben:

„Als eines Abends die Hofgesellschaft im Garten von Oeslau [unweit des Schlosses Rosenau] um den Theetisch sass, Prinz Albert aber noch in den Hecken und Gängen des Gartens nach Beute suchte, fand er einen grossen schön grünen Frosch, den er sofort ergriff, zwischen beide Hände nahm und damit sich zur Gesellschaft begab, um den Damen das schön gefärbte Thier zu zeigen. Ein allgemeiner Schreckensschrei erhob sich, die Damen flohen nach allen Seiten“.

Im Park Rosenau bauten Ernst und Albert eine „Schanze“, also eine Miniaturfestung. Somit hatten sie eine körperliche Betätigung im Freien und konnten zudem spielerisch militärische Handlungen erproben. Ganz anders verbrachten die Prinzen die Zeit hinter dem Fasanwärterhaus: Dort besaßen Ernst und Albert einen eigenen kleinen Garten mit Blumenbeeten, die sie weitgehend selbst pflegten. Den Mittelpunkt des sogenannten Prinzengartens bildete ein Vogelhaus, in dem Finken gehalten wurden. Auf dem Areal befanden sich zudem ein kleines Sommerhaus, das die Jungen im Inneren selbst dekorierten, sowie mehrere Turngeräte. Albert schildert seinem Vater in einem Brief den Tagesablauf:

„wir widmen die ganze Tageszeit dem Studium; mit Ausnahme der beiden Stunden von 2 bis vier Uhr, in denen wir uns in unserem Garten, regelmäßig tüchtig durcharbeiten. Wenn du einmal wieder in denselben kommen wirst; so wirst du vielleicht doch schon Manches darin verändert finden.“

Wie wichtig Prinz Albert diese gärtnerische Betätigung war, zeigt der Umstand, dass er seine eigenen Kinder ebenfalls zur Gartenarbeit animierte. Auf dem Landsitz Osborne House, am Swiss Cottage, besaßen diese ein eigenes Gartenareal, in dem sie Obst, Gemüse und Blumen kultivieren konnten.

Reminiszenz an den einstigen Prinzengarten

Prinz Albert und Queen Victoria besuchten 1845 erstmals gemeinsam die Rosenau. Die Queen war begeistert vom Ort der Jugend Ihres Mannes. Auch nach dem frühen Tod Alberts 1861 blieb sie der Rosenau emotional sehr verbunden: In liebevoller Erinnerung an ihren Mann ließ Victoria den Prinzengarten 1863 wiederherstellen, nachdem er von Vandalen zerstört worden war.

Prinzengarten Rosenau Coburg

Der Prinzengarten nach der Wiederherstellung durch Queen Victoria, Max Brückner, 1863. Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2019.

Wie lange der Garten bestand, ist nicht bekannt. 1865 wurde das Fasanwärterhaus abgerissen und durch das heute noch vorhandene Kavaliershaus ersetzt. Dies lässt erste Änderungen am Prinzengarten vermuten. Ende des 19. Jahrhunderts befanden sich jedoch das Vogelhaus und das Sommerhaus noch auf dem Gelände. Zuletzt war aus dem Areal eine einfache Rasenfläche geworden. Das Jubiläum des 200. Geburtstags von Albert und Victoria hat die Bayerische Schlösserverwaltung zum Anlass genommen, den einstigen Prinzengarten für dieses Jahr wieder aufleben zu lassen. Das Aquarell von Max Brückner aus dem Jahr 1863 und eine historische Fotoaufnahme, die Queen Victoria vom Prinzengarten in Auftrag gegeben hatte, lieferten Hinweise über die einstige Gestaltung. Die Gärtenabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung rekonstruierte die Grundrisse, die Gärtner der Schloss- und Gartenverwaltung Coburg legten die Beete an und bepflanzten sie mit Nelken, Nachtkerzen und Rosen sowie unterschiedlichen Sommerblumen wie Vanilleblume, Leberbalsam, Männertreu, Zinnie und Mehl-Salbei.

Die Arbeiten der Schloss- und Gartenverwaltung Coburg am Prinzengarten

Coburg Prinzengarten Entstehung

Abstecken der Grundformen der Beete mit Hilfe eines Vermessungsgeräts
alle Fotos: Steffen Schubert, SGV Coburg.

Abstecken Prinzengarten Coburg

Ausgezeichnete Grundformen der Beete.

Rosenau Prinzengarten Beete

Ausstechen des Rasensodens auf den Beetflächen.

rosenau beete prinzengarten anlegen

Frische Erde wird aufgebracht und eine leichte Hügelform modelliert.

Prinzengarten Rosenau BSV

Schmale Rollrasenbänder werden auf den leicht überhöhten Beeten verlegt.

prinzengarten bepflanzung sommerblumen

Bepflanzung der Beete mit Sommerblumen.

coburg rosenau prinzengarten

Schloss Rosenau_Prinzengarten bepflanzung

rosenau prinzengarten bepflanzt

Informationstafeln beleuchten die Geschichte des Prinzengartens und die Bedeutung der Rosenau für Prinz Albert.


Die Reminiszenz an den einstigen Prinzengarten wird noch bis Ende Oktober im Schlosspark Rosenau erlebbar sein. Besonders empfehlen möchten wir Euch außerdem den Festtag auf der Rosenau am 25. August 2019, dem Vortag von Prinz Alberts Geburtstag. Das gesamte Programm findet Ihr auf unserer Webseite.

 

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