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Tief verborgen: Die Magdalenenklause im Nymphenburger Schlosspark

Eingang Magdalenenklause
Weg zur Magdalenenklause

Wegweiser im Schlosspark Nymphenburg.

Eigentlich ist es ganz einfach. Man geht durch den Haupteingang in den Nymphenburger Schlosspark, geradeaus am großen Parterre mit Fontaine vorbei und am Bassin des Mittelkanals rechts über die Brücke. Wendet man sich dann erneut nach rechts und geht immer geradeaus in den Landschaftspark hinein, sieht man bald die Umrisse eines Gebäudes zwischen den Bäumen hervorblitzen: Die Magdalenenklause. Doch obwohl der Weg zu ihr so einfach erscheint, musste ich so manches Mal meine Suche nach ihr abbrechen, sie erschien nahezu von den Bäumen verschluckt. Hat das letzte Hinweisschild nicht in diese Richtung gedeutet? Dann müsste ich doch schon längst da sein!

Die Behausung eines Eremiten

Fassadendetail

Fassadendetail der Magdalenenklause.

Tief verborgen ist sie, die Klause. Und das ist kein Zufall, denn sie wurde zwischen 1725 und 1728 von Joseph Effner als Behausung für einen Eremiten erbaut, weshalb sie in einem „verwilderten“ Teil des Parks steht. Dabei gleicht das Gebäude einer Ruine: Die Ziegelwände tragen zahlreiche Risse und der Putz scheint zu bröckeln. Doch ist die Magdalenenklause keinesfalls dem Verfall nahe, denn ihr Aussehen war bereits bei Ihrer Erbauung so geplant und soll auf die Vergänglichkeit alles Irdischen verweisen. Seltsam düster und unheimlich erscheint somit die Einsiedelei.

Betritt man sie, wird der Zweck ihrer Erbauung klarer. Hier befindet sich eine als Grotte gestaltete Kapelle, die von J. B. Koch mit Tuffstein, Muscheln und bunten Steinen erbaut wurde. Das karge Gestühl ist zum schlichten Altar hin ausgerichtet, direkt im Blickzentrum befindet sich jedoch die Grottennische, die 1736 von Guiseppe Volpini mit der Stuckfigur von Maria Magdalena ausgestattet wurde. Neben ihr das Kruzifix und ein Totenkopf, der erneut vor dem allgegenwärtigen Tode warnt. Der Rest des Gebäudes ist nicht fröhlicher ausgestattet. So gibt es neben der Kapelle weitere Wohnräume, die eine klösterliche Strenge ausstrahlen und mit dunklem Eichenholz vertäfelt sind. Die Kupferstiche an den Wänden sind von Jan Sadeler gefertigt und zeigen verschiedene Eremiten und Heilige in ihren kargen Behausungen.

Grottenkapelle

Grottenkapelle der Magdalenenklause mit Blick durch das Fenster des Oratoriums auf den Altar, dem Altar sowie der Grottennische mit Stuckfigur der Maria Magdalena, Guiseppe Volpini, 1726.

Memento Mori

Wieso sollte sich jedoch ein Herrscher, der über eine ganze Schlossanlage verfügt und an die Annehmlichkeiten seiner besonderen Stellung gewöhnt ist, eine eremitenhafte Behausung erbauen lassen, die einer Ruine gleicht? Tatsächlich in Auftrag gegeben wurde die Klause von Kurfürst Max Emanuel. Im zunehmenden Alter hatte dieser den Wunsch verspürt, dem höfischen Zeremoniell zu entfliehen. Durch den Rückzug in die Einsamkeit und Stille wollte er wieder zur religiösen Besinnung und Einfachheit des Lebens kommen. Das Memento Mori Motiv der Klause sollte sich jedoch erfüllen und Max Emanuel ihre Fertigstellung nicht mehr erleben. Erst nach seinem Tode wurde sie von seinem Sohn Clemens August, dem Erzbischof und Kurfürsten von Köln eingeweiht. Ihre eigentliche Bestimmung konnte die Magdalenenklause somit nicht mehr erfüllen

Magdalenenklause

Magdalenenklause im Schlosspark Nymphenburg, Außenansicht von Süden.

Vom Besuch der Magdalenenklause zum Magdalenenfest

Obwohl ihrer Aufgabe beraubt, wurde die ruinenhafte Einsiedelei im Nymphenburger Schlosspark zum Wallfahrtsort. Am 22. Juli, dem Magdalenentag, wird sie noch heute von Wallfahrern besucht. So manche Geschichte berichtet dabei von der heilenden Wirkung, der der Besuch der Kapelle auf Kranke gehabt haben soll. Aus den alljährlichen Zusammenkünften am Magdalenentag entwickelte sich schließlich eine weitaus fröhlichere Tradition: Das Magdalenenfest, das inzwischen jeden Frühsommer im Hirschgarten stattfindet.

 

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