Ein Gastbeitrag von Priscilla Pfannmüller, Bayerisches Armeemuseum //
Der Todestag der „(Ba)Rocklegende Max Emanuel“, so Christian Quaeitzsch, jährte sich vor einigen Wochen zum 300. Mal. Nicht nur für die Schlösserverwaltung ist das ein guter Grund, sich dieser schillernden Gestalt der bayerischen Landesgeschichte anzunähern – sondern auch für uns im Bayerischen Armeemuseum, denn Max Emanuel gilt als Begründer des bayerischen Heeres.

Max Emanuel wie er sich gerne sah: Als visionärer Feldherr. Bayerisches Armeemuseum/Gert Schmidbauer
Das Leben des „blauen Kurfürsten“ war geprägt von einem beständigen Hoch und Nieder: glanzvolle Siege und schmachvolle Niederlagen wechselten sich immer wieder ab. Doch in unserer heutigen Wahrnehmung ist Max Emanuel der strahlende Barockfürst, der uns zum Beispiel Schloss und Park Schleißheim hinterlassen hat. Warum ist das so? Wie wurde Max Emanuel zu der Legende, als die wir ihn heute sehen? Darum geht es in der Ausstellung Making Max Emanuel im Neuen Schloss, Ingolstadt. Mit einem Augenzwinkern (und Musik!) nähern wir uns dieser spannenden Persönlichkeit an.
Am Anfang war das Fest…
Den Grundstein für das Bild Max Emanuels legte gar nicht er selbst, sondern seine Eltern. Seine Geburt im Jahr 1662 wurde zu einem großen Spektakel, das mit einem mehrwöchigen Festreigen, bestehend aus Oper, Turnier und Feuerwerk in München gefeiert wurde. Bereits hier wird er als Herkules, „Türkenbezwinger“ und bayerischer Löwe gefeiert. Diese Bilder ziehen sich durch sein ganzes Leben.
In den Kriegen gegen die Osmanen erweist er sich als kühner und erfolgreicher Militär. Neben Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, genannt Türkenlouis (1655-1707), und Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736), war Max Emanuel eine der prägenden Gestalten dieser Feldzüge und wurde von seinen Zeitgenossen gefeiert, zum Beispiel in Kupferstichen und Medaillen. Ein ganz besonderes Dokument, das Max Emanuel als strahlenden Sieger zeigt, ist ein Emblembuch, eine Art Graphic Novel, aus den Sammlungen des Bayerischen Armeemuseums: Der bayerische Löwe zieht gegen den türkischen Höllenhund in die Schlacht um Ofen (Buda) und befreit die Stadt von der osmanischen Herrschaft.
Solche Bilder wurden im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert überall in Mitteleuropa verbreitet. Sie richteten sich an den Kaiser, den (Hoch-)Adel, aber auch das interessierte Publikum.
Genau solche Bilder überlagern die – aus bayerischer Sicht – weniger positiven Seiten der Regierung Max Emanuels, denn der Kurfürst plünderte die Staatskassen. Die üppige, an Ludwig XIV. orientierte Hofhaltung und immer neue Projekte belasteten die Staatskassen enorm. Max Emanuel ließ die Armee neuaufstellen und ausrüsten, gründete staatliche Manufakturen und ließ Bayern von seinem Hofkupferstecher Michael Wening in über 800 Ansichten festhalten. Für die Bevölkerung blieb nicht viel übrig.

Eine von mehr als 800 Ortsansichten aus Michael Wenings Historico-Topographica Descriptio. Bayerisches Armeemuseum/Florian Weber
Der abwesende Kurfürst
Zudem war Max Emanuel einen Großteil seiner Regierungszeit gar nicht in Bayern, sondern auf Reisen (bevorzugte Destinationen: Wien, Venedig, Versailles) oder auf Feldzug (Oberungarn, Savoyen, Oberrhein). München war dem Kurfürsten eher fremd. Zwischen 1691 und 1715 verschärfte sich die Abwesenheit Max Emanuels sogar noch, denn er residierte zunächst als Statthalter der Spanischen Niederlande in Brüssel. Nach dem Desaster der Schlacht von Höchstädt 1704 musste Max Emanuel ins französische Exil und Bayern wurde österreichisch besetzt. Dunkle Jahre brachen an, die in der Sendlinger Mordweihnacht 1705 einen Höhepunkt erreichten.
Ganz klar also, dass Max Emanuel nach seiner Rückkehr das alles verdecken und sein negatives Image loswerden wollte (und musste). Dies gelang nicht zuletzt deswegen, weil die Bayern ihren Kurfürsten regelrecht herbeisehnten und über seine horrenden (finanziellen) Eskapaden hinwegsahen. Max Emanuel war der „Retter“ nach über zehn Jahren österreichischer Besatzung. Doch auch er selbst baute im wahrsten Sinne des Wortes an seinem Image. Schloss Schleißheim wurde nach der Rückkehr aus dem Exil weitergebaut, zunächst von Max Emanuel, dann von seinem Sohn Carl Albrecht. Hier stilisierte sich der Kurfürst als kunstsinniger, weltmännischer und erfolgreicher (Kriegs-)Fürst. Die Gemälde von Franz Joachim Beich im Victoriensaal sowie die Stuckaturen von Johann Baptist Zimmermann und Charles Dubut griffen die großen Siege gegen die Osmanen auf und integrierten diese sinnfällig in die Architektur des Schlosses. Gerade dieses Gesamtkunstwerk Schleißheim prägt bis heute das Bild von Max Emanuel.
Die Wiederentdeckung des Max Emanuel
Ebenso prägend für unsere Wahrnehmung ist die Wiederentdeckung des „blauen Kurfürsten“ im 19. Jahrhundert durch die bayerische Armee und den Maler Anton Hoffmann (1863-1938). Seine Darstellungen sind immer noch maßgeblich, wenn man sich mit Max Emanuel auseinandersetzt. Das Mappenwerk „Das Heer des blauen Kurfürsten“ zeigt die Ausstattung jedes bayerischen Regiments um 1700.

Ein Subalternoffizier aus dem Regiment Rummel nach der Vorstellung Anton Hoffmanns. Bayerisches Armeemuseum: Georg Pilz
Es beruht auf einigen wenigen Realien, die Hoffmann im Bayerischen Armeemuseum studierte. Wie stark seine Bilder die Sicht auf Max Emanuel beeinflussen, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass um 1900 auf Grundlage dieser Uniformen für Paraden der Armee geschneidert wurden – und auch heute noch werden.
So zeigt sich, dass das Image des Kurfürsten Max Emanuel auf vielen Projektionen beruht, denen auch wir mit unserer Ausstellung eine weitere Ebene hinzufügen. Wer weiß, wie man in 50 Jahren auf Max Emanuel blickt…
Die Ausstellung Making Max Emanuel – wie wird man zur Legende ist noch bis 4. Oktober 2026 im Bayerischen Armeemuseum im Neuen Schloss Ingolstadt zu sehen. Flankierend zur Ausstellung wurde eine eigene Playlist auf Spotify erstellt, die sich der facettenreichen Figur Max Emanuel musikalisch anzunähern versucht.




