Geheimnisse
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Es ist nicht alles Marmor was glänzt – mit der Markgräfin Wilhelmine durch den Marmorsaal

Eremitage Bayreuth Marmorsaal

Von Teresa Dendorfer, Margareta Sonnenwald & Gerhard Lehrberger,
Lehrstuhl für Ingenieurgeologie der Technischen Universität München

„Durch den Hof kommt man zum Hauptgebäude. Man betritt erst einen Salon, dessen Decke sehr schön bemalt und vergoldet ist; die Wandflächen sind aus grauem und die Säulen aus rotem Marmor mit vergoldeten Kapitälen und Kränzen; der Boden ist mit den verschiedenen Marmorsorten belegt, die man hierzulande findet.“

Wir folgen der Einladung Wilhelmines ins Alte Schloss der Eremitage in Bayreuth…

Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth

Porträt der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, Jean-Etienne Liotard, um 1745, Neues Schloss.

…und betreten das größte Zimmer dort, den Marmorsaal. Wie der Name schon vermuten lässt und wie die Markgräfin sagt, ist dieser Saal mit Marmor ausgekleidet. Aber, Vorsicht! Nicht jeder Stein, der glänzt, ist Marmor! Denn, bevor überhaupt ein Marmor entstehen kann, muss ein Kalkstein vorliegen. Dieser wird durch hohen Druck und hohe Temperatur im Inneren der Erde zu Marmor umgewandelt. Der Vorgang wird Metamorphose genannt. Allerdings hat es sich durchgesetzt, alle Steine, die sich polieren lassen, Marmor zu nennen. So gesehen hat die Markgräfin natürlich Recht gehabt.

Aber, schauen wir einmal auf die im Marmorsaal verbauten Steine…

…dann erkennen wir, dass der Großteil nicht metamorph ist. Genau genommen handelt es sich um farbenprächtige und stark gemusterte Kalksteine, die sich hervorragend polieren lassen. Und diese Kalksteine kommen, wie Wilhelmine schon sagt, aus der Bayreuther Gegend – was diesen Saal so besonders macht!

bayreuth pilaster eremitage marmorDer von der Markgräfin erwähnte graue Marmor an der Wand ist ein sog. Knollenkalk aus der Gegend um Hof und die erwähnten Säulen, also die Pilaster, und auch die Sohlbänke der Fenster sind aus einem stark texturierten roten Kalkstein. Er wird als Deutsch-Rot bezeichnet und stammt aus Horwagen bei Naila im nördlichen Oberfranken. Die rote Farbe des Steins kommt von seinem hohen Eisenoxidanteil. Manchmal durchziehen den Stein grünliche Adern, die vom Mineral Chlorit herrühren und ihm sein besonderes Aussehen geben.

Der aus roten und weißen Keramikplatten bestehende Fußboden ist im Schachbrettmuster verlegt. Ein schwarzes Band aus sogenanntem Kohlenkalk bildet den durchgehenden Rand. eremitage bayreuth fussboden marmorEine weitere Eigenheit dieses Kalksteins ist, dass er seine schwarze Farbe durch feinverteilte, organische Beimengungen erhält, die einen unangenehmen Geruch verbreiten, wenn der Stein frisch aufgeschlagen ist. Deshalb wird der Stein auch wenig attraktiv als „Stinkkalk“ beschrieben. Wenn die bearbeitete Fläche einige Zeit an der frischen Luft ist, verflüchtigt sich der Geruch und der Stein besticht durch seine kohlrabenschwarze Farbe, die mit weißen Kalkspat-Adern durchsetzt ist.

Im Marmorsaal finden wir aber noch weitere Kalksteine. Nämlich an den beiden identischen Kaminen an der Ost- und an der Westwand. Diese wurden aus cremefarbigen, fossilienreichen Kalkstein gehauen, der an der Burgruine Neideck bei Streitberg abgebaut wurde. Weil er sich ebenfalls gut polieren lässt, hat man ihn schon immer Streitberger Marmor genannt. Die Kaminwangen wiederum bestehen aus dem von den Pilastern schon bekannten roten Kalkstein aus Horwagen.

Bayreuth Eremitage Kamin Marmor

In den Saal hat sich aber tatsächlich ein echter Marmor eingeschlichen.

Die Kamineinfassungen sind mit Platten aus Carrara Marmor bedeckt. Dieser aus Norditalien kommende metamorphe weiße Kalkstein ist bestimmt den Meisten bekannt. Allerdings ist fraglich, ob zu Wilhelmines Zeiten diese Platten tatsächlich schon im Saal zu finden waren, da die ursprünglich verwendeten Steine ausnahmslos nördlich von Bayreuth gebrochen wurden.

Auch ein ganz aus der Reihe tanzendes Gestein stammt aus der Region um Bayreuth. Das Gesims auf Höhe der Sockelpilaster wurde aus vielen Stücken des Döhlauer Alabasters gefertigt. Wenn dieser besondere Gipsstein poliert wird, beginnt er zu glänzen und hat eine leicht durchschimmernde Oberfläche.

bayreuth eremitage marmor sockel

Wilhelmines Gang durch den Marmorsaal verdeutlicht, wie reich an farbigen polierfähigen Gesteinen das Markgrafentum gewesen ist, und die farbigen Gesteine prägen das Bild, welches wir vom glänzend-prunkvollen Barock haben. Wie gut für Wilhelmine, dass sie die Bodenschätze direkt vor der Haustür hatte!

 


Wenn Ihr Euch den grandiosen Marmorsaal im Alten Schloss der Bayreuther Eremitage einmal ansehen wollt, habt Ihr in den Sommermonaten täglich zwischen 9 und 18 Uhr die Möglichkeit. Alle Infos zu Eurem Besuch findet Ihr auf unserer Webseite.

 

4 Kommentare

    • Margreta Sonnenwald sagt

      Sehr geehrte Frau Besch,

      die Untersuchungen zu den „Marmoren“ werden seit 2017 durchgeführt und dauern noch an.
      Wir freuen uns über Ihr Interesse,
      Grüße,
      M.S.

  1. Bernd Schreiber sagt

    Hochinteressant – mit dem Wissen sieht man den wunderschönen Saal noch mit ganz anderen Augen. Danke

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