Geheimnisse
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Ludwig II. und das Weihnachtsfest

Kapelle Schloss Linderhof

Für viele Menschen ist die Advents- und Weihnachtszeit eine ganz besondere im Jahreslauf. Dies trifft in jedem Fall auch für König Ludwig II. von Bayern zu. Dieser liebte das Weihnachtsfest. In einem Brief an seinen Vetter, Prinz Wilhelm von Hessen-Darmstadt, schreibt Ludwig: „Nun nahen ja wieder die theuren (sic!) Weihnachtswochen, die ich stets mit gleicher Freude begrüße; sie gehören doch immer zu den schönsten des Jahres!“

Was genau war es, was dem Monarchen so viel Freude am Weihnachtsfest bereitete?

Dieser Frage gehen wir heute gemeinsam nach.

Ludwig II in Neuschwanstein

König Ludwig II. von Bayern auf dem Söller von Schloß Neuschwanstein, Ferd. Leeke, um 1887, Herrenchiemsee, Ludwig II.-Museum.

Fest des Friedens – Ludwigs Glaube

Ludwig II. war ein sehr gläubiger Mensch. Für Ihn stand stets die christliche Botschaft, die das Weihnachtsfest ausmacht, im Mittelpunkt. Von zentraler Bedeutung war dabei für den König die Friedensbotschaft, die in der christlichen Überlieferung untrennbar mit dem Fest verbunden ist. Ludwig II. führte in seiner Regierungszeit Bayern in zwei Kriege (1866 und 1870), ohne dies wirklich zu wollen. Er wurde getrieben von den politischen Zwängen seiner Gegenwart.

Ludwig äußerte hierzu einmal: „[…] sogar in meiner kurzen Regierungszeit gab es zwei unselige Kriege! Sehr hart für einen Fürsten, der den Frieden liebt!“

Und ein anderes Mal schrieb er: „[…] um meinetwegen soll kein Blut vergossen werden!“

Gerne mischte sich der König, zumindest in den frühen Jahren seiner Regierungszeit, unter sein Volk. So ist eine Anekdote überliefert, in der der König, beim heimlichen Besuch der Messe im Liebfrauendom in München, seinen Regenschirm vergaß, der dann von einem Lakaien abgeholt werden musste.

Schloss Linderhof, Park, Innenansicht der St. Anna-Kapelle

Schloss Linderhof, Park, Innenansicht der St. Anna-Kapelle.

Aus Freude am Schenken

Neben der religiösen Bedeutung, welche Ludwig II. dem Weihnachtsfest beimaß, spielte für ihn aber auch das Schenken und das Feiern eine durchaus wichtige Rolle. Der König liebte es, anderen Menschen eine Freude zu machen und er suchte seine Gaben mit größter Sorgfalt aus. Luise von Kobell schreibt hierzu in ihren Erinnerungen:

„Die Christbescherung brachte einen Hauptzug im Charakter des Königs, anderen Freude zu machen, zur vollen Geltung. […] Schon im November ließ er sich zur Ansicht alle möglichen Gegenstände nach Hohenschwangau schicken. Die königlichen Zimmer verwandelten sich dann in einen Bazar, in dem sich Juwelen, Seide und Samt, Bücher Photographien, Elfenbeinschnitzereien, Vasen und Flacons in reizender Mannigfaltigkeit ausbreiteten.“

Anlass zum Schenken bot aber nicht nur das Weihnachtsfest, sondern auch Geburtstage von Angestellten. Dies belegen die Erinnerungen von Bediensteten Ludwigs II., die uns zum Beispiel von Kuchen, Wein, Zigarren, Blumen und Schmuck, aber auch von großzügigen Geldgeschenken berichten.

Die Adventszeit in der Kindheit des Königs

Die gesamte königliche Familie war in den Wochen vor dem Weihnachtsfest mit der Vorbereitung dieses Ereignisses befasst. Ludwig und sein Bruder, Otto, schrieben Wunschzettel an das Christkind, wie dies auch heute noch Kinder machen und sie überlegten sich, wen sie beschenken wollten.

Da sie selbst nur wenig Taschengeld bekamen, so mussten sie auch planen, wieviel Geld sie ausgeben konnten. Es war auch Brauch, dass die königliche Familie am Morgen des Heilig Abend eine arme Familie in die Residenz München einlud. Die Prinzen hatten vorab die Aufgabe, Geschenke für die armen Kinder besorgen zu lassen und sie zu betreuten, während diese vom Schneider in der Residenz neu eingekleidet wurden. All dies, so ist es in verschiedenen Quellen zu finden, geschah sehr zur Freude der Beschenkten aber auch der Schenkenden.

Die Betreuung armer Kinder war nur ein Tagesordnungspunkt für die jungen Prinzen. Oft konnte die gegenseitige Bescherung von Ludwig und Otto erst um 22 Uhr stattfinden, nachdem zuvor noch die Bediensteten beschenkt wurden, die Eltern den Kinder die Geschenke überreichten und die Verwandtschaft besucht wurde.

Hochzeit zu Kanaan Oberammergau Museum

Die Kirchenkrippe “Die Hochzeit zu Kanaan”, © Oberammergau Museum.

Ludwigs Liebe zu Krippen und Christbäumen

Krippen und Christbäume verleihen der Advents- und Weihnachtszeit einen ganz besonderen Glanz. Auch Ludwig II. schätzte diese Symbole, die das Fest begleiten, sehr. 1872 besuchte Ludwig II. den berühmten Passionsort Oberammergau, um sich die dortige Kirchenkrippe anzuschauen, die überregional bekannt war. Das Kunstwerk war von einheimischen Schnitzern angefertigt worden und stellte mit etwa 200 Figuren verschiedene biblische Szenen nach. Besonders stolz war Ludwig darauf, dass seine Urgroßmutter, Königin Karoline sowie seine Großmutter, Königin Therese, den Christbaum als Symbol des Weihnachtsfestes in Bayern bekannt und beliebt gemacht hatten.

Genauso zahlreich und vielseitig wie die Gaben, welche Ludwig II. an den Weihnachtsfesten verschenkte, ist die Anzahl an überlieferten Geschichten und interessanten Fakten, die wir hier noch anführen könnten. Belassen wir es aber bei diesem Überblick, der vielleicht Lust gemacht hat, sich mit diesem Thema zu befassen.

 

Nymphenburg Schloss Christbaum

So bleibt nun nur noch, Euch ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest zu wünschen!

 

 

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