Alle Artikel mit dem Schlagwort: Ikonographie

Das ist alles tierisch symbolisch gemeint – auf den Spuren des „Physiologus“ in der Residenz

Es kreucht und fleucht, klettert, schwimmt und schleimt, krächzt, brüllt und schnurrt, liegt dekorativ zwischen Obst und Blumenstillleben herum oder stürzt sich malerisch auf Beute: Die in der Residenz ausgestellten Kunstwerke, namentlich Gemälde, Kleinplastik und Bildteppiche, sind eine wahre Menagerie: Tierdarstellungen aus fünf Jahrhunderten, von der exotischen Raubkatze bis zur heimischen Schnecke, geben sich in den hochherrschaftlichen Räumen des einstigen bayerischen Herrschaftszentrums ein Stelldichein. Ist es, weil die Mächtigen schon damals wussten, wie publikumstauglich das stimmungsvolle Nebeneinander von Herrchen und Chief Pet zu bebildern ist? Oder hatten die Wittelsbacher einfach über Jahrhunderte hinweg ein besonders großes Herz für Tiere?

Kabinett der Königin Residenz München

„Schiller“nde Bilderwelt – Das Schreibkabinett der Königin im Königsbau

„Schillers „Musenalmanach“ ist jetzt auch raus: Beim „Lied von der Glocke“ sind wir fast von den Stühlen gefallen vor Lachen…“. Eher maliziös tönt im Jahr 1799 die literarische Erstkritik der Schriftstellerin Caroline Schlegel (1763-1809) über das eben damals erschienene Gedicht des großen Mannes, das kundigen Glockenguss und gelingendes Menschenleben in Parallele setzt und über dessen Länge abseits aller poetischen Vor- und Abzüge Generationen von Schülern gestöhnt haben. Vermutlich ging der selbstbestimmten Caroline die betuliche Art gegen den Strich, mit der der kränkelnde Dichterfürst die Rolle des weiblichen Geschlechts als „züchtige Hausfrau und „Mutter der Kinder“ vorbestimmte. Auf jeden Fall zeigt sich, dass der Zugang der Zeitgenossen zu „Schiller und Goethe“ – dem nur wenig später als unerreichbare „Olympier“ apostrophierten Weimarer Siegerduo in der literarischen Schwergewichtsklasse – erfrischend unbefangen war. Vor diesem Hintergrund mag man auch im unlängst wiedereröffneten Königsbau der Münchner Residenz einen hoffentlich interessierten Blick in das Schreibkabinett der Königin Therese, Gemahlin des Bauherrn Ludwig I. (reg. 1826-48), werfen, an dessen Wänden und Decke zahlreiche gemalte Szenen aus Schillers Werken erscheinen.

Barocke Liebe

Kein Platz für Liebe? Barocke Ehe-Ideale an den Decken der Residenz

„Majestät und Liebe“, Deckengemälde des ehemaligen „Grottenzimmers“ im Appartement der Kurfürstinnen, heute im Raum 67, trad. Antonio Triva zugeschrieben, nach 1667 Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause gewinnt ein sonst nicht allzu häufig unter der Berliner Reichstagskuppel verhandeltes Thema an Fahrt: die Ehe, konkret die „Ehe für Alle“. Was den einen die finale Inangriffnahme lang liegenden Reformstaus ist, scheint den anderen das fragwürdige Rütteln an traditionellen Grundwerten. Unabhängig davon zeigt die Debatte an diesem Freitag auf jeden Fall, dass die Vorstellung dessen, was Ehe beinhaltet, keinesfalls seit dem ersten (pikanterweise unverheirateten) Menschenpaar im Garten Eden in Stein gemeißelt ist, sondern wie die meisten Dinge dem Wandel unterworfen. Einen schönen Beleg dafür finden Besucher der Residenz, wenn sie in den heute so genannten „Päpstlichen Zimmern“ die Augen an die Decke richten und das dort eingelassene allegorische Gemälde aus den 1660er Jahren betrachten.

Hier ahnt man 121 Mal: Die Ahnengalerie der Residenz

Wer die Tage im Supermarkt an der Kasse Schlange steht und die Blicke schweifen lässt, fühlt es schon: Weihnachten streckt seine schokoladigen Finger nach uns aus. Zuhause dann werden langsam mit den leicht angestaubten Rauschgoldengeln auch die Familienerinnerungen an früher ausgepackt und an die lieben Verwandten gedacht („– müssen wir Tante Gertrud wirklich wieder einladen?“). Ähnlich nostalgisch geht es uns in der Residenz auch – unsere verstaubten Goldengel schweben allerdings in der Ahnengalerie – weshalb wir sie derzeit engagiert und vorsichtig reinigen.

Tugend und Hinterhältigkeit passt gut zusammen – der Kaisersaal und sein Bildprogramm

Wenn im Laufe der diesjährigen Residenzwoche wieder die Werke barocker Komponisten in den verschiedenen Prunkräumen unseres Schlosses erklingen, ist der Besuch eines Konzerts im (1980/85 rekonstruierten) Kaisersaal auf der Nordseite der Residenz über den Baumkronen des Hofgartens sicher ein besonderes Erlebnis:

Herzkabinett Hofdamen Residenz München

Zum Valentinstag: Herzen und Schmerzen im Herzkabinett

Heute ist Valentinstag – allen, die selber im Gegensatz zu ihrer Partnerin oder ihrem Partner nicht en détail vertraut sind mit anglo-amerikanischen Festgebräuchen, fährt vielleicht spätestens jetzt ein warnender Schreck in die Glieder. Vor Ladenschluss heißt es noch, abgeerntete Blumenläden oder die leergeräumte Süßigkeitenecke an der Tengelmannkasse zu plündern, um noch irgendetwas Zuckriges in Herzform, umhüllt von rotem Staniolpapier zu ergattern – „Schatz, dass Du daran gedacht hast…“. Auch wir in der Münchner Residenz sind uns der Bedeutung dieses Festtags der Liebe bewusst, können uns aber entspannt zurücklehnen, befindet sich doch in unserem Museum bereits das ultimative Manifest zwischenmenschlicher Zuneigung: Das Herzkabinett der Kurfürstin Henriette Adelaide (Raum 68).

Ticken die denn noch richtig? – der kurfürstliche Hofuhrmacher Paulus Graff und sein Meisterwerk

Heute fällt es schwer, sich bewusst zu machen, welch einschneidende Bedeutung die Erfindung und Einführung von transportablen Uhren für die Menschen der frühen Neuzeit gehabt haben muss. Als Zeitmesser ersetzten sie ja mit neuer Exaktheit – wenn auch zunächst nur für wenige – den Blick auf den ungefähren Sonnenstand und die grobe Orientierung an den Kirchenglocken, die regelmäßig zum Gebet läuteten.

Niederrhein im Alpenraum – ein Düsseldorfer Prachtlüster in der Residenz

„Ganz schön viel Aufwand für so ein paar Kerzen“ mag mancher Besucher denken, der heutigen Tags auf Entdeckertour durch die Residenz das einstmalige Vorzimmer der Kurfürstinnen durchquert: Von der Mitte der Decke hängt an einer starken Kette ein monumentales Silberobjekt, das sich beinahe erst auf den zweiten Blick als ein – allerdings überaus prunkvoller – Lüster zu erkennen gibt.