Alle Artikel mit dem Schlagwort: Ikonographie

Karl Albrecht Totenbett

Herz auf Reisen – Trauerfeierlichkeiten für Kurfürst-Kaiser Karl Albrecht (1697-1745)

Am 20. Januar 1745, gegen ein Uhr, war es soweit: Dem Publizisten Friedrich Carl von Moser zufolge ereignete sich nach einem „recht zärtlichen“ und „beweglichsten Abschied“ von Gemahlin und versammelter Kinderschar, darunter der erst Stunden zuvor als volljährig erklärte Erprinz, „bey einer außerordentlichen Großmuth und Ergebung in den göttlichen Willen die Auflösung“: Karl Albrecht, Kurfürst von Bayern und seit 1742 als Karl VII. erwählter römisch-deutscher Kaiser war tot. Noch nicht einmal 48 Jahre war der von schmerzhaften Gichtanfällen und hartnäckig quälenden Steinleiden vor der Zeit erschöpfte Monarch alt geworden.

Anbetung der Hirten Residenz München

Genügend Krippenplätze vorhanden… – Weihnachtliche Darstellungen in der Residenz

Es weihnachtet schwer – fast alle Türchen des Adventskalenders stehen schon sperrangelweilt offen, frei nach Rilke darf man mutmaßen „Wer jetzt keinen Baum hat/holt sich keinen mehr“ und generell gilt die Parole: Vorsicht – es wird ernst: Das ist keine Übung! Bevor sich also Alles in die wohlverdiente Feiertagsruhe verabschiedet noch ein kleiner Blogbeitrag zum Thema, das die frohlockende Christenheit derzeit hauptsächlich bewegt!

karl theodor hubertusorden

„Sie folgten dem (Ordens-)Stern…“ – Zu den Kleinodien des Hubertus-Ordens in der Schatzkammer und ihrer Geschichte

Wer in der Schatzkammer der Residenz vor der Vitrine mit den bayerischen Kroninsignien steht und das Gefunkel in dem halbdunklen Raum auf sich wirken lässt, erkennt hinter dem bruchsicheren Schutzglas entlang der Wände rasch allerlei Schmuckgarnituren, die zwar aus verschiedenen Jahrhunderten stammen, sich aber dennoch bis in die Details hinein ähneln. Es handelt sich um die Kleinodien und Abzeichen der beiden Wittelsbacher Hausorden des Heiligen Georg und des Heiligen Hubertus.

Ausschnitt-Decke-Gold.-Saal

„Wo zwei oder drei Gerechte versammelt sind…“ – Der Goldene Saal in der Münchner Residenz und sein Bildprogramm

Am 6. November jährt sich einmal mehr der Geburtstag der berühmten Henriette Adelaide (1636-1676), geborene Prinzessin von Savoyen und seit 1650 Gemahlin des Kurfürsten Ferdinand Maria (reg. 1651-1679), die sicher eine der faszinierendsten Frauengestalten in der Geschichte der bayerischen Wittelsbacher gewesen ist. Grund genug, sich einmal mehr in diesem Blog mit den erhaltenen Überresten ihres einst großartigen Wohnappartements im Südwesten des Residenzareals zu beschäftigen, dessen Ausstattung ganz auf die Selbstdarstellung der nach einer kurzen Glanzzeit relativ jung verstorbenen Kurfürstin zugeschnitten war.

Münchener Residenzmuseum. Miniaturensammlung. Verlobung von Kurfürst Karl Albrecht und Maria von Wessobrunn. Franz Matthäus Schaeffler 1725–35.

Schöne Mütter und wohlgeborene Verehrer – eine Miniatur aus der Sammlung des Residenzmuseums

Geschäftig, für heutige Augen aber auch rätselhaft geht es zu in dieser kleinen Gouache (= Malerei mit wasserlöslichen Deckfarben) auf Pergament, die sich in der Sammlung der Residenz befindet und im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts entstand: Mehrere Dutzend Figuren und Figürchen knien, schweben und paradieren in teils drangvoller Enge umeinander herum.

Das ist alles tierisch symbolisch gemeint – auf den Spuren des „Physiologus“ in der Residenz

Es kreucht und fleucht, klettert, schwimmt und schleimt, krächzt, brüllt und schnurrt, liegt dekorativ zwischen Obst und Blumenstillleben herum oder stürzt sich malerisch auf Beute: Die in der Residenz ausgestellten Kunstwerke, namentlich Gemälde, Kleinplastik und Bildteppiche, sind eine wahre Menagerie: Tierdarstellungen aus fünf Jahrhunderten, von der exotischen Raubkatze bis zur heimischen Schnecke, geben sich in den hochherrschaftlichen Räumen des einstigen bayerischen Herrschaftszentrums ein Stelldichein. Ist es, weil die Mächtigen schon damals wussten, wie publikumstauglich das stimmungsvolle Nebeneinander von Herrchen und Chief Pet zu bebildern ist? Oder hatten die Wittelsbacher einfach über Jahrhunderte hinweg ein besonders großes Herz für Tiere?

Kabinett der Königin Residenz München

„Schiller“nde Bilderwelt – Das Schreibkabinett der Königin im Königsbau

„Schillers „Musenalmanach“ ist jetzt auch raus: Beim „Lied von der Glocke“ sind wir fast von den Stühlen gefallen vor Lachen…“. Eher maliziös tönt im Jahr 1799 die literarische Erstkritik der Schriftstellerin Caroline Schlegel (1763-1809) über das eben damals erschienene Gedicht des großen Mannes, das kundigen Glockenguss und gelingendes Menschenleben in Parallele setzt und über dessen Länge abseits aller poetischen Vor- und Abzüge Generationen von Schülern gestöhnt haben. Vermutlich ging der selbstbestimmten Caroline die betuliche Art gegen den Strich, mit der der kränkelnde Dichterfürst die Rolle des weiblichen Geschlechts als „züchtige Hausfrau und „Mutter der Kinder“ vorbestimmte. Auf jeden Fall zeigt sich, dass der Zugang der Zeitgenossen zu „Schiller und Goethe“ – dem nur wenig später als unerreichbare „Olympier“ apostrophierten Weimarer Siegerduo in der literarischen Schwergewichtsklasse – erfrischend unbefangen war. Vor diesem Hintergrund mag man auch im unlängst wiedereröffneten Königsbau der Münchner Residenz einen hoffentlich interessierten Blick in das Schreibkabinett der Königin Therese, Gemahlin des Bauherrn Ludwig I. (reg. 1826-48), werfen, an dessen Wänden und Decke zahlreiche gemalte Szenen aus Schillers Werken erscheinen.

Barocke Liebe

Kein Platz für Liebe? Barocke Ehe-Ideale an den Decken der Residenz

Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause gewinnt ein sonst nicht allzu häufig unter der Berliner Reichstagskuppel verhandeltes Thema an Fahrt: die Ehe, konkret die „Ehe für Alle“. Was den einen die finale Inangriffnahme lang liegenden Reformstaus ist, scheint den anderen das fragwürdige Rütteln an traditionellen Grundwerten.

Therese_Kunigunde Ahnengalerie Residenz München

Hier ahnt man 121 Mal: Die Ahnengalerie der Residenz

Wer die Tage im Supermarkt an der Kasse Schlange steht und die Blicke schweifen lässt, fühlt es schon: Weihnachten streckt seine schokoladigen Finger nach uns aus. Zuhause dann werden langsam mit den leicht angestaubten Rauschgoldengeln auch die Familienerinnerungen an früher ausgepackt und an die lieben Verwandten gedacht („– müssen wir Tante Gertrud wirklich wieder einladen?“). Ähnlich nostalgisch geht es uns in der Residenz auch – unsere verstaubten Goldengel schweben allerdings in der Ahnengalerie – weshalb wir sie derzeit engagiert und vorsichtig reinigen.

Tugend und Hinterhältigkeit passt gut zusammen – der Kaisersaal und sein Bildprogramm

Wenn im Laufe der diesjährigen Residenzwoche wieder die Werke barocker Komponisten in den verschiedenen Prunkräumen unseres Schlosses erklingen, ist der Besuch eines Konzerts im (1980/85 rekonstruierten) Kaisersaal auf der Nordseite der Residenz über den Baumkronen des Hofgartens sicher ein besonderes Erlebnis: