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Die Bayerische Landesausstellung 2022 „Typisch Franken?“

Orangerie im Hofgarten Ansbach

Ein Gastbeitrag von Johanna E. Blume,
Haus der Bayerischen Geschichte //

Seit 25. Mai 2022 und noch bis zum 6. November ist die diesjährige Bayerische Landesausstellung „Typisch Franken?“ in der markgräflichen Orangerie im mittelfränkischen Ansbach zu sehen.

Eine Wanderung durch Franken

Die Ausstellung greift die Idee einer Wanderung durch Franken auf. Die Besucherinnen und Besucher können durch neun ausgewählte fränkische Regionen streifen und dabei in verschiedene Epochen eintauchen – sie begeben sich damit gleichsam auf eine Zeitreise. Mit dem einen oder anderen kuriosen Objekt wirft die Ausstellung Schlaglichter auf die fränkische Geschichte zwischen dem Mittelalter und dem 19. Jahrhundert (mit Ausblicken bis in die Gegenwart).

Fußballschuh landesausstellung

Die Adidas-Fußballschuhe mit auswechselbaren Stollen verhalfen Max Morlock vom 1. FC Nürnberg bei der WM 1954 zu besserem Halt auf dem Rasen © The adidas archive/Studio Waldeck

Ob Flohfalle, Lügenstein, Lotterietrommel oder Fußballschuh – alles hat auf die eine oder andere Art mit Franken zu tun und ist mit den Menschen verbunden, die die verschiedenen fränkischen Gebiete geprägt haben. Dabei stehen nicht nur Bischöfe, Könige und Reichsritter im Vordergrund. Auch verliebte Markgrafen, tatkräftige Äbtissinnen, findige Handwerker, ausgefuchste Räuberinnen und standhafte Städterinnen haben die unterschiedlichen fränkischen Orte und Regionen zu dem gemacht, was sie heute sind.

Würzburger Lügenstein

Die Würzburger Lügensteine gehören zu einem kuriosen Betrugsfall aus dem 18. Jahrhundert © Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg | Foto: www.altrofoto.de

In der ersten Abteilung dreht es sich unter anderem um die letzten Ansbacher Markgrafen, ihre Jagdleidenschaft und ihre Frauen. Denn eine elegante Dame namens Lady Elizabeth Craven war nicht ganz unbeteiligt am Ende des Markgraftums. Warum man früher gleich hörte, wann man sich den Toren einer Reichsstadt näherte, wird auf dem weiteren Wanderweg ebenso erläutert wie die Frage, warum die Würzburger Fürstbischöfe sich „Herzöge von Franken“ nannten. Was haben Wachsäpfel und gefälschte Fossilien mit der klösterlichen Aufklärung rund um Bamberg zu tun? Auch das erfahren die Besucherinnen und Besucher auf ihrem Streifzug durch Franken.

Bismarck-Waage Landesausstellung Typisch Franken

15 Mal fuhr Otto von Bismarck nach Kissingen in Unterfranken zur Kur und ließ sich jedes Mal auf der Waage an der Salinenpromenade öffentlich wiegen. © Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg | Foto: Gerhard Nixdorf

Sie passieren rauchende Fabrikschlote und ergiebige Goldminen im Fichtelgebirge, treffen auf fürstlichen Prunk in Aschaffenburg und familiäres Elend im dichten Spessart. Noch ein Blick nach Coburg, wo Martin Luther auf seinem Weg nach Augsburg strandete und Queen Victoria ihre große Liebe fand, und schon finden sich die Frankenbegeisterten mitten im Gewühl der Handwerker, Mechaniker und Künstler des frühneuzeitlichen Nürnberg wieder. Reicher jüdische Kultur begegnen sie im benachbarten Fürth, dem „fränkischen Jerusalem“. Gewagt springen die Zeitreisenden zuletzt ins 19. Jahrhundert hinein und beobachten die High Society Europas beim Kuren in Bad Kissingen.

Also keine Bratwurst, kein Bier, keine Kerwa? Doch natürlich. In jeder Abteilung wird etwas „typisch Fränkisches“ genauer beleuchtet: Ist Franken ein Wein- oder Bierland? Gibt es DEN fränkischen Dialekt überhaupt? Und was hat die Coburger Bratwurst mit dem heiligen Mauritius zu tun?

Von Markgrafen und Schwanenrittern – der Nebenstandort St. Gumbertus

Nebenstandort St. Gumbertus

Ansicht Nebenstandort Stadtkirche St. Gumbertus in Ansbach © Florian Trykowski

Im Nebenstandort, der ehemaligen markgräfliche Hofkirche St. Gumbertus, sind besonders die Fürstengruft und die berühmte Schwanenritterkapelle sehenswert. Die Ausstellungseinheit in der Kirche widmet sich den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, die über Jahrhunderte die Geschicke der Region geprägt haben. Mit welchen Mitteln herrschten die Markgrafen? Welche Rolle spielten kostbare große Fahnen bei ihrem Tod? Und was kann uns eine Schwanenritterin aus dem 16. Jahrhundert darüber erzählen?

Die Bayerische Landesausstellung nähert sich Franken aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. In der Zusammenschau dieser sehr unterschiedlichen Zeiten, Themen, Menschen und Lebenswelten entsteht ein Abbild der Vielfalt Frankens – eine Vielfalt, die bis in die Gegenwart nachwirkt und die Region nach wie vor kennzeichnet. So haben die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit selbst zu entdecken, was „typisch fränkisch“ ist oder sein könnte.

Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.hdbg.de/typischfranken

 


Titelbild: Ansicht der Orangerie im Hofgarten in Ansbach © Florian Trykowski

 

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