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Wertvoller Gartenfund – Steinvase kehrt in die Eremitage zurück

vase eremitage schlange

Der Bayerischen Schlösserverwaltung gelang es im Frühling 2020 eine barocke Sandsteinvase für die Eremitage anzukaufen. Die ca. 195 cm hohe und rund 1 Tonne schwere Gartenvase ist Teil eines Ensembles, das vor 270 Jahren für die Eremitage in Auftrag gegeben wurde. Frisch restauriert reiht sich die Neuanschaffung seit dieser Woche in die Reihe der 5 erhaltenen Originalvasen ein.


 

Von Stefan Wallerius und Silas Ploner

Eine Grotte mit höfischer Eleganz

Die Obere Grotte mit ihren Wasserspielen im zentralen Brunnenbecken, den Pomeranzenbäumen und der Fassade des Neuen Schlosses ist ein Highlight für Besucher der Eremitage Bayreuth. Dieses in sich geschlossene Ensemble entstand zwischen 1749 und 1753 als Menagerie und Aufstellort der Orangeriepflanzen im Auftrag der Markgräfin Wilhelmine. Es ersetzte das Labyrinth, welches an dieser Stelle zu Beginn des Ausbaus als Eremitage von Markgraf Georg Wilhelm geschaffen wurde.

Obere Grotte um 1750_Stadtmuseum Bayreuth

Eremitage, Stich von 1750. Stadtmuseum Bayreuth.

Ein Stich von 1750 zeigt die lebendigen Wasserspiele der Tritonengruppe im großen Bassin vor dem Sonnentempel mit seinen halbrunden Seitenbauten. An die beiden Vogelvolieren rechts und links schließen sich Treillagegänge aus Holz an. Mit ihrer verspielten höfischen Eleganz repräsentiert die Obere Grotte den Geist der kulturellen Blüte in Bayreuth unter Wilhelmine wie kaum ein anderer Teil der Parkanlagen.

Blick vom großen Bassin auf den Sonnentempel mit den symmetrischen seitlichen Arkadenbauten.

Die Ausstattung mit Vasen

Aus Reiseberichten wissen wir, dass sich in den Nischen der Treillagegänge, deren Gitterwerk aus grün gestrichenem Holz ausgeführt waren, 18 große Vasen aus Sandstein befunden haben.

Eremitage-Vasendetail_Stadtmuseum Bayreuth

Detail des Stiches von 1750. Stadtmuseum Bayreuth.

Im Jahr 1784 bereist Johan Michael Füssel die Eremitage und beschreibt seinen Eindruck wie folgt:

„Auf der freyen Seite, die es dem Bassin zukehret hat es [die Treillage] 18 Nischen, in welchen eben so viel Vasen stehen. Aus dem blendend weissen Anstrich derselben vermuthete ich, sie wären von Kupfer, zumal da das basrelief so glatt ist, daß man hier gar keinen Stein argwohnt;[…]“

Die kunsthandwerkliche Technik des Fassens, also der hochwertigen, malerischen Oberflächengestaltung war im Barock gang und gebe. In der Regel wurden Vasen und Parkfiguren mittels Leinöl und Bleiweiß weiß gefasst, um feines Porzellan oder hochwertigen Marmor zu imitieren. Aus Kostengründen, sowie zur leichteren Oberflächenbearbeitung waren die Vasen aber meist aus Sandstein. Auch auf der neu angekauften Vase finden sich feine Reste einer (mittlerweile durch Luftschadstoffe) verschwärzten Bleiweißfassung.

Sandsteinvase Bayreuth Eremitage Drei Grazien

Sandsteinvase mit den „Drei Grazien“. Bayreuth Eremitage.

Die Vasen der Eremitage sind monolithisch aus einem einzigen Steinblock gearbeitet, der Naturstein sowie die Bearbeitung sind von sehr hoher Qualität.

Der verwendete Lenkendorfer Sandstein wurde in der Nähe der Eremitage bei Weidenberg abgebaut und ist von sehr feiner Struktur. Diese hohe Steinqualität führt dazu, dass die Vasen auch heute noch in relativ gutem Zustand sind, obwohl sie 270 Jahre Wind und Wetter ausgesetzt waren. Gelitten haben lediglich die mythologischen Szenen, welche die Vasen schmücken. Die Reliefdarstellungen auf den Vorderseiten zeigen Szenen aus der antiken Mythologie, die von namhaften Bildhauern wie Johann Nikolaus Gruner, Andreas Neuhäuser und Martin Mutschele nach Entwürfen Rudolf Heinrich Richters gearbeitet wurden.

Rückkehr an ursprünglichen Standort

1802-1805 veräußerte man die Vasen im Zuge der Umgestaltung der Parkanlage im Englischen Stil. Die Umgestaltung der Eremitage erfolgte unter anderem durch Carl Christian Riedel, einem Nachfahren des Hofbauamtsleiters Johann Gottlieb Riedel.

Carl Christian Riedel erwarb 1804 Teile des Inventars für sein 1796 erbautes Riedelsgut in Bayreuth. Insgesamt 6 der ehemaligen Eremitage-Vasen schmückten im 19. Jahrhundert die Gartenanlage des Anwesens. Fünf dieser Vasen wurden 1997 als Dauerleihgabe im rekonstruierten Treillagegang der Oberen Grotte in der Eremitage wieder aufgestellt.

Vase im Garten_Gärtenabteilung

Die sechste Vase in einem Privatgarten.

Die sechste Vase befand sich im Garten eines benachbarten Privatgrundstücks, welches bis ins frühe 20. Jahrhundert Teil der Gartenanlage am Riedelsgut war. Ein vorab erstelltes restauratorisches Gutachten bescheinigte die Echtheit des historischen Stückes. Erfreulicherweise konnte nun auch diese Vase von der Bayerischen Schlösserverwaltung für die Eremitage erworben werden. Unter Federführung der Gärtenabteilung wurde die Vase aus dem Museumsetat angekauft und mit Mitteln des Bauunterhalts nach Vorgaben des Restaurierungszentrums der Schlösserverwaltung restauriert. Die Umsetzung der Maßnahme erfolgte durch das Staatliche Bauamt Bayreuth.

Das Kunstwerk

Die Vase ist aus einem Sandsteinblock gefertigt und ohne Sockel 195cm hoch. Ihr Gewicht beträgt ca. 1 Tonne. Ihre Reliefabbildungen werden bei Füssel als „Cybele tränkt an ihrer Brust ein Kind, und ein anderes trägt ihre Krone herbey“ beschrieben.

Vasenrelief Cybele_Stephan Maier

Die „neue“ Vase mit dem Relief der Cybele.

Gemessen am Alter der Vase und der dauerhaften Aufstellung im Freien ist deren Zustand relativ gut. Nach dem Abtransport aus dem privaten Garten wurden Schäden am Sockel gesichert und die Standsicherheit durch den beauftragten Steinmetzmeister Georg Doreth wiederhergestellt. An einer alten Bruchstelle am Vasenfuß kam es beim Abbau zu einem erneuten Bruch, da die alte Reparatur mit glatten Dübeln und unzureichender Einbindetiefe erfolgt war. Um eine bessere Standsicherheit zu gewährleisten, wurden nun drei Verdübelungen mit Gewindestangen aus Edelstahl in Epoxidharz vorgenommen.

Restaurierung_Georg Doreth

Abtransport und Restaurierung.

vase eremitage bayreuth

vase eremitage aufstellung garten

Die Aufstellung der einst verschollenen Vase.

Die Sandsteinoberfläche konnte behutsam gereinigt werden, ohne dass die fragilen Reste der historischen Fassung entfernt wurden. Kleine Teile des bildplastischen Reliefs wurden konservatorisch ergänzt, um den Wasserablauf zu verbessern, Schadsalze mittels Kompresse aus dem Stein gezogen. Frisch restauriert reiht sich die neu angekaufte Vase nun neben den 5 erhaltenen Originalvasen um die Obere Grotte ein.

Verschollene Schätze

Mit den 5 Vasen, die 1997 als Dauerleihgabe in die Eremitage kamen, haben nun insgesamt 6 der ursprünglich 18 Vasen ihren Weg zurück in das Gartendenkmal gefunden und stehen wieder an ihrem angestammten Platz. Sie können hier der Öffentlichkeit präsentiert werden und stehen so auch der weiteren denkmalpflegerischen Forschung zur Verfügung.

vase aufstellung ort

Treillage um das Große Bassin, Eremitage Bayreuth.

vase eremitage detail

Die weiteren 12 Vasen gelten als verschollen. Auch sie wurden ab 1802 verkauft und einige von ihnen fanden sicherlich ihren Platz in den privaten Gärten Bayreuths, wo sie bis heute schlummern. Werft doch mal einen Blick in euren Garten! 😁 Die Schlösserverwaltung ist dankbar für jeden Hinweis zu den verschollenen Stücken.

 

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