von Rebecca Brennecke und Christina Würtenberger //
Die Brunnenfigur „Der Knabe mit Schwan“ im Park von Schloss Fantaisie wurde in den vergangenen Wochen umfassend restauriert. Pünktlich zum Osterfest, zu dem der Brunnen traditionell geschmückt wird, kehrt sie nun wieder an ihren angestammten Platz im nördlichen Schlossvorfeld zurück.
Bereits in der Vergangenheit musste der „Knabe“ seinen Standort räumen – damals jedoch nicht aus konservatorischen Gründen, sondern um einer anderen Figur Platz zu machen.
Entworfen wurde der „Knabe mit Schwan“ um 1834 vom deutschen Bildhauer Theodor Kalide im Auftrag Friedrich Wilhelms III. für den Charlottenburger Schlossgarten. Internationale Aufmerksamkeit erlangte das Werk 1851 auf der Weltausstellung in London, wo es mir einer Bronzemedaille ausgezeichnet wurde. In der Folge entstanden zahlreiche Vervielfältigungen, unter anderem für den Central Park in New York, das Osborne House in England sowie den Park von Schloss Sanssouci in Potsdam. Kalides Komposition galt als „Werk voll Schwung, Phantasie und Bewegtheit“.
Ein Blick auf die lokale Geschichte zeigt, dass der Standort der Figur im Park von Schloss Fantaisie mehrfach wechselte. Eine aquarellierte Zeichnung von Georg Hohlweg aus dem Jahr 1859 zeigt im Brunnen noch die Statue „Wasserholendes Mädchen“. Erst in den 1860er Jahren ließ Herzog Alexander von Württemberg den „Knaben mit Schwan“ an deren Stelle aufstellen. Ein Reisebericht von 1866 erwähnt mehrere Figuren aus „galvanisirtem Zinkguss“ der Berliner Firma Geiß, die den Park schmückten, darunter Kalides „Knabe mit dem Schwan“, den „Knabe mit der Gans“, eine Venus, ein Eros-Jüngling sowie das „Wasserholende Mädchen“.
Eine Fotografie, vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dokumentiert wiederum einen Wandel: An derselben Stelle befindet sich nun ein Springbrunnen ohne Figur. Erst später kehrte der „Knabe mit Schwan“ an seinen ursprünglichen Standort zurück – zeitweise allerdings ohne Schwanenhals, der erst in den 1980er Jahren rekonstruiert wurde. Zu Beginn der 2000er Jahre erhielt die Brunneneinfassung zudem ihre historische Gestalt aus schlichten Sandsteinquadern zurück. Vorbild hierfür war die Zeichnung von Georg Hohlweg.
Die jüngste Restaurierung knüpft an diese wechselvolle Geschichte an. Aufgrund der exponierten Position der Figur zur Umwelt und ihrer Funktion als Springbrunnen ist die Plastik dauerhafter Feuchtigkeit, Witterung und wechselnden klimatischen Bedingungen ausgesetzt. Diese kontinuierliche Belastung führte im Laufe der Zeit zu einer fortschreitenden Instabilität der Fassung und schließlich zu erheblichem Substanzverlust.
Der Zustand der Fassung beeinträchtigt das äußere Erscheinungsbild der Figur und damit die ursprüngliche Intention des Künstlers. Zudem dient die Fassung als Schutzschicht für den darunterliegenden Zinkguss. Eine beschädigte oder nicht mehr vorhandene Fassung kann also auch Folgeschäden verursachen. Aus diesem Grund wurde beschlossen, die Fassung der Plastik abzunehmen und sie neu zu fassen.
Vor der Abnahme wurden Kalkkrusten und festere Partien der Fassung händisch entfernt. Die anschließende Abnahme der Fassung erfolgte durch das Sandstrahlen mit Kunstoffgranulat. Das Abnehmen der Fassung ist ein aufschlussreicher Arbeitsschritt, da dabei frühere Bearbeitungen und Altschäden freigelegt werden, wodurch sich das Verständnis für die Objektgeschichte vertieft. So konnten nach der Freilegung an dieser Plastik ältere Ergänzungen, Risse und Löcher dokumentiert werden.

1: Gesamtaufnahmen: Zwischenzustand nach Entfernung der Fassung; 2: Detailaufnahme Ergänzung des Halses; 3: Detailaufnahme Ergänzung Finger
Ziel der Neufassung ist der Einsatz eines Anstrichsystems, das gegenüber den funktionellen und äußeren Einflüssen möglichst beständig ist, um den Zeitraum bis zu einer erneuten Überarbeitung der Fassung so weit wie möglich hinauszuzögern. Da jede Maßnahme am Objekt einen tiefgreifenden Eingriff darstellt, der die Materialien beansprucht, sollte die Anzahl solcher Eingriffe möglichst geringgehalten werden. Aus diesem Grund wurde für die Plastik ein Lacksystem gewählt, das sich durch hohe Wetter- und Wasserbeständigkeit, schnelle Trocknung sowie gute Deckkraft auszeichnet.
Beim Auftrag der neuen Fassung wurden zunächst zwei Schichten einer grauen Grundierung aufgebracht, gefolgt von zwei Schichten weißer Deckfarbe. Der Auftrag erfolgte mit dem Pinsel, um eine gleichmäßig aufgebaute Schicht zu erzielen und auch enge sowie schwer zugängliche Bereiche sicher erreichen zu können.
Nach jeder Schicht wurde die Oberfläche mit Schleifpapier und Wasser leicht angeraut, um die Haftung zwischen den einzelnen Schichten zu verbessern.

1: Gesamtaufnahme: Zwischenzustand nach Entfernung der Fassung; 2: Gesamtaufnahme: Zwischenzustand nach dem Aufbringen der grauen Grundierungsschicht; 3: Gesamtaufnahme: Endzustand
Mit der Rückkehr des „Knaben mit Schwan“ an seinen Platz im Schlosspark wird somit nicht nur eine restauratorische Maßnahme abgeschlossen, sondern auch ein Stück Denkmalgeschichte fortgeschrieben.





