Residenz München

„Silberner“ statt „Blauer Kurfürst“ – Erinnerungen an Max Emanuel in der Silbersammlung der Residenz

Silberkammer - Max Emanuel Blogserie

„Es ist nicht alles Gold was glänzt“ stänkert das alte Sprichwort moralinsauer, und gilt dennoch sicher und in besonderem Maße für unseren diesjährigen Jubilar, Leib- und Magen-Kurfürsten Max Emanuel. Gerade sein Glanz, für den der umtriebige Wittelsbacher lebenslang fast jedes politisch-militärische Wagnis einging, wirkt vor allem im Rückblick phasenweise recht halbseiden. Dennoch – oder gerade in Hinblick auf den schönen Schein – nutzte Max Emanuel zeitlebens Glanz und Symbolkraft der materiellen Kultur (s)eines fürstlichen Hofes, um persönliche Gloire sowie dynastische Herrschaftsansprüche weithin leuchten zu lassen. Und dies gemäß adeligem Selbstverständnis ohne jegliche Rücksicht auf langweilige Details wie seine Einkünfte, denn – „sind dit nich‘ bürjerliche Katejorien?“

Bereits die in der Frühzeit der Regierung 1685 deutsch gedruckte Propaganda-Beschreibung des „Triumphierenden Wundergebäus der Churfürstlichen Residenz“ kann die dort gehorteten Schätze trotz barock überquellender Rhetorik kaum schildern: Ihr Verfasser, der wortgewaltige Doktor beider Rechte Johann Schmid, fühlt sich „unvermuthtet getrungen [gedrängt], die Feder gar bey seyts zulegen, indeme ich mich des unschätzbaren Schatzes unseres Gnädigsten Churfürsten erinnere [….] zumalen mir unmöglich fiele, jene schier unglaubliche Mänge der von Größe, Gewicht und Kunst gleichsamb unschätzbaren guldenen Bilder, Geschürr und Credenzen nach Genügen hervorzustreichen“.

„Mehr ist mehr“ – auch die heutige Präsentation der Residenz-Silbersammlung setzt auf ähnliche Strategien visueller Überwältigung wie unsere barocken Vorläufer….

Zum Glück blieb nicht allen angesichts dieser vielteiligen Prunk-Service aus Edelmetall derart die Zunge gebunden: Knapp vierzig Jahre später, am Ende der so abwechslungsreichen wie bewegten Regentschaft, springt Max Emanuels literarisch versierter Beichtvater Pierre de Bretagne 1722 hilfreich ein: Galt es doch, anlässlich der pompös gefeierten Hochzeit des Erbprinzen Karl Albrecht mit Maria Amalia von Österreich, die das zwischenzeitlich schwer ramponierte Verhältnis mit den Habsburgern wieder zukunftsfähig machen sollte, die Wittelsbacher Schlösser samt ihrem luxuriösen Inventar in Wort und Schrift bekannt zu machen: Ein Auszug aus Pierres Beschreibung der damaligen Schatzsammlung verkündet: „In dem dritten Gestell sieht man mehr als 500 Stück Geschirr von Massiv-Ducaten Gold künstlich gestochen [graviert] und vortrefflich gearbeitet, unter denen etlich von solcher Schwere, dass auch eine einzige Gießkanne der stärksten Hand zu heben Mühe macht. Alle diese Stücke bestehen aus großen Becken, die Hände daraus zu waschen, mit ihren Gießkannen, Schüsseln von unterschiedlicher Größe, sehr vielen Tellern, Löffeln, Gabeln, Messern, Service-Tellern, kleinen Bechern, großen Flaschen, Leuchtern mit ihren Putzscheren und dergleichen […] und ein Surtout von Massiv-Gold von 75 Mark [ca. 17,5 Kg!], sehr schön gearbeitet, um sich dessen auf der Tafel zu bedienen.“

Anfang des 18. Jahrhunderts malte Francois Desportes diese Vision eines idealen Schaubuffets – im Vordergrund prangt ein mit Früchten und Schälchen besetztes Silbersurtout

Dank der gewandten Beschreibung des gelehrten Augustinerpaters erfahren wir also nicht nur, dass der gewohnt selbstbewusste Max Emanuel wie die geladenen Feen im Dornröschen-Märchen von massiv goldenen Tellern speiste. Was zeremoniell außer Feen eigentlich nur souveränen, gekrönten Herrschern zustand. Wir dürfen gleichfalls annehmen, dass die zugehörigen Lavoirs (Handwasch-Garnituren aus Kanne und Becken), die freihändig dargeboten wurden, extrem unpraktisch waren. Und stellen schließlich beruhigt fest, dass sich München modisch auf der Höhe befand: Nicht nur legte man das frivol-neumodische Teufelszeug namens Gabel auf, sondern bediente sich auch eines Surtout, eines zentralen Tafelaufsatzes, der Platz für Gewürzgefäße bot und mit den darüber arrangierten Zitrusfrüchten den Speisenden zusätzlichen Augenschmaus bot.

In unserer Silbersammlung erinnert eine barocke Modellkanone an die historischen Zusammenhänge zwischen Zuwachs und Schwund der Bestände und dem wechselnden Kriegsgeschehen….

Leider hat sich von all den Zentnern schimmernder Pracht, die Max Emanuel teils erbte, teils selbst in Auftrag gab, praktisch nichts für die Augen der neugierigen Nachwelt erhalten: Denn sein auf künftigen Ruhm geeichter Wille zu fürstlicher Repräsentation kollidierte mit den pragmatischen Anforderungen aktueller Tagespolitik: Blieben doch auch die hochwertigsten Silber- und Goldschmiedearbeiten auf der Herrschertafel in letzter Konsequenz immer nur ästhetisch veredeltes Staatsvermögen. Nicht umsonst ließ man genaues Gewicht und Feingehalt jedes einzelnen Silbertellers säuberlich auf dessen Unterseite eingravieren. Denn diese prunkvollen, nach Dutzenden, ja Hunderten zählenden Serviceteile standen stets zur Disposition eingeschmolzen zu werden, um in Krisenzeiten dringend benötigte Gulden und Taler zu prägen. Das galt besonders für Phasen einer aktiven, ehrgeizigen Außenpolitik, wie sie im Kabinett Max Emanuels konzipiert wurde – mit bekannt mäßigem Erfolg: Große Teile der geerbten Silberservice besserten in den Jahren des Spanischen Erbfolgekriegs und Max Emanuels Exil die Kriegskasse der siegreichen Habsburger auf (ca. 510 Kg im Jahr 1706). Weniger endgültig waren weitere Vorräte schon vorher „in Versatz“ bei kreditstarken Leihhäusern in Amsterdam und Hamburg gewandert, wo sie nach Kriegsende über Jahre hinweg mühselig wieder ausgelöst werden mussten.

Es spricht für Max Emanuels ungebrochenes Vertrauen in die Finanz- und Steuerkraft seines 1714 glücklich restituierten, aber ausgepowerten Kurfürstentums, dass er schon bis 1722 Prachtgeschirr in der von Pierre de Bretagne bewunderten Menge zurück- und neukaufte – bezahlt selbstverständlich mit dem guten Wittelsbacher Namen: also auf Pump. Aus der Zahl dieser Neuerwerbungen hat sich bis heute in der Residenz ein schmuckloses, aber mit eleganter Formgebung und glänzend polierter Oberfläche prunkendes Ensemble erhalten: Ein wannenförmiger Weinkühler, der mit Eiswasser befüllt zahlreichen Flaschen Platz bot, samt einem eckigen Deckelkasten mit Tragehenkel, ein sogenannter „Mundkeller“. Was keine verunglückte Wortspielerei ist, sondern auf das germanische „Mund[t]“ (wie in „Vormund“) verweist. Es zeigt eine persönliche Verfügungsgewalt an, in diesem Fall die des Kurfürsten, dessen Wappen auf unserem Mundkeller eingraviert ist, in dem man die für Max Emanuels persönlichen Konsum bestimmten Weinflaschen zur Tafel transportierte.

Eingeliefert in die Silberkammer wurden die beiden schwergewichtigen Behälter bereits 1715 von dem auch sonst gut bei Hofe beschäftigten Münchner Silberschmied Johann Georg Oxner. Ein interessantes Licht auf den unbefangenen Umgang mit alten und neuen Silberbeständen in der Residenz offenbart die ovale Unterseite des Kühlbeckens: Es zeigt eine Fülle eingekratzter „Graffitti“ in Form mehr oder minder kalligraphischer Buchstabenkürzel, die nichts mit den üblichen Goldschmiedezeichen und Qualitätsstempeln auf Silbergeschirr zu tun haben: Setzten sich hier Generationen unterbeschäftigter Silberdiener beim Polieren der Service-Teile ein verborgenes Denkmal? Dieses Alltagsrätsel des Münchner Hofes wartet noch auf seine Lösung…

Ob auch der Rest von Max Emanuels mühsam wieder komplettierten Silbergeschirr umseitig beschriftet war, wissen wir nicht: Denn praktisch alles, was da laut Pierre der Bretagne 1722 auf der festlichen Hochzeitstafel Karl Albrechts in Gold und Silber prangte, ging zugrunde, als dieser Sohn und Nachfolger Max Emanuels 1740 den Machtkampf mit der Cousine seiner Braut, der Habsburgerin Maria Theresia, begann: In der Hitze des Österreichischen Erbfolgekriegs (1740/48) verflüssigten sich die bayerischen Prunkservice unwiederbringlich im Schmelzofen – und blieben trotzdem nur ein funkelnder Tropfen auf dem heißen Stein, besser: dem gigantischen Berg von Schulden, den Max Emanuel und sein Sohn mit ihrer vergeblichen Großmachtpolitik aufhäuften!

Angesicht solch ungünstiger Umstände sind die raren Reste einstiger Pracht, die sich in verschiedenen Sammlungskomplexen des Residenzmuseums – namentlich der Silber- und der Schatzkammer – erhalten haben, um so kostbarer:
Am vielleicht schönsten und in vielerlei Hinsicht aussagekräftig ist eine relativ kleine Deckelterrine aus vergoldetem Silber, sogenanntem Vermeil, auf einem vielpassig geschweiften Untersatz. Max Emanuel bestellte sie in der zweiten Hälfte seiner zehnjährigen Exilzeit zwischen 1711 und seiner Rückkehr nach Bayern direkt in Paris bei Claude II Ballin. Dieser war Spross einer vielbeschäftigten Goldschmiedefamilie, die für den französischen Adel und den Sonnenkönig arbeitete und zu den privilegierten Kunsthandwerkern zählte, die in der Galerie des Louvre Werkstätten unterhalten durften.

Etwa gleichzeitig lieferte Ballin für Monseigneur l’Electeur zudem ein uns schon bekanntes Duo aus silbernem Weinkühler und Mundkeller, überaus geschmackvoll verziert mit erlesenem plastischem Ornament. Der Vergleich mit den im selben Jahrzehnt entstandenen, schlichteren Stücken Johann Georg Oxners zeigt die damals sehr unterschiedliche Stilhöhe zwischen München und Paris.

Noch markanter tritt sie aber an der Vermeil-Terrine zutage: Der Körper des gebauchten Deckeltöpfchens samt der Platte ist dicht mit Flechtwerk aus flachem, bänderartigem Ornament bedeckt, das sich vielfältig, dabei aber symmetrisch organisiert den gewölbten Flächen anschmiegt. Dieser Zierart, der letztlich antike, aber bereits in der Renaissance neu entdeckte Grotesken-Dekorationen aufgreift, ist Kennzeichen des sogenannten „Régence“-Stils, dem Vorboten des späteren Rokoko.

typische Motivvorlage im „style Bérain“

Nach dem Dekorationskünstler Jean Bérain (1640-1711), der den Handwerkern die maßgeblichen Stichvorlagen lieferte, wird er stellenweise auch style Bérain genannt. Dieser in Deutschland manchmal etwas langweiliger als „Bandlwerk“ bezeichnete Dekor entwickelte sich in der späten Herrschaft des greisen, damals auch künstlerisch bereits deutlich angezählten Sonnenkönigs Louis XIV. und blühte dann vor allem unter der nachfolgenden Regentschaft („Régence“) seines Neffen Philippe d’Orléans (eines halben Wittelsbachers!) für den unmündigen Louis XV. (Max Emanuels Großneffen).

Als Exilant mit viel Freizeit konnte Max Emanuel diese künstlerischen Entwicklungen bereits in ihrer Frühphase aus der Nähe verfolgen, nicht zuletzt als häufiger Gast seines Schwagers, des Dauphin – also Kronprinzen – Louis (ohne Nummer): Der vom Vater bis zu seinem frühzeitigen Tod kaltgestellte Thronfolger hatte wie der arbeitslose Wittelsbacher Jagd, Mode und Künste als Felder erkannt, auf denen er Öffentlichkeit für sich herstellen konnte, und richtete sein Schloss Meudon im neuesten Geschmack ein. Die Inspirationen die Max Emanuel in diesem Umfeld aufsaugte, sollten sich nicht nur auf dem Gebiet der Goldschmiedekunst, sondern auch in der Aus- und Umgestaltung aller seiner bayerischen Barockbauten nach 1715 niederschlagen.

Aber nicht nur stilistisch, sondern auch funktionell war Max Emanuels kostbare kleine Terrine top of the day. Handelt es sich doch um einen Pot à oille, ein Gefäß für die berühmte „Spanische Suppe“, auch bekannt unter dem etwas unappetitlichen Namen olla [oille] podrida : „Verfaulter (ursprünglich eigentlich „üppiger“) Topf“. Zu Beginn ein Madrider, Versailler und Wiener Hofküchen-Allerlei, für das unzählige Luxusnahrungsmittel aus Fleisch und Gemüse stundenlang zusammengekocht wurden, klärte sich dieses aristokratische Vorzeigegericht im Laufe des 17. Jahrhunderts schließlich zur „B[o[u]ill]on“, unserer berühmten klaren Brühe, die in mehreren schön gestalteten Terrinen auf der Tafel arrangiert das Festmahl eröffnete. Und die nicht mehr allzu weit entfernt war vom bürgerlichen Rindfleischextrakt, den der Chemiker Justus von Liebig ab 1852, unterstützt von der Münchner Hofapotheke der Residenz, auf den Markt brachte.

Eigentlich sollte man meinen, dass Max Emanuel als prominenter Verlierer des Spanischen Erbfolgekriegs von spanischem Mischmasch – faul oder üppig – genug hätte haben sollen. Stattdessen steht seine neumodisch-elegante Silber-Pot à oille als ausgesprochenes „Style-Icon“ geradezu stellvertretend für die aufwändige Hofhaltung, die der vom Kaiser geächtete Kurfürst während seiner Exilzeit betrieb. Diese musste mitten in den finanziell desaströsen Krisenjahren des Erbfolgekriegs zähneknirschend aus den leeren Kassen und den (zum Glück besser gefüllten) Hofmobilendepots der französischen Krone bestritten werden. Max Emanuel, der enge Verwandte und mittlerweile nutzlose Verbündete des Sonnenkönigs, den man schon der Ehre Frankreichs wegen für sein Engagement nicht unbelohnt lassen konnte, fiel zunehmend lästig. Seine politische Rolle als geächteter „Prince sans terre“ und damit sein zeremonieller Rang blieben quälend unbestimmt. Denn bei seinen Verhandlungen mit Louis XIV. war gerade die Beachtung dieser Rangfragen ein Gradmesser politischen Gewichts. Das wurde offenkundig bei Besuchen des Wittelsbachers am Versailler Hof, angesichts derer sich seine Verwandte „Lieselotte von der Pfalz“, die Schwägerin des Sonnenkönigs, vor Fremdscham für „Vetter Churbayrn“ wand.

Max Emanuels auftrumpfende, verschwenderische Profilierung in Kunst, Architektur und zeremonieller Tafelkultur ist insofern zu deuten als ein ständig in die Welt gerufenes „Ich bin noch – oder wieder – da!“. Das offenbart die Residenz-Terrine zuletzt prominent mit dem zentral angebrachten Wappen ihres Besitzers. Es zeigt nicht die übliche kurfürstliche Doppel-Kombi aus Rautenfeldern und steigenden Löwen, sondern eine deutlich kleinteiligere Heraldik: Aufgeschlüsselt nach den symbolisierten Territorien gibt sie sich als das gewissermaßen königliche Wappen zu erkennen, das Max Emanuel kurze Zeit zwischen 1711 und 1714 führte:

so viele Löwen… – Der Herzschild mit dem traditionellen Wappen des bayerischen Kurfürstentums wird ergänzt mit den Löwen der Grafschaft Namur und Luxemburgs. Drum herum schlingt sich die Kette des Vlies-Ordens, der 1430 in Brügge gegründet worden war

Um den nörgelnden Zwangsgast für den Verlust Bayerns zu entschädigen, ließ Louis XIV. über „seinen“ Exponenten im Erbfolgekrieg, den königlichen Enkel Philippe d’Anjou, a.k.a. Felipe V. von Spanien, die Südlichen Niederlande, bzw. deren noch kontrollierten, nordwestlichen Teil  als souveräne Herrschaft auf Max Emanuel übertragen. Die Abgabe dieser reichen (Rumpf)Provinz, wo der Wittelsbacher bereits so glückliche Statthalter-Jahre verbracht hatte, kostete weder Spanien noch Frankreich vorläufig viel: Es handelte sich um dauerhaft umkämpftes Kriegsgebiet, in dem der Bayer derzeit faktisch überhaupt keine Regierung etablieren konnte. In den schlussendlichen Friedensverhandlungen ab 1713, die Philippe den dauerhaften Besitz Spaniens und den konkurrierenden Habsburgern unter anderem eben die vormals spanischen Niederlande zusprachen, löste sich dieses fiktionale belgische Herrschertum Max Emanuels endgültig in Nichts auf.

Der berühmte Silberthron Louis‘ XIV., die Leuchter, Vasen und Tische aus Silber, die den Glanz von Versailles ausmachten, wanderten in den Schmelzofen – heute erinnern noch die Nachschöpfungen, die Ludwig II. für seine Kopie der Spiegelgalerie in Schloss Herrenchiemsee anfertigen ließ, an die verschwundene Pracht….

So erscheint unsere silbergoldene Deckelterrine in Stilistik, Funktion, Bildsymbolik und zeremoniellem Anspruch als komprimierte Mini-Manifestation einer ganzen Epoche im Leben Max Emanuels – und der (Kunst)Geschichte Europas! Dies umso mehr, als unser kleines Glanzstück nicht nur in der Residenzsammlung, sondern weltweit ein rares Objekt darstellt: Denn während Max Emanuel vorsätzlich (und wohl auch lustvoll) mit seinem neu bestellten Tafelsilber auf die Pauke haute, forderte Louis XIV. gleichzeitig seine Höflinge auf, angesichts leerer Kriegskassen ihr neumodisches Tafelsilber für König und Vaterland zur Vermünzung abzugeben: Diesem patriotischen Aufruf konnte sich der Adel kaum entziehen, und auch die Reste des berühmten Versaillers Silbermobiliars sind damals aus der Spiegelgalerie und den royalen Appartements verschwunden. Was vielleicht vergraben oder „abzugeben vergessen“ worden war, ging schließlich ein Dreivierteljahrhundert später in den Wirren der Französischen Revolution größten Teils verloren: So kommt es, dass von dem einst zahlreich vorhandenen Régence-Silbergeschirr, das Claude Ballin und seine Kollegen für die modischste Aristokratie Europas lieferten, sich heute nur sehr wenig erhalten hat – immerhin aber in dem (aus Versailler Perspektive) etwas obskuren Wundergebäu der Churfürstlichen Residenz in München!