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Jahrhunderte alt, 30 Jahre jung – Schloss Rosenau

Schloss Rosenau

In diesem Jahr feiert das Museum in Schloss Rosenau in Rödental sein dreißigjähriges Bestehen. Da das Raumkunstmuseum corona-bedingt vorerst geschlossen bleiben muss, möchten wir Euch hier zum feierlichen Anlass einen besonderen Blick hinter die Kulissen gewähren. Als Auftakt zur Jubiläums-Blogreihe macht sich Museumsreferent Dr. Matthias Memmel im übertragenen Sinne mit Euch auf den Weg ins Museum und erzählt von der Zeit bis zur Eröffnung 1990.


 

Ein Zuwachs um 600.000 Schnecken… Das Jahr 1972 begann für die Bayerische Schlösserverwaltung mit üppigen Aussichten!

Zum 1. Januar übertrug der Freistaat Bayern seiner Fachbehörde für Schlösser, Gärten und Seen wieder einmal eine weitere Liegenschaft. Die Zuständigkeit erstreckte sich nun auch auf einen 36 Hektar großen Landschaftspark im Norden Bayerns. Auf dem Areal gab es Gebäude, die teils vermietet waren, unter anderem an eine Schneckenfarm. Der Mittelpunkt des Neuzugangs aber, auf einer Anhöhe über dem Flüsschen Itz gelegen, war ein altes Schloss.

Dieses gehörte einst den Coburger Münzmeistern derer von Rosenau. Den im Kern mittelalterlichen Bau ließ Herzog Ernst III. von Sachsen-Coburg-Saalfeld 1808 bis 1817 dem romantischen Geist jener Zeit folgend im Stile exquisiter Neugotik umgestalten. Seine Schwiegertochter Queen Victoria besuchte den Ort vor den Toren Coburgs mehrfach und adelte ihn mit einem vielzitierten Ausspruch.

Aquarell von Schloss Rosenau

Aquarell von Schloss Rosenau, geschaffen von Queen Victoria am 7. Oktober 1860. Royal Collection Trust / © Her Majesty Queen Elizabeth II 2020.

„Wäre ich nicht, was ich bin, dies wäre mein wahres Zuhause.“ Victoria, Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, in ihrem Tagebuch über Schloss Rosenau, 20. August 1845.

Im 20. Jahrhundert widerfuhren dem herzoglichen Sommerschloss Konsequenzen deutscher Geschichte. So endete 1918 die Herrschaft des Adels, auch in Coburg. Der Landsitz Rosenau ging, wie anderes Eigentum des Herzogshauses, an die Coburger Landesstiftung über. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Schloss vom Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend genutzt. Nach Kriegsende fanden Flüchtlinge Unterkunft. Dann etablierte sich ein Altenheim. Zum Jahreswechsel 1971/72 übergab die Coburger Landesstiftung Park und Schloss Rosenau dem Freistaat Bayern. Die Senioren zogen fort in einen Neubau, das Schlösschen war verwaist.

Verwaistes Schloss

Flur im 1. Obergeschoss von Schloss Rosenau nach Auszug des Seniorenheimes.

Der neue Eigentümer war fortan um eine malerisch schöne Liegenschaft reicher, doch eben auch um ein unmöbliertes Schloss. Wie könnten Gebäude und Park zukünftig genutzt werden? Mit zahlreichen mehr oder weniger ausgereiften Ideen trat man an die Schlösserverwaltung heran: Eine deutsch-britische Begegnungsstätte vielleicht? Ein Kindergarten? Ein Hotel oder Spezialitäten-Restaurant? Ein Internat oder eine Erwachsenenbildungsstätte? Eine forsche Investorin brachte einen Tierpark ins Gespräch. Das Areal für immer verändert hätte die Realisierung einer Pferderennbahn.

Der Schlösserverwaltung stand in erster Linie die kulturgeschichtliche Bedeutsamkeit des Ortes vor Augen, welcher aus ihrer Sicht noch am ehesten ein Kurbetrieb oder Sanatorium entsprochen hätte. Früh plädierte die Museumsabteilung für den wohl kompliziertesten Weg:

„Bei der Wiederverwendung von Schloß und Schloßpark Rosenau sollte – gemäß den Aufgaben der Schlösserverwaltung – der historischen und kunsthistorischen Bedeutung der Anlage Rechnung getragen werden. Park und Schloß sollten, soweit möglich, in den ursprünglichen Zustand versetzt werden.“ Abt. III (damalige Bezeichnung der Museumsabteilung), 31.10.1973.

Salon des Herzogs

Ferdinand Rothbart, Salon des Herzogs, ca. 1845. Royal Collection Trust / © Her Majesty Queen Elizabeth II 2020.

In den Folgejahren setzte die Schlösserverwaltung zunächst Gebäude im Park instand. Parallel entstand ein museales Konzept für das Haupthaus. Im Laufe der 1980er Jahre schließlich, nachdem das Dach abgedichtet und Grundfeuchte ferngehalten war, konnte eine behutsame Rekonstruktion der Wand- und Deckenmalereien im Schloss beginnen. Eine große Hilfe waren Befunduntersuchungen sowie Aquarelle, die Queen Victoria und ihr Gemahl, der in Schloss Rosenau geborene Prinz Albert, in Auftrag gegeben hatten und die den Zustand der Räume Mitte des 19. Jahrhunderts zeigten.

Rekonstruktion des Salons des Herzogs

Rekonstruktion des Salons des Herzogs, 1989.

Das genaue Studium dieser Raumansichten offenbarte, dass manch Mobiliar von einst in der Ehrenburg, der Coburger Stadtresidenz, erhalten geblieben war. Ansonsten wurde Inventar, das den Stil- und Qualitätskriterien entsprach, gezielt nachgekauft. Originale Parkettböden waren noch weitgehend vorhanden.

Im Oktober 1990 war es dann soweit: Ein Zusammenspiel aller Abteilungen der Bayerischen Schlösserverwaltung und vieler weiterer Beteiligter fand sein sehenswertes Ende. Das Raumkunstmuseum Schloss Rosenau öffnete. Seitdem verzaubert der Ort seine Gäste mit einer sensibel nachempfundenen Anmutung des frühen 19. Jahrhunderts.

Schlafzimmer der Herzogin

Schlafzimmer der Herzogin.

Nördliches Balkonzimmer

Blick vom Nördlichen Balkonzimmer in den Flur des Hauptgeschosses.

 

2 Kommentare

  1. Sybille Holland-Abbott sagt

    „Dieses gehörte einst den Coburger Münzmeistern derer von Rosenau. Den im Kern mittelalterlichen Bau ließ Herzog Ernst III. von Sachsen-Coburg-Saalfeld 1808 bis 1817 dem romantischen Geist jener Zeit folgend im Stile exquisiter Neugotik umgestalten. Seine Schwiegertochter Queen Victoria besuchte den Ort vor den Toren Coburgs mehrfach und adelte ihn mit einem vielzitierten Ausspruch“.

    Hallo lieber Herr Dr. Memmel,
    hat sich da ein Schreibfehler eingeschlichen? Nicht Ernst 3 sondern Ernst 1 ?
    LG aus dem veregneten Coburg, Sybille Holland-Abbott!

    • Bayerische Schlösserverwaltung sagt

      Liebe Frau Holland-Abbott,
      Danke, das ist eine gute Nachfrage! Die Antwort mag auf den ersten Blick verwundern: Beides ist richtig, Ernst III. und Ernst I., doch auf den Zeitpunkt kommt es an. Bis zum Jahr 1826 – und damit auch während der Umbauzeit der Rosenau – ist Ernst III. von Sachsen-Coburg-Saalfeld die korrekte Bezeichnung. Dann wird das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha begründet und aus Ernst III. wird fortan Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha.
      Viele Grüße nach Coburg
      Matthias Memmel

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