Alle Artikel in: Residenz München

 

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Revolution und der Absetzung der Wittelsbacher 1918 ist die Münchner Residenz die wichtigste Regierungszentrale und das Herz Bayerns gewesen. Die zahlreichen Geschichten, welche dieser besondere Schauplatz bisher erlebt hat, werden in dieser besonderen Kategorie von unserem Kurator Dr. Christian Quaeitzsch mit einer guten Portion Humor erzählt!

Kein Helau, aber großes Hallo! Faschingsvergnügen am barocken Münchner Hof

Schon einmal haben wir an dieser Stelle über den Münchner Residenz-Fasching des 17. und 18. Jahrhunderts berichtet – und dabei die an den absolutistischen Höfen hoch beliebten „Bauern-Wirtschaften“ etwas genauer unter die Lupe genommen. Tatsächlich aber wurde in den alljährlichen nasskalten Wochen zwischen Weihnachten und Beginn der vorösterlichen Zeit noch viel mehr geboten – und das war auch in mehrerlei Hinsicht bitter nötig.

Einfach heldenhaft – die Restaurierung der Herkulesgruppen von R. A. Boos

Kurz vor Weihnachten hat sich die Residenzfamilie um vier stramme Buben vermehrt – Vorhang auf für die Herkulesgruppen des bayerischen Hofbildhauers Roman Anton Boos aus dem späten 18. Jh., die lange Zeit ein Dasein im Abseits führten und nun mit Mitteln der Strascheg-Stiftung restauriert werden konnten. In ihrem Gastbeitrag berichtet Marion Biesalksi, die betreuende Restauratorin in der Schlösserverwaltung, von dem aufwendigen Projekt…

Jung gebliebene Göttin verlässt alt-angestammten Platz – Die Venus des Antonio Canova

„Aphrodite die schöne, die züchtige, will ich besingen,/Sie mit dem goldenen Kranz, die der meerumfloßenen Kypros/ Zinnen beherrscht, wohin sie des Zephyros schwellender Windhauch/ Sanft hintrug auf der Woge des vielaufrauschenden Meeres,/ Im weichflockigen Schaum; und die Horen mit Golddiademen/ Nahmen mit Freuden sie auf, und thaten ihr göttliche Kleider/An…“ so wohlklingend übersetzt Konrad Schwenck (1793-1864) das hymnische Lob, das Homer der Göttin der Liebe und Schönheit entgegenbringt: der schaumgeborenen Aphrodite, die die Römer später mit der von ihnen verehrten Venus gleichsetzten, und die dem griechischen Sänger – da blind und so von keinem irdischen Vorbild abgelenkt – besonders lebhaft vor dem inneren Dichterauge vorgeschwebt haben muss! Es scheint fast, als ob Antonio Canova (1757-1822), der berühmteste klassizistische Bildhauer Italiens, der im frühen 19. Jahrhundert Päpste, Kaiser und Könige mit seinen hoch begehrten Skulpturen erfreute, diese Zeilen gelesen hätte, unmittelbar bevor er sich an den Entwurf „seiner“ Liebesgöttin machte, die heute ihre unsterblichen Reize in der Residenz entfaltet.

Weihnachtsstress Anno 1750 – die Adventszeit am kurfürstlichen Hof

Weihnachten naht mit Riesenschritten, und wer das festliche Tempo mithalten will, muss selbst langsam in die Gänge kommen, um die vielen, teils angenehmen, teils misslichen Pflichten im Vorfeld der Feiertage noch termingerecht zu erledigen: sei es in Stellvertretung für den vielbeschäftigten Weihnachtsmann Geschenke zu kaufen, sei es, die letzten Bleche mit Plätzchen zu backen, festliche Grüße per Karte, mail oder WhatsApp zu verschicken, oder, oder, oder… Da mag es als Trost in all dieser Rumrennerei dienen, dass in der guten alten Zeit, die ob ihres angeblich stark entschleunigten Lebensstils alljährlich in den Tagen traditioneller Festlichkeiten gemeinhin hoch im Kurs steht, nichts besser gewesen zu sein scheint – zumindest nicht am bayerischen Hof und in der Münchner Residenz!

Abstecher auf der „Italienischen Reise“ – Goethes Besuch in München, September 1786

„Et ego in Arcadia“: „Auch ich [bin/war] in Arkadien“ – so hat es Goethe der 1816/17 erschienenen Publikation der „Italienischen Reise“ vorangestellt, seinen (redigierten) Erinnerungen an den lang ersehnten Aufenthalt in Rom und Neapel in den Jahren 1786/88,  – wobei die paradiesische Hirtenlandschaft des griechischen Arkadien (im 18. Jh. übrigens ein eher trister Landstrich) symbolisch für Italien als den ewigen Sehnsuchtsort der deutschen Künstler steht. Dabei hätte der berühmte Dichter aber auch gut im Kleingedruckten noch ein „et ego in Monaco“ einschieben können, denn auf der hastigen Hinreise in den Süden besuchte er auch kurz München!

Monument Men stehen restauriert an der Wand – die Fresken der Hofgartenarkaden

Rüstige Recken, würdige Weisheitslehrer und da und dort auch eine minnigliche Maid – wer im südwestlichen Abschnitt der Arkaden des Hofgartens promeniert, vielleicht auch nur Schatten oder Schutz vor einem plötzlichen Regenschauer sucht, sieht sich einer mehrere Dutzend Meter langen bayerischen Erfolgsgeschichte gegenüber!

wie sieht das denn hier schon wieder aus – auf Zeitreise in den Gemälden der Residenz

Die Zeit bleibt nicht stehen – was heute aussieht wie für die Ewigkeit gemacht, kann sich morgen oder nächstes Jahr schon als Schnee von gestern erweisen – oder sich doch zumindest als deutlich überholungsbedürftig erweisen. Gerade uns als Betreibern eines museal genutzten historischen Gebäudes, das einen kontinuierlichen Sanierungsbedarf aufweist, ist diese Vergänglichkeit auch der wehrhaftesten und monumentalsten Architektur mehr oder minder schmerzhaft bewusst.

„Hey, hey, hey, ich war der goldene Reiter“ – Der heilige Georg in der Schatzkammer

Schneidig – im wahrsten Sinne des Wortes – zieht er sein Schwert: Ritter St. Georg im glänzenden, gold-geschmelzten Prunkharnisch, die kristallene Klinge in der erhobenen Rechten, gibt sich seiner Berufung hin, dem Töten von Drachen! Und was für ein Drache! (eigentlich eine Drachenlady, um mit Blick auf die für die junge Schlangenbrut bereiten Zitzen am bleichen Monsterbauch genau zu sein): Grün glänzend wälzt sich das  Ungetüm, schon ziemlich angeschlagen, unter den Hufen von Georgs strahlendweißen Schimmel – ein gerechtes Ende für das geflügelte und geschuppte Ungetüm – wenn es nur nicht so süß schauen würde!

göttlich und grotesk: Die laufenden Restaurierungsarbeiten im Grottenhof nähern sich einem vorläufigen Abschluss!

„Steter Tropfen höhlt den Stein“ heißt es gemeinhin, und bedeuten soll es, dass beharrliches und geduldiges Arbeiten schließlich zum gewünschten Ergebnis führt. Nun ist das Bild mit dem kontinuierlich fortschreitenden Wasserschaden, der nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten schließlich zur Steinerosion führt, ein für den musealen Bereich vielleicht nicht allzu glücklich gewähltes: Wer heute den im letzten Viertel des 16. Jh. unter Herzog Wilhelm V. (reg. 1597-1597) ausgestatteten Grottenhof der Residenz betritt, wird uns hierin vermutlich zustimmen.

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…“ – Loreleys Schwester im Hofgarten

Klick! Mit einem metallischen Schlag stößt eine silbern glänzende Boule-Kugel eine andere ein Stück fort, und nach den ewigen Gesetzen des französischen Kugelspiels, die den Außenstehenden stets so mysteriös bleiben wie die Regeln des nur wenig dynamischeren Krickets, hebt das Geraune und der Disput der konkurrierenden Werfer an: Kurz – im Hofgarten nördlich der Residenz hat die Sommersaison begonnen! Eine allerdings bleibt von der Aufregung des Spiels unberührt – es ist die schöne Nymphe des Gartens, ein mythisch-mystisches Wassergeschöpf, das grünlich schimmernd auf dem kleinen Brunnen vor den westlichen Arkadenbögen thront.