Alle Artikel in: Residenz München

 

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Revolution und der Absetzung der Wittelsbacher 1918 ist die Münchner Residenz die wichtigste Regierungszentrale und das Herz Bayerns gewesen. Die zahlreichen Geschichten, welche dieser besondere Schauplatz bisher erlebt hat, werden in dieser besonderen Kategorie von unserem Kurator Dr. Christian Quaeitzsch mit einer guten Portion Humor erzählt!

Residenz Mars Bild

„Mars macht mobil“ – ein immer noch jugendlicher Held kehrt nach langer Abwesenheit heim!

Heute stellen wir einen relativ neuen Mitbewohner der Residenz vor, aber eigentlich geht es dabei um einen alten, wenn auch überraschend jung gebliebenen Bekannten! Allerdings handelt es sich bei dem adretten Jüngling mit lockigem Haar und athletischer Figur nicht um einen Olympioniken aus Fleisch und Blut, sondern um einen gemalten Olympier.

Georgs-Uhr Residenz München

(Uhr)Werk zurück – zurück ans Werk! Zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten an der Georgs-Uhr von Paul Graff

2013 haben wir sie zuletzt hier vorgestellt – die große Prunkuhr des Paul Graff (†1788), einem Augsburger Uhrmacher, der sich 1756 in München niederließ. Es handelt sich um eine sogenannte „Stutzuhr“, deren Federantrieb einen hohen Uhrenkasten für Gewichte unnötig macht und im „gestutzten“ Gehäuse aus vergoldeter Bronze (das, nebenbei, trotzdem fast einen Meter hoch ist) Platz findet. Vermutlich wollte der Münchner Neuankömmling Graff mit dem aufwendigen Paradestück die Aufmerksamkeit des kurfürstlichen Hofs auf sich ziehen – mit Erfolg! Seit 1768 war der schwäbische Tüftler regelmäßig in der Residenz tätig. 1772 ernannte Max III. Joseph (reg. 1745–1777) ihn zum Hofuhrmacher und 1781 stieg Graff zum Zunftmeister auf. Nach vielen Jahren im Depot der Residenz und noch einmal vier Jahren aufwendiger Restaurierung kehrt seine Uhr nun Anfang November zurück in die Prunkräume unseres Museums, wo sie – übervoll mit alten Geschichten und aktuellen Neuigkeiten – stolz ihr glänzendes Innenleben präsentiert.

jasons ofen residenz

Ein heißes Teil – der Jason-Ofen in den „Reichen Zimmern“

Held Jason strahlt – Mission impossible accomplished! Während zu seinen Füßen ein geflügelter Drache mit friedlich ausgestreckten Pranken (magisch betäubt) wie ein kleines Schoßhündchen schläft, präsentiert der mythologische Prinz stolz wie Tom Cruise seinen Mithelden ( den sogenannten „Argonauten“) seine Beute – das berühmte goldene Vlies, ein wundertätiges Widderfell, das vom schnarchenden Untier bewacht wurde. Dass dieses Zauber-Vlies, das hier ein bisschen an ein modisches Handtäschchen erinnert, golden ist, sieht man, muss es andererseits aber auch wissen: Schließlich schimmert das ganze Relief, auf dem die berühmte mythologische Szene dargestellt ist, in metallischem Glanz! Es handelt sich um den keramischen Schmuck eines großen Prunkofens, der zusammen mit einem gleichfalls reich dekorierten Pendant im Vorzimmer des kurfürstlichen Paradeappartements der Residenz steht – den „Reichen Zimmern“.

Ein diplomatisches Geschenk mit (Vogel-)Pfiff! – Das Sèvres-Service für Kurfürst Karl Theodor in der Residenz

Man weiß nicht so recht, wie man sich den historischen Moment 1708 vorstellen soll, in dem der Alchemist Johann Friedrich Böttger nach ersten Vorstufen statt ursprünglich versprochenem Gold das erste Stück Porzellanmasse aus seinen Tiegeln schabte. Hat der vom sächsischen Kurfürsten August dem Starken sicherheitshalber in Gewahrsam genommene Entdecker geflucht („doch kein Gold“), sich vor die Stirn geschlagen, weil endlich der chemische Groschen gefallen war („natürlich! Zugabe von Kaolin – „Porzellanerde“ !!“)? Vor allem aber – hat er erahnt, was seine Entdeckung für die weitere Geschichte des europäischen Kunsthandwerks bedeuten würde?

Residenz München_Max-Joseph-Denkmal

Ein König will nicht öffentlich aufs Klo…: Rauchs Münchner Denkmal Max I. Josephs

Heute treten wir mal vor die Tür der Residenz, um einen ihrer zeitweise populärsten Bewohner zu treffen: So wie die Münchner ihrem Ludwig I. am einfachsten bei dessen täglichem Spaziergang begegnen konnten, auf dem er dann auch schon mal einen ahnungslosen Touristen, der den Hut aufbehielt (schwerhörig!) anbrüllte „Wissen Sie wer ich bin – der König!“, findet man auch seinen in der Hauptstadt von jeher beliebten Vater Max I. Joseph (reg. 1799–1825) am schnellsten unmittelbar vor den Mauern der Residenz – auf dem nach ihm benannten Platz.

Der hat ja so`nen Bart… Hipster Hans Steininger und „seine“ Treppe in der Residenz

Ein weitläufiges Gebäude wie die Münchner Residenz verfügt natürlich über diverse Treppenhäuser. Als Ort fürstlicher Selbstdarstellung wurde das immer wieder erweiterte Wittelsbacher Stadtschloss im Laufe der Jahrhunderte sogar mit besonders vielen und extra prunkvollen Aufgängen versehen: Schließlich gehörte im Rahmen eines ausgefeilten höfischen Zeremoniells das feierliche Hinaufsteigen in die repräsentativen Prunkräume des Obergeschosses und die Rückkehr von da zu den wichtigsten Momenten eines öffentlichen Auftritts – wehe, wenn nicht die dem jeweiligen Rang des Ankömmlings angemessene Anzahl von „Hartschieren“ (Leibgardisten) in voller Montur die Stufen säumte…

Georgritter Ordenskalender

42 Ritter – aber nur ein Drache…: Der Ordenskalender des Hausritterordens vom Heiligen Georg

Gemeinhin versteht man unter einem Kalender ja einen mehr oder minder originellen und geschmackvollen Wandschmuck mit nützlicher Nebenfunktion – den monatsweise aufgelisteten Tages- und Datumsangaben; manchmal auch ein handliches Büchlein, auf dessen vorgedruckten Wochenplänen allerlei Angaben zu anstehenden Feier- und Jahrestagen vermerkt sind, fallweise garniert mit saisonal tauglichen Sinnsprüchen und Katzenbildchen. Vieles davon – inklusive mehrerer (bayerischer Löwen-)Kätzchen – bietet auch das im Jahre 1785 gedruckte Kalenderblatt aus dem Depot des Residenzmuseums.

Barocke Liebe

Kein Platz für Liebe? Barocke Ehe-Ideale an den Decken der Residenz

„Majestät und Liebe“, Deckengemälde des ehemaligen „Grottenzimmers“ im Appartement der Kurfürstinnen, heute im Raum 67, trad. Antonio Triva zugeschrieben, nach 1667 Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause gewinnt ein sonst nicht allzu häufig unter der Berliner Reichstagskuppel verhandeltes Thema an Fahrt: die Ehe, konkret die „Ehe für Alle“. Was den einen die finale Inangriffnahme lang liegenden Reformstaus ist, scheint den anderen das fragwürdige Rütteln an traditionellen Grundwerten. Unabhängig davon zeigt die Debatte an diesem Freitag auf jeden Fall, dass die Vorstellung dessen, was Ehe beinhaltet, keinesfalls seit dem ersten (pikanterweise unverheirateten) Menschenpaar im Garten Eden in Stein gemeißelt ist, sondern wie die meisten Dinge dem Wandel unterworfen. Einen schönen Beleg dafür finden Besucher der Residenz, wenn sie in den heute so genannten „Päpstlichen Zimmern“ die Augen an die Decke richten und das dort eingelassene allegorische Gemälde aus den 1660er Jahren betrachten.

bronze residenz muc

Ein dynastisches Schwergewicht kehrt zurück – Ludwig der Reiche und die „bronzenen Wittelsbacher“ im Foyer des Herkulessaals

  Ostern ist ja erst ein paar Wochen her, und so hat sicher noch so mancher den alljährlich ausgestrahlten Reigen biblischer Monumentalfilme vor Augen, an ihrer Spitze den unsterblichen Sandalen-Schinken „Die zehn Gebote“ von 1956. Wer kennt nicht die stimmungsvolle Einstiegssequenz unter blutrotem Himmel, in der Hunderte von gepeinigten Sklaven die gigantische Statue des Pharao zum melodischen Schnalzen der Aufseher-Peitschen vom Steinbruch in die Hauptstadt ziehen? Ein wenig an dieses Szenario mögen wir letzte Woche in der Residenz erinnert haben, als die „neuneinhalb bayerische Schuh“, also ca. drei Meter hohe Statue Ludwigs des Reichen, ein 900 Kilo schweres Ungetüm aus vergoldeter Bronze, versetzt wurde.

Reiche Kapelle Residenz

Blut, Schweiß und Tränen – in Gold gefasst: Das große Passionsreliquiar aus der Reichen Kapelle

In den Tagen und Wochen vor den Osterfeiertagen herrscht im Bereich von Tradition und Überlieferung Hochbetrieb: Zum Beispiel machen sich vorwiegend in Frankreich und Italien um diese Zeit die Glocken der Kirchtürme heimlich (und per Flug) auf den Weg nach Rom, und wer jetzt die Nachbarn in West und Süd für ebenso regelmäßige wie leichtgläubige Opfer raffinierter Metalldiebe hält, fasst sich besser an die eigene Nase angesichts der Myriaden künstlerisch versierter Kaninchen, die hierzulande angeblich Eier aus Hühner- oder Schokoproduktion farbig aufpeppen und anschließend zwanghaft in Vorgärten (und Supermärkten) verstecken…