Alle Artikel mit dem Schlagwort: Alltagsgeschichte

Ticken die denn noch richtig? – der kurfürstliche Hofuhrmacher Paulus Graff und sein Meisterwerk

Heute fällt es schwer, sich bewusst zu machen, welch einschneidende Bedeutung die Erfindung und Einführung von transportablen Uhren für die Menschen der frühen Neuzeit gehabt haben muss. Als Zeitmesser ersetzten sie ja mit neuer Exaktheit – wenn auch zunächst nur für wenige – den Blick auf den ungefähren Sonnenstand und die grobe Orientierung an den Kirchenglocken, die regelmäßig zum Gebet läuteten.

Polieren und auf lange Finger klopfen – der Silberdiener Joseph Hölzl

Mit aufmerksamem Blick schaut Joseph Hölzl von dem Schriftstück auf, an dem er mit seinem praktisch verkürzten Federkiel arbeitet, und fixiert uns aufmerksam. Man merkt gleich, wir sind ihm verdächtig, denn Joseph Hölzl hat einen verantwortungsvollen und aufreibenden Job – er ist kurfürstlicher Silberdiener

Back Dir Deine Residenz – Rezepte für den anspruchsvollen Geschmack

In dem Prunk, der einen noch heute in den offiziellen Räumen der Residenz umgibt, vergisst man zwischen Marmor und Spiegelglas leicht, dass es daneben einst innerhalb der Schlossmauern auch eine etwas weniger opulent ausgestattete Alltagswelt gab, die die ganze Pracht am Laufen hielt – so mussten die Hochherrschaftlichen, die sich die vergoldeten Klinken in die Hand gaben, nicht zuletzt täglich mit Essen, sauberer Kleidung, Licht und Heizung versorgt werden, was von einer gewaltigen Infrastruktur geleistet wurde, die sich über die Residenz hinaus in die Stadt hinein erstreckte. Von dieser Welt, die auf ihre Art ebenso faszinierend war, wie der Glamour der höfischen Gesellschaft, haben sich leider nur wenige Zeugnisse bewahrt, vorzugsweise dann, wenn ihnen ein eigener künstlerischer Wert zuerkannt wurde.

Konzerte in der Residenz – damals und heute, Teil 1 – der Kaisersaal

Wenn heute Abend zur Eröffnung der diesjährigen Residenzwoche ein Konzert im Kaisersaal stattfindet und die barocken Melodien von Marini und Legrenzi unter der vergoldeten Decke ertönen, dann nicht nur, weil dieser Prunkraum wohl den meisten Platz in der Residenz bietet, oder weil die Ausstattung des erst in den 1980er Jahren rekonstruierten Saals vergleichsweise robust Schallwellen und neugierig prüfenden Besucherhänden widersteht.

Als auf der Wiesn noch Gras wuchs und die Fahrgeschäfte nur ein PS hatten – Ein Oktoberfestbild aus dem Marstallmuseum

Das war es ja fast schon wieder mit der Wiesn 2012 – langsam gehen die Biervorräte zur Neige, und Hühner und Ochsen, die bisher noch nicht auf den Tellern der Festgänger gelandet sind, trauen sich zögerlich aus ihren Schlupfwinkeln. Wie jedes Jahr war es wieder ein megalomanes Spektakel, das sich statistisch nur mit einem ganzen Schwung von Nullen hinter der jeweiligen Ziffer darstellen lässt. Dabei hat alles eigentlich mal ganz bescheiden angefangen. Wie, das zeigt ein Gemälde, das im Obergeschoss des Nymphenburger Marstallmuseums zu sehen ist:

Live aus dem Schlosspark – Götter und (viele) Menschen feiern Max Emanuels Geburtstag

Im September richten sich bekanntermaßen die Augen der ganzen Welt auf das unter der Altweibersonne wohlig leuchtende München – des vorverlegten Oktoberfestes wegen. Auch vor 350 Jahren war das nicht anders, aber die September-Festlichkeit von 1662, die damals das Staunen von halb Europa weckte (auch bei denjenigen, die damals weder das ferne München noch Bayern recht lokalisieren konnten), galt nicht Bierzelt und Riesenrad, sondern der Taufe des kleinen Kurprinzen Max Emanuel:

Weißblauer Wassersport auf dem Starnberger See

Vielleicht erinnern sich noch manche an Zeiten, die fast soweit zurückzuliegen scheinen, wie die Herrschaft des mythischen Herzogs Theodo über das damals noch ziemlich touristenleere Bayern – Zeiten, in denen man, anstatt ewig auf drohende Gewitterfronten zu starren, Sonntags von München aus einfach entspannt zum Baden an den Starnberger See fuhr…

Ärger mit dem Aufstehen – Morgenrituale in der Residenz

Es ist ein tägliches Kreuz – seit dem 25. März tickt wieder deutschlandweit die Sommerzeit und treibt auch den geübtesten Schläfer jeden Morgen kostbare sechzig Minuten früher als die vergangenen Monate aus dem Bett – der verschwommene Blick auf die jetzt schon wieder frühmorgendlich von der Sonne unbarmherzig beschienene Fensteraussicht tröstet da nur selten – ebenso wenig wie das misslaunige Konterfei, das einem aus dem Badspiegel übermüdet entgegen starrt.

Will der nur spielen? Tierische Existenz in der Residenz

Endlich ist er da – der Wonnemonat Mai, und überall regen sich nach mehr oder minder erholsamen Winterschlaf Fauna und Flora: Detailliert berichtet etwa der München-Teil der SZ über Befindlichkeit und Wohlergehen der beiden Junglöwen Max und Benny im Hellabrunner Tierpark, und wenn der Zeitungsleser den Kopf hebt, sieht er zwitschernde Zugvögel aus dem Süden zurückkehren, hört Bienlein emsig summen – und auch sonst macht die Natur auf vitale Weise ziemlichen Krach. Gern nehmen wir soviel animalische Betriebsamkeit zum Anlass, uns zu fragen, was wir eigentlich über Tiere in der Residenz und die Rolle, die sie im Leben ihrer Bewohner spielten, wissen?