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Frau, Mutter, Herzogin – Begegnungen mit Luise von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1800-1831)

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen unserer Blogserie „200 Jahre Sachsen-Coburg und Gotha“. Zum Auftakt blicken wir auf eine Frau, die für die Vorgeschichte dieses Doppelherzogtums wesentlich ist. Eine Frau, die in jeder Führung durch Schloss Ehrenburg und Schloss Rosenau Erwähnung findet. Noch 225 Jahre nach ihrer Geburt ist Herzogin Luise bedeutsam für Coburg und berührt Besucherinnen und Besucher mit einem ereignisreichen, nur drei Jahrzehnte umfassenden Lebensweg.

Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg erblickte am 21. Dezember 1800 in Schloss Friedenstein in Gotha das Licht der Welt. Ihre Mutter verstarb kurz nach ihrer Geburt. Luise bekam eine Stiefmutter, denn ihr Vater, Erbprinz August, heiratete 1802 ein weiteres Mal. 1804 trat er die Regentschaft des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg an. Der Herzog, lieber Mäzen und Sammler als Landesherr, bestach durch Extravaganz und Exzentrik. Er scherte sich weder um Zeremoniell noch Etikette, irritierte mit seiner Kleiderwahl und scheute kein provokantes Wort. Das Einzelkind Luise wuchs am Gothaer Hof in einer unkonventionellen Umgebung auf.

Luise Sachsen Coburg Gotha

Luise im Alter von etwa 14 Jahren, gemalt von E. von Ebart nach einem Gemälde von Joseph Grassi von 1814, um 1900, Schloss Rosenau, Rotes Gesellschaftszimmer

Einen Tag vor ihrem 16. Geburtstag verlobte sich Luise mit einem Verwandten aus dem weitverzweigten Haus Wettin. Der Coburger Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld war etwa doppelt so alt wie Luise. Für diese konnte die Hochzeit mit Ernst gar nicht schnell genug stattfinden. Im Sommer 1817 sprach Luise in Gotha ihr Jawort. Das Coburger Herzogspaar bekam in rascher Abfolge zwei Kinder: 1818 Ernst, der später seinem Vater als regierender Herzog nachfolgte; und 1819 Albert, der seine Cousine Victoria ehelichte, die Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland. Luise ist hierdurch die Ururururgroßmutter des britischen Königs Charles III.

Luise Sachsen Coburg Gotha mit Söhnen

Herzogin Luise mit ihren Söhnen Albert und Ernst, gemalt von Ludwig Döll, 1823/24, Coburg, Schloss Ehrenburg, Arbeitszimmer des Herzogs. BSV/Scherf

Die jugendliche Braut empfand, wie man aus Briefen weiß, starke Gefühle für ihren Mann. Emotional, geradezu schwärmerisch, aber auch mit Selbstzweifeln, ob sie ihrer neuen Rolle als Ehefrau genügen könne, trat Luise die Ehe mit Ernst an. Sie erhoffte sich eine Partnerschaft auf Augenhöhe, Seelenverwandtschaft und eheliche Treue. Erwartungen, die sich nicht erfüllten. Das Zusammenleben mit Ernst, der nicht abließ, eigene Wege zu gehen, trübte sich nach wenigen Jahren ein. Die Hofgesellschaft brachte Luise zudem mit Vertraulichkeiten in Verbindung, die sich für eine Herzogin nicht schickten. Der Wahrheitsgehalt des Geredes blieb unklar.

Als 1824 beim Aufkommen des Gerüchts, das Herzogspaar wolle sich trennen, die Coburger Bevölkerung auf die Straße ging und Partei für Luise ergriff, war Ernst alarmiert. Er bezichtigte seine Frau, Anstifterin der Ansammlungen zu sein, und schickte sie fort aus Coburg nach St. Wendel in das Fürstentum Lichtenberg im heutigen Saarland, das ihm beim Wiener Kongress zugesprochen worden war. Besonders bitter für Luise: Nach dem Willen ihres Mannes durfte sie die beiden in Coburg zurückgebliebenen Söhne Ernst und Albert zeitlebens nie mehr kontaktieren und wiedersehen.

Luises Ehe mit Ernst wurde 1826 geschieden. Sie behielt den Titel einer Herzogin. Noch im selben Jahr bekam Ernst im Zuge einer Landesteilung, die sich zwischen verschiedenen ernestinischen Linien vollzog, Gotha zugesprochen, denn Luises Familienzweig war im Mannesstamm erloschen und sie selbst kam, weil sie eine Frau war, als Regentin nicht infrage. Fortan regierte Ernst ein Doppelherzogtum und führte den Namen Sachsen-Coburg und Gotha. Die in Gotha geborene Prinzessin und nunmehr geschiedene Coburger Herzogin Luise blieb im neuen Herzogshaus Sachsen-Coburg und Gotha außen vor. Für sie begann in St. Wendel jedoch noch einmal ein neuer Lebensabschnitt, dem Anschein nach ein glücklicher. Luise heiratete im Oktober 1826 ihren Lebensgefährten Maximilian von Hanstein, Graf von Pölzig und Beiersdorf. Das Paar verstand sich gut, engagierte sich sozial und unternahm viele Reisen. Während eines Aufenthalts in Paris verstarb Luise am 30. August 1831 mit nur 30 Jahren an einer Krebserkrankung.

Luise hat in Gotha, Coburg und St. Wendel unvergängliche Spuren hinterlassen. In Schloss Ehrenburg in Coburg ist die Erinnerung an die Herzogin, die hier von 1817 bis 1824 lebte, bis heute sehr präsent: Sei es anhand Bildnissen, die sie zeigen, sei es anhand der Räumlichkeiten, die Ernst eigens für seine Frau einrichten ließ. Ernst baute in den Jahren rund um seine Hochzeit mit Luise Schloss Ehrenburg umfassend um und gestaltete seine Residenz neu. Das für Luise geschaffene Appartement ist ein erlesenes Beispiel der Dekorationskunst jener Jahre und im Rahmen einer Schlossführung zu besichtigen.

Boudoir der Herzogin Schloss Ehrenburg

Boudoir von Herzogin Luise in Schloss Ehrenburg, rechts ihr Bibliothekskabinett, die sogenannte Dichternische

Ob das Boudoir der Herzogin, ihr Schlafzimmer oder die kleine Dichternische, die ihr mit Blick auf den Schlosshof zur Lektüre diente: Luise ist mit Schloss Ehrenburg in seinem heutigen Erscheinungsbild eng verbunden.

schlafzimmer herzogin ehrenburg coburg

Schlafzimmer der Herzogin in Schloss Rosenau

Auch Schloss Rosenau in Rödental bietet Begegnungen mit Luises Lebensgeschichte. In dem Landsitz vor den Toren der Residenzstadt fühlte sich Luise in ihrer Anfangszeit in Coburg so wohl, dass sie ihrer Gothaer Jugendfreundin Auguste von Studnitz begeistert schilderte: „Wir fuhren hin, ich sah, staunte und war entzückt.“

Schloss Rosenau Coburg

Coburg, Schloss Rosenau, Luftaufnahme von Norden

Bei einer Führung erleben die Besucherinnen und Besucher unter anderem Luises Salon, Schlafzimmer und Ankleidekabinett und erfahren vom Leben einer bemerkenswerten Frau, Mutter und Herzogin.

 


Titel: Herzogin Luise von Sachsen-Coburg-Saalfeld, gemalt von Ludwig Döll, 1822, Schloss Ehrenburg, Empfangszimmer der Herzogin