Hinter den Kulissen, Residenz München
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Gerechtigkeit und Beharrlichkeit für die Gelbe Treppe! – Teil 1

karyatiden residenz münchen

Was sich auf den ersten Blick liest wie die Parole aus einer politischen Streitschrift, beschreibt in Wahrheit die anspruchsvolle Aufgabe, die unserem Bildhauer Benno Ortner übertragen wurde: Es handelt sich um die Neuschöpfung zweier verlorener Gipsskulpturen nach alten Vorbildern, ausgeführt und erzählt in drei Etappen.

Worum geht es?

Die  Zerstörung der „Gelben Treppe“ im 2. Weltkrieg hinterließ eine Lücke im architektonischen Gefüge des Königsbaus der Residenz München. Seit einigen Jahren arbeitet die Schlösserverwaltung an der Rekonstruktion des prunkvollen Aufstiegs in die Gemächer Ludwigs I. Ein bedeutendes Dekorationselement sind zwei überlebensgroße weibliche Skulpturen mit tragender Funktion für das Portal, sog. Karyatiden:  Die Eine repräsentiert die „Gerechtigkeit“, die Andere die „Beharrlichkeit“.

gelbe treppe vorkriegsaufnahme ausschnitt

Vorkriegsaufnahme der Karyatiden an der Gelben Treppe.

Für unsere Besucher und Passanten sei darauf hingewiesen, dass sich dieser Bauteil (von außen unsichtbar) in der Ecke zwischen dem Königsbau der Residenz und dem Residenztheater am Max-Josephs-Platz befindet.

karyatiden gelbe Treppe residenz münchen

Ausschnitte aus historischen Entwurfszeichnungen zur Gelben Treppe. © Staatliche Graphische Sammlung München, Inventarnummern SGS-25099 und SGS-25100.

Worin liegt die besondere Herausforderung?

Von den beiden Skulpturen existieren nur alte Schwarzweißaufnahmen und schematische Skizzen in den Plänen des Architekten Leo von Klenze. Unser Bildhauer muss nun Mittel und Wege finden, die Neuschöpfungen so originalgetreu wie möglich auszuführen. Zur Bewältigung dieser Aufgabe gehören großes künstlerisches Einfühlungsvermögen, intensive Recherchen und die Beherrschung historischer Techniken.

Wie wird vorgegangen?

Drei Etappen sind vom ersten Entwurf bis zu den fertigen Karyatiden zu unterscheiden:

Der erste Schritt ist die Herstellung eines 1:3-Modells. Anhand dieser ersten verkleinerten Version kann die genaue Ausformung, Positionierung und Statik der Skulptur angelegt werden. Der Bildhauer beschäftigte sich in dieser Phase über das genaue Studium von Vergleichsbeispielen in Literatur und Architektur ausführlich mit der Formensprache des Münchner Klassizismus. So konnte er in Bereichen, für deren Gestaltung kein Vorbild existierte, die Form stilgerecht am Modell entwickeln.

Diese Bilderfolge zeigt die Entstehung des 1:3 Modells der Gerechtigkeit in der Bildhauerwerkstatt in Nymphenburg:

Schon hier kann man im Prinzip alle Arbeitsschritte ablesen, die auch bei der Ausführung der großen Figuren vollzogen werden. Erläuterungen hierzu folgen in Teil zwei und Teil drei unserer kleinen Serie, wenn wir dem Bildhauer in seiner Interims-Werkstatt in der Residenz über die Schulter schauen!


Herzlichen Dank an unseren Bildhauer Benno Ortner für die spannenden Infos zum Projekt und seine fotografische Dokumentation.

 

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