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Bayerns erstes UNESCO-Welterbe – Die Fürstbischöfliche Residenz Würzburg

Residenz Würzburg UNESCO Welterbe

Bayerns erstes Weltkulturerbe steht in Würzburg. Vor 40 Jahren, am 30. Oktober 1981, erhielt die Fürstbischöfliche Residenz Würzburg den begehrten Titel „Weltkulturerbe der Menschheit“. Zu Recht, denn bei dieser barocken Residenzanlage wetteiferten von der Grundsteinlegung vor 300 Jahren 1720 bis zur Fertigstellung Mitte des 18. Jahrhunderts bedeutende Bauherren und Künstler darum, Einzigartiges zu erschaffen.

Ohne die vom sprichwörtlichen „Bauwurm“ ergriffene Familie Schönborn stünde der Residenzbau heute nicht in seiner Größe und außergewöhnlichen Ausstattung da. Deren Anspruch, mit den bedeutendsten Höfen dieser Zeit, mit Paris und Wien auf Augenhöhe in künstlerischer Hinsicht zu konkurrieren, machte das Würzburger Gesamtkunstwerk erst möglich. Das Zusammenspiel der ausführenden Baumeister, Künstler und Architekten erschuf hier zeitüberspannend Bedeutendes, weshalb die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) in ihrer Bewertung 1981 zum Weltkulturerbe die Würzburger Residenz „als einheitlichstes und außergewöhnlichstes aller Barockschlösser“ beurteilte. Über die Grenzen Frankens hinaus bekannte Namen wie Balthasar Neumann, Antonio Bossi, Johann Georg Oegg und schließlich Giovanni Battista Tiepolo, der Starmaler aus Venedig, verewigten sich in der Residenz Würzburg mit Meisterleistungen. Auch dies berücksichtigt die Eintragung in die Welterbeliste der Menschheit, wenn es in der Begründung heißt: „Einzigartig durch Originalität, ihr ehrgeiziges Bauprogramm und die internationale Zusammensetzung“, in der Gesamtschau „eine Synthese des europäischen Barock“.

Residenz Würzburg Treppenhaus

Das Treppenhaus der Residenz Würzburg, Foto: kreativ-instinkt, 2021

Meisterleistungen der menschlichen Schöpferkraft sind die Haupträume des Corps de Logis der Residenz Würzburg. Herausragend in bautechnischer und künstlerischer Sicht ist das Treppenhaus mit seinem weitgespannten Massivgewölbe, dessen Untersicht das größte zusammenhängende Fresko der Welt schmückt. Im Gegensatz zu anderen barocken Residenzanlagen, deren Bauzeit über Jahrzehnte andauerte und die trotzdem oftmals nicht fertiggestellt wurden, war der Rohbau in Würzburg schon nach 24 Jahren bis 1744 vollendet und die Ausstattung in den wichtigsten Teilen unter der Regie des genialen Baumeisters Balthasar Neumann bis zu dessen Tod 1753 angewiesen. Dieser Glücksfall, einen so groß dimensionierten Residenzbau, zwar unter wechselnden Fürstbischöfen, aber mit einem durchgehend wirkenden Hauptbaumeister, nahezu fertigzustellen, ist sicherlich der wesentliche Grund für die heute so einheitliche Gesamterscheinung des barocken Schlossbaus.

Residenz Würzburg Treppenhaus Tiepolo

Das Treppenhaus der Residenz Würzburg mit dem berühmten Tiepolo-Fresko

Am 16. März 1945 schwer getroffen und in großen Teilen zerstört, wurde der Wiederaufbau der Residenz Würzburg bis in die 1980er Jahre von der Bayerischen Schlösserverwaltung gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt Würzburg und zahllosen externen Fachkräften aus der Denkmalpflege und Restaurierung mit größtem Engagement betrieben. Vieles konnte gerettet, rekonstruiert und erhalten werden, einiges war aber auch für immer verloren. Die über Jahrzehnte andauernden denkmalpflegerischen Grundsatzdiskussionen sowie die handwerklichen und restauratorischen Leistungen im Wiederaufbau wurden von der UNESCO bei der Nominierung 1981 als „beispielhaft“ bewertet. Besonders bemerkenswert ist, dass die Residenz Würzburg trotz der enormen Zerstörungen und der umfangreichen Rekonstruktionen bis 1981 als eine der ersten Stätten in Deutschland die Auszeichnung „Weltkultur-Gut“ erhielt.

UNESCO Welterbe Würzburg

UNESCO-Urkunde zum Weltkulturerbestatus der Residenz Würzburg, 30. Oktober 1981

Auf der 5. Komiteesitzung der UNESCO in Sydney wurde die Würzburger Residenz gemeinsam mit dem Speyrer Dom in den damals noch kleinen Kreis von 112 Welterbestätten aufgenommen, der heute mittlerweile schon auf weit über 1000 angestiegen ist, allein in Deutschland aktuell 51 (Stand 2021). Gehören UNESCO-Welterbestätten heute aufgrund des großen öffentlichen Interesses zu den „high destinations“ in der Tourismusbranche, war dies vor 40 Jahren noch ganz anders. Kein großer Festakt ist für 1981 überliefert, lediglich einige kurze Zeitungsmeldungen berichteten über den damals noch fast unbekannten Titel.

Wir feiern dieses Jahr den 40. Jahrestag der Eintragung der Residenz Würzburg in die Weltkulturerbeliste. Dieses Jubiläum ist Anlass und Verpflichtung für die Bayerische Schlösserverwaltung gemeinsam mit ICOMOS-Deutschland in einer Fachtagung am 29.10.2021 auf die Zeit des Wiederaufbaus nach 1945 zurückzublicken und daraus Schlüsse für die in Zukunft ableitbaren Herausforderungen zu ziehen. So kann es – gemäß der Verpflichtung gegenüber der UNESCO – allen Verantwortlichen weiterhin gelingen, die in der Residenz Würzburg bewahrten universellen Werte für die gesamte Menschheit langfristig zu erhalten und zeitgemäß zu vermitteln.

 

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