Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gemälde

Ausschnitt-Decke-Gold.-Saal

„Wo zwei oder drei Gerechte versammelt sind…“ – Der Goldene Saal in der Münchner Residenz und sein Bildprogramm

Am 6. November jährt sich einmal mehr der Geburtstag der berühmten Henriette Adelaide (1636-1676), geborene Prinzessin von Savoyen und seit 1650 Gemahlin des Kurfürsten Ferdinand Maria (reg. 1651-1679), die sicher eine der faszinierendsten Frauengestalten in der Geschichte der bayerischen Wittelsbacher gewesen ist. Grund genug, sich einmal mehr in diesem Blog mit den erhaltenen Überresten ihres einst großartigen Wohnappartements im Südwesten des Residenzareals zu beschäftigen, dessen Ausstattung ganz auf die Selbstdarstellung der nach einer kurzen Glanzzeit relativ jung verstorbenen Kurfürstin zugeschnitten war.

pompadour gemälde residenz münchen

Frauen in Hosen – grüßen aus Paris…

Lässig hingestreckt auf honiggelben Polstern lässt sich die schöne Orientalin auf diesem Bild aus der Gemäldesammlung der Residenz ein Tässchen Kaffee reichen. Ihre vornehme Blässe verrät den in 1001 Nächten geschulten Augen des Betrachters, dass die exotische Beauté niemals gezwungen ist, unter der stechenden Sonne Konstantinopels zu arbeiten, sondern im angenehmen Halbschatten der Haremsgemächer müßig gehen und sich am Aroma des elegant gehaltenen Miniaturpfeifchens berauschen darf – die Gewogenheit des Sultans und jede Menge Sklaven, wie die Dienerin, die kniend Kanne und Tasse offeriert, machen’s möglich…

Das ist alles tierisch symbolisch gemeint – auf den Spuren des „Physiologus“ in der Residenz

Es kreucht und fleucht, klettert, schwimmt und schleimt, krächzt, brüllt und schnurrt, liegt dekorativ zwischen Obst und Blumenstillleben herum oder stürzt sich malerisch auf Beute: Die in der Residenz ausgestellten Kunstwerke, namentlich Gemälde, Kleinplastik und Bildteppiche, sind eine wahre Menagerie: Tierdarstellungen aus fünf Jahrhunderten, von der exotischen Raubkatze bis zur heimischen Schnecke, geben sich in den hochherrschaftlichen Räumen des einstigen bayerischen Herrschaftszentrums ein Stelldichein. Ist es, weil die Mächtigen schon damals wussten, wie publikumstauglich das stimmungsvolle Nebeneinander von Herrchen und Chief Pet zu bebildern ist? Oder hatten die Wittelsbacher einfach über Jahrhunderte hinweg ein besonders großes Herz für Tiere?

Ludwig I Bayern Verfassung

Verfasst, erfasst, geliebt oder gehasst? Die bayerische Verfassung im königlichen Staatsporträt

„Unser“ Jubiläumsjahr in der Residenz und der Schlösserverwaltung neigt sich langsam dem Ende zu: Viel gab es 2018 zu feiern und an Vieles zu erinnern. Nicht nur die feierliche Wieder- und Neueröffnung des Königsbaus nach zehnjähriger Schließung, sondern auch das 100jährige Bestehen der BSV als Institution des Freistaats, der gleichfalls vor einem Jahrhundert im November 1918 mit der Ausrufung der bayerischen Republik durch den USPD-Politiker und späteren Ministerpräsidenten Kurt Eisner aus der Taufe gehoben wurde.

Hartschiersaal Residenz Muc

München leuchtet – Ein Relikt fürstlicher Festkultur des 19. Jahrhunderts in der Residenz

Besucher, die derzeit den weitläufigen und normalerweise wohltuend leeren „Hartschiersaal“ im Westen der Residenz betreten, weichen vielleicht erstmal erschrocken zurück: Dort, wo in kurfürstlichen Tagen die herrschaftlichen Leibgardisten, die „Hartschiere“, gemächlichen Wachdienst taten, schnaubt, klirrt und trampelt es – eine unabsehbare Kavalkade von Pferden, die hochgerüstete Militärs tragen, wälzt sich entlang der Fensterseite durch den Raum. Zum Glück sind Ross und Reiter, wiewohl fast lebensgroß, doch nur gemalte Pappkrieger: Fast 14 Meter lang und drei Meter hoch ist das gewaltige Band aus dünner Leinwand, auf dem der gewaltige Heereszug in lichtdurchlässigen Braun- und Grautönen dargestellt ist.

Residenz Mars Bild

„Mars macht mobil“ – ein immer noch jugendlicher Held kehrt nach langer Abwesenheit heim!

Heute stellen wir einen relativ neuen Mitbewohner der Residenz vor, aber eigentlich geht es dabei um einen alten, wenn auch überraschend jung gebliebenen Bekannten! Allerdings handelt es sich bei dem adretten Jüngling mit lockigem Haar und athletischer Figur nicht um einen Olympioniken aus Fleisch und Blut, sondern um einen gemalten Olympier.

Ein Eroberer geht an die Decke – eine Darstellung Alexanders des Großen von Peter Candid in der Residenz

Es war ein durchschlagender Erfolg und ein die Zeiten überdauerndes Paradebeispiel für erfolgreiche Public Relations: Als Alexander der Große (356-323 v. Chr.) auf seinem Feldzug gegen das gewaltige persische Weltreich die phrygische Stadt Gordium erobert hatte und im Anschluss etwas dem antiken Sightseeing in den schwelenden Trümmern frönte, fand er im dortigen Tempel einen alten Streitwagen vor, dessen Joch mit einem vertrackten Knoten scheinbar unlösbar an die Deichsel gebunden war.  

Zwar „nur“ Kopie – aber wie!! Die „Alexanderhochzeit“ in der Residenz

In den sogenannten „Charlottenzimmern“ der Residenz (so benannt nach einer der Töchter Max I. Josephs, die diese Räume ab 1814 einige Zeit bewohnte) hängt unter vielen Porträts des 19. Jahrhunderts ein Gemälde, das sich unter seinen Nachbarn schön, aber etwas eigenartig ausnimmt – scheint es doch als einziges der Bilder ganz eindeutig früheren Datums, nämlich aus der Renaissance zu stammen.

Zurück am Platz: Arnulf der Böse und Otto von Scheyern geben sich (wieder) die Ehre

Auch wenn die Residenz und ihre Geschichte nicht gerade als Terra incognita der historischen und- Kunstgeschichtsforschung gelten muss, ist unser geliebter Kasten doch stets noch für eine Überraschung gut. So vor einigen Jahren, als sich zwei zusammengerollte und mehr oder minder im Depotwinkel vergessene Leinwandrollen als die letzten Überreste der einstigen malerischen Ausstattung der frühbarocken Sommerwohnung Maximilians I. entpuppten.

Residenz München_Ahnengalerie_Foto Toni Schneider

Save the date: Am 6. Juni…

…1654 besteigt in Stockholm der neue König Karl X. Gustav (1622-1660) den Thron. Sein Porträt in der Ahnengalerie der Residenz erinnert an diesen schwedischen Monarchen, was erst einmal ungewöhnlich erscheint- waren die bayerischen Kurfürsten doch keine ausgewiesenen Freunde protestantischer Fürstlichkeiten und hatten von der neuen nordischen Großmacht Schweden im Dreißigjährigen Krieg ordentlich einstecken müssen.