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Drache, Sau und Meereswunder – Cadolzburg goes tierisch

cadolzburg drache tiere ausstellung

Bereits zum zweiten Mal erhalten Studierende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg die Möglichkeit, Erlerntes in die Tat umzusetzen und eine eigene Sonderausstellung auf der Cadolzburg zu präsentieren.

Die seit 2017 bestehende Kooperation mit der Bayerischen Schlösserverwaltung steht in diesem Jahr im Zeichen des Grunzens, Fauchens und Schnatterns, denn „Drache, Sau und Meereswunder“ widmet sich der Darstellung von Tieren und Fabelwesen in Mittelalter und früher Neuzeit. Elf ebenso hochkarätige wie unterschiedliche Blätter aus der Grafischen Sammlung der Erlanger Universität sollen die Sicht unserer Vorfahren auf ihre vier(bis acht-)beinigen Begleiter beleuchten.

cadolzburg

Die Cadolzburg bei Fürth.

In der mittelalterlichen Gesellschaft waren Tiere allgegenwärtig

…und wurden äußerst unterschiedlich wahrgenommen. Als Arbeitskraft, Fortbewegungsmittel und Lieferant von Nahrung bildeten sie eine unverzichtbare Grundlage menschlicher Existenz. Manche Gattung wie das „gepanzerte“ Nashorn oder der vielfarbige Pfau galt hingegen als Faszinosum und exotische Kostbarkeit, die an Fürstenhöfen gehalten und allgemein bestaunt wurde. Seit jeher schrieb man Tieren aber auch mythische Bedeutung zu. Im Christentum galten der „starke“ Löwe oder das „sanfte“ Lamm aufgrund der ihnen nachgesagten Fähigkeiten als Heiligenattribute, die an die christliche Lebensführung erinnern sollten. So verwundert es nicht, dass sie als Symbole von Herrschermacht und Superiorität die Wappen zahlloser Adelshäuser und ehemaliger Reichsstädte zieren, ja bis in unsere Zeit hinein identitätsstiftend für ganze Regionen sind.

cadolzburg fabeltiere ausstellung

Ludwig Maximilian Universität München, UB Handschriften und Alte Drucke, Buch der Natur (K.v. Megenberg) 2 Inc.germ. 24, fol. 135v. (Ausschnitt).

Gleichzeitig aber begriff man Tiere als zerstörerische Feinde und Unglücksboten und machte sie somit zum Gegenstand irrationaler Ängste: Fabelwesen und „Ungeheuer“, die bestiae, wurden für real existierend gehalten. In ihnen sah die christliche Lehre eine göttliche Mahnung, die auf die Gefahren eines Abweichens vom „rechten“ Glauben hinweisen sollte. Während noch die Handschriften des Konrad von Megenberg (1309-1374) die Existenz von „Meerjungfraw“ und „Meertracken“ mit fabelhaften Illuminationen zu unterstreichen suchten, wurde die künstlerische Darstellung von Tieren seit dem ausgehenden Mittelalter vermehrt zum Gegenstand des Naturstudiums. Jenseits einer symbolischen Bedeutung stand sie für die Faszination an der göttlichen Schöpfung.

Friedrich Alexander Universität Erlangen UB Graphische Sammlung Albrecht Dürer Monströses Schwein Sammlung Luthard

Friedrich Alexander Universität Erlangen, UB Graphische Sammlung, Albrecht Dürer Monströses Schwein Sammlung Luthard L_II_A_395.

Für die Verbreitung „tierischer“ Abbilder war das revolutionäre, um 1450 entwickelte Druckverfahren von größter Bedeutung. Der Holzschnitt und insbesondere der Kupferstich erlaubten zunehmend reichere Darstellungs- und Ausdrucksmöglichkeiten, die durch Nuancen zwischen zartestem Grau und tiefem Schwarz erzielt werden konnten. Die Wiedergabe auf massenhaft produziertem Papier ermöglichte große Auflagen zu geringen Preisen. So gelangten Arbeiten berühmter Künstler, von der alltäglichen Viehherde bis zur sensationellen sechsbeinigen Sau Albrecht Dürers, in zahllose Werkstätten, Bibliotheken oder private Haushalte, wo sie von der – manchmal schaurig-schönen – Vielfalt der weiten Welt kündeten.

 


Vom 6. Juli 2019 bis 31. Januar 2020 könnt Ihr auf der Cadolzburg die Sonderausstellung „Drache, Sau und Meereswunder – Ungeheuerliche Tierwelten von Dürer & Co.“ besuchen. Alle Infos dazu gibt es auf unserer Webseite.

 

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