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Ein „Strauß Margeriten“ oder: Galerie vergessener Frauen

WIRKSAM-Landshut

Dr. Tanja Kohwagner-Nikolai und Roxana Panetta //

Nein, mit den „Margeriten“ sind nicht die Blumen gemeint, die sich gerade auf der Blühwiese der Burg Trausnitz sanft im Wind wiegen, sondern sechs fürstliche Damen mit dem Vornamen Margarethe. Wie auch der Name der Blumen leitet sich dieser vom altgriechischen μαργαρίτης (margarítēs) für „Perle“ ab. Und genau solch kostbare Perlen sind die Damen, die wir nun aus der Vergessenheit holen wollen. Oder kennt ihr die Margarethe, die sich selbstbewusst über die geltenden Wittelsbacher Hausverträge hinwegsetzte und maßgeblichen Einfluss auf die bayerische Landesteilung nahm? Oder wisst ihr, dass einer Margarethe die Landshuter Hochzeit zu verdanken ist?

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Margeriten auf der Landshuter Burg Trausnitz. BSV/Tanja Kohwagner-Nikolai

Auf Abstand, aber sicher keine verbannte Ehefrau

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Im Stil des 19. Jahrhunderts verklärt und auf „die Gemahlin“ reduziert – so wurde Margarethe in den Glasfenstern des Landshuter Rathauses dargestellt. Foto: Fenster im Haupttreppenhaus des Landshuter Rathauses, wikicommons, CC BY-SA 3.0

Beginnen wir die Reihe mit Margarethe von Österreich (1395–1447). Sie wurde 1412 mit Heinrich XVI. von Bayern-Landshut verheiratet. Wohnort und Hofhaltung der Herzogin war die Burg zu Burghausen. Daraus wurde später gefolgert, ihr Mann habe die Tradition der Reichen Herzöge von Bayern-Landshut begonnen, die fürstlichen Ehefrauen nach Burghausen zu „verbannen“ – doch dies ist ins Reich der Legenden zu verbannen. Margarethe wählte ihren Wohnsitz Burghausen wohl auf eigenen Wunsch, denn sie beklagte sich durchaus über die Unerbittlichkeit ihres Gatten. In Burghausen, wohin in dieser Zeit der berühmte und umfangreiche Schatz der Landshuter Herzöge verbracht wurde, fanden in dieser Zeit weitreichende Baumaßnahmen statt, die auch den Wohnkomfort der Herzogin erhöht haben dürften. Margarethe brachte dort sechs Kinder zur Welt und kümmerte sich um deren Erziehung und Ausbildung – durchaus mit anderen Werten, als ihr Gatte sie vertrat.

Akteurin im spätmittelalterlichen Fürstengefüge

Gemehrt wurde der Schatz der Landshuter Herzöge durch ihre Nichte Margarethe von Brandenburg (1412/13–1465). Diese nutzte nach dem Tod ihres Gatten, Herzog Ludwigs VIII. von Bayern-Ingolstadt, 1445 die Chance der Witwenschaft und griff aktiv in die Landespolitik ein. Sie verlegte als legitime Nachlassverwalterin sogleich ihren Wohnsitz nach Schloss Neuburg an der Donau, wo ihr Schwiegervater seit September 1443 in Haft saß, übernahm die Regierungsgeschäfte und trat in Verhandlungen über das Herzogtum Bayern-Ingolstadt und ihre Witwenversorgung ein. So gelangte das Herzogtum Bayern-Ingolstadt, das bei Aussterben der Linie zu gleichen Teilen unter Bayern-München und Bayern-Landshut hätte geteilt werden müssen, zusammen mit 22 höchst kostbaren Goldschmiedewerken aus dem französischen Kronschatz vollständig in die Hände des Landshuter Herzogs. Im Gegenzug erhielt Margarethe eine stattliche Witwenversorgung, die ihr einen ungewöhnlichen Schritt ermöglichte: sie heiratete am 6. Dezember 1447 eigenmächtig ihren Hofmeister – unter Stand! Damit schaffte sie, was keiner anderen Fürstin des 15. Jahrhunderts gelang.

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Bewusst a-historisch! Margarethe von Brandenburg (1412/13–1465) nutzt ihren inhaftierten Schwiegervater als Verhandlungsmasse. Basierend auf neuen Forschungsergebnissen war eine Präzisierung des Geschichtsbildes nötig. Zeichnung: Tanja Kohwagner-Nikolai basierend auf dem Film „Ich lebte zu Herrschaftszeiten“ von Robert Kraus, München

Eigenwillige und einflussreiche Äbtissin

Auch ihre Nichte war eine außergewöhnliche Frau: Margarethe von Brandenburg (1453–1509). Ihre standesgemäße Verlobung musste aufgrund ihres Gesundheitszustands aufgelöst werden. Gegen ihren Willen wurde sie von ihrem Vater dazu bestimmt, ins Klarissenkloster Hof einzutreten. Zunächst setzte sie sich mit Fluchtplänen zur Wehr. Durch geschicktes Verhandeln konnte sie sich fürs Erste ein Probejahr mit umfangreichem Gefolge und weitere Sonderrechte sichern. Im Kloster entwickelte sie sich dann zu einer einflussreichen Äbtissin mit außergewöhnlichen Privilegien und eigenem Besitz. Sie unternahm trotz der eigentlich auch für sie geltenden Klausurregeln mehrere Reisen zu ihren Verwandten.

Margarethe-von-Brandenburg_Stammbaum-Hohenzollern

Margarethe von Brandenburg in einem posthumen Bildnis als „Closterfrau“ auf dem Stammbaum der Hohenzollern, 16. Jahrhundert. Staatsbibliothek zu Berlin, K 216 (Ausschnitt)

Transalpine Netzwerkerin

Eine andere Nichte der „Akteurin im spätmittelalterlichen Fürstengefüge“ wurde nach Mantua verheiratet und nutzte ihre nordalpinen Beziehungen zu ihrer Tante – gerade Herzogin von Bayern-Ingolstadt. Tante Margarethe, die gerade aus gesundheitlichen Gründen engen Kontakt zum Münchner Hof pflegte, stellte auch für ihre Nichte die Verbindung zu diesen Wittelsbachern her, als ihre Nichte ihr in den 1440er Jahren einen Besuch abstattete. So kam die Ehe von Federico Gonzaga und Margarethe von Bayern-München (1442–1479) zustande. In Italien scheint nicht nur ihre Ehe, sondern auch das Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter von Zuneigung und Verbundenheit geprägt gewesen zu sein. Beide Damen trugen maßgeblich dazu bei, dass Graf Eberhard I. von Württemberg 1474 Barbara Gonzaga ehelichen konnte. Diese Uracher Hochzeit ist ein Thema der Ausstellung „Fürstliche Hochzeiten – Netzwerke für die Zukunft“, die noch bis 2. August 2026 auf der Burg Trausnitz in Landshut zu sehen ist.

Band zwischen Bayern-Landshut und der Pfalz

Dort wird auch eine weitere Margarethe (1456–1501), Tochter des Landshuter Herzogs, und ihre Hochzeit 1474 in Amberg vorgestellt. Auf ihrer Brautfahrt wurde sie von 1.000 rot gekleideten Reitern, acht Ehefrauen der Hofamtsinhaber, 13 Hofjungfrauen mit ihrer Hofmeisterin, „der Pintzenauerin“, und zwei Hofdamen begleitet, so dass die Quellen berichten: „sovil hubscher frauen und junkfrauen, greffin und vom adel, alß wir sy bei langem von dergleichen geschmuck gesehen haben und sind vast kostlich in iren gulden stucken als die furstin und von kostlicher gezirt gewesen.“ Doch ansonsten hagelte es Absagen führender Fürsten und schließlich endete das Fest auch noch mit einem tödlichen Unfall. Was im Spätmittelalter als schlechtes Omen galt, beeinflusste diese Ehe aber nicht. Margarethe sorgte für ein gutes Verhältnis ihres Gatten zu ihrem Bruder, Herzog Georg dem Reichen von Bayern-Landshut, und dessen Gattin Hedwig von Polen (1457–1502). Diese dynastische Verbindung war Basis des politischen und militärischen Zusammenwirkens von Bayern-Landshut und der Kurpfalz.

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So sah sie sicher nicht aus – späteres Bildnis Margarethes in Renaissancekleidung, Tüchleinmalerei (Tempera auf Leinwand) um 1535, Burg Trausnitz. BSV/Scherf, Gruber

Diplomatin und Finanzgenie

Zur Stärkung dieser Verbindung diente wohl auch Margarethes Teilnahme an der Hochzeit ihres Bruders, der berühmten Landshuter Hochzeit 1475. Diese Hochzeit konnte ohne nennenswerte Absagen, wenn auch mit 14tägiger Verspätung gefeiert werden – wohl auch dank einer weiteren Fürstin namens Margarethe (1416–1486), einer geborenen Habsburgerin. Als Schwester des Kaisers, der die Hochzeit ebenfalls mit seiner Anwesenheit beehrte, verwitwete Kurfürstin von Sachsen und Großmutter des Bräutigams übernahm sie es, die Braut ab Wittenberg nach Landshut zu geleiten. So konnte ein größeres Zerwürfnis und eine drohende Absage der Hochzeit verhindert werden, denn der Brautvater fürchtete um die Ehre seiner Tochter, da der Bräutigam seiner Braut nicht entgegenreiste und sich stattdessen bei Turnieren vergnügte. Doch die „alte Frau von Sachsen“, wie sie in den Quellen auch genannt wird, ist auch eine der wenigen Fürstinnen, die eigene Münzen – den sog. Margarethengroschen – prägen und anfangs gar ihren Namensbuchstaben vor den ihres Gatten setzen ließ. Dafür hatte sie in Colditz eine eigne Münzstätte.

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Ab Wittenberg begleitete Margarethe von Österreich die Braut, Hedwig von Polen, nach Landshut. Blick in die Landshuter Ausstellung mit der Brautfahrt Hedwigs. BSV/Scherf

Es ließe sich noch weit mehr (nicht nur) über diese Damen erzählen. Doch was haben all diese Margarethen außer ihrem Vornamen und ihrer hochadligen Abstammung noch gemeinsam? Von keiner dieser Damen hat sich – warum auch immer – ein zeitgenössisches, authentisches Portrait erhalten. Wir wissen nicht, worauf die Bildnisse aus dem 16. oder 19. Jahrhundert basieren. Die dargestellte Kleidung entspricht keineswegs ihrer Lebenszeit, was aber nicht immer klar ist. Die vermischten Zeitebenen erschweren den Zugriff, da spätere Bildelemente nonverbal Inhalte transportieren, die nichts mit der Lebenszeit der Dargestellten zu tun haben, aber eben stärker im Gedächtnis haften als Texte. Doch wie funktioniert dann eine Ausstellung ohne Portraits der Protagonistinnen? Visuelle Eindrücke sind essenziell wichtig, um sich ein Bild von den Damen zu machen, sie im Gedächtnis zu behalten. Ein Strauß Margeriten würde keineswegs die fehlenden Portraits ersetzen. Während Kunsthistoriker:innen sich beim Kuratieren einer Ausstellung an Originale und historische Fakten halten und Lücken akzeptieren müssen, kann eine Künstlerin wie Roxana Panetta andere Wege gehen. Lassen wir sie selbst zu Wort kommen.

Wie malt man eine Frau, von der kein Bild existiert?

Wie portraitiere ich eine Frau, von der weder ein Bild noch eine Beschreibung ihres Aussehens überliefert ist? Ich suche nach Spuren und treffe eine Entscheidung, die kein Historiker und keine Historikerin treffen dürfte: Ich erfinde ein Gesicht.
Genau das ist meine Arbeit als Malerin: künstlerische Entscheidungen zu treffen. Ich male Portraits von Frauen, die Geschichte geschrieben haben, aber nie portraitiert wurden. Bildnisse, die auf den ersten Blick historisch wirken – und es auf den zweiten Blick nicht sind. Denn sie existieren frühestens seit 2023. Ich nenne sie „Hidden Championnes“. Meine posthumen „Portraits“ bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen biographischer Treue und künstlerischer Freiheit. Und genau in dieser Spannung liegt der Kern meiner Arbeit.
Am Beispiel zweier Portraits aus der aktuellen Ausstellung „Hidden Championnes“ auf der Burg Trausnitz wird klar, wie unterschiedlich dieser künstlerische Prozess verlaufen kann – und wie viel Recherche in einem Bild steckt, das am Ende doch ein Akt künstlerischer Freiheit ist.

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Im Kapellengang der Burg Trausnitz zeigt Roxana Panetta bis 2. August 2026 eine Auswahl ihrer „Hidden Championnes“ mit historische Frauenportraits vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Roxana Panetta

Margarethe von Brandenburg: ein „traditionelles“ Altarbild

Als mir die Kuratorinnen der WIRKSAM-Ausstellungsreihe zehn Hohenzollern-Frauen aus dem 15. Jahrhundert vorstellten, sprach mich Margarethe von Brandenburg (1412/13–1465 – siehe oben) sofort an. Sie hatte sich erfolgreich behauptet – in einer Welt, in der weibliche Selbstbestimmung nicht vorgesehen war. Mein erster Schritt ist immer: Lesen. Biographien und historische Quellen vom Brief, über Eheverträge bis zu Aussagen von Zeitgenossen. Neben den historischen Fakten bekomme ich so eine Vorstellung der Frau, in diesem Fall eben von Margarethe: Unter welchen Umständen hat sie ihr Leben gestaltet? Was war ihr möglich, was war undenkbar? Was charakterisiert ihr Auftreten? Danach begebe ich mich in eine kunsthistorische Recherche. Wie wurde zu Margarethes Lebenszeit portraitiert? Welche Konventionen galten in der Region, in der sie lebte? Welche Gewänder und Gegenstände tauchen in vergleichbaren Kunstwerken auf – und was erzählen sie über Status und Selbstverständnis der Dargestellten? Für die Komposition von Margarethe fand ich eine höchst interessante Altarstiftung von Graf Ulrich V. von Württemberg, dem „Vielgeliebten“, entstanden um 1470.

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Gegenüberstellung der Altartafeln von Margarethe (Roxana Panetta 2025) vs. Graf Ulrich V. von Württemberg, Stuttgart 3. Viertel des 15. Jahrhunderts, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Inv.Nr. WLM 13721 und 13722. Landesmuseum Württemberg, Stuttgart/Frankenstein, Zwietasch (gemeinfrei CC BY-SA)

Dieses historische Original habe ich umgekehrt: Margarethe übernimmt die handelnde Rolle – im Leben wie im Bild. Damit war die Bildkomposition gegeben: links raumgreifend Margarethe, rechts passiv ihre drei Ehemänner. Dann folgte die Herstellung nach historischem Vorbild. Holztafeln bauen, grundieren, den Hintergrund vergolden. Dann das eigentliche Portrait malen, in mehreren Abschnitten. Dazwischen immer wieder Details, die ich dann erst recherchierte: z.B. wie genau sieht der Schwanenorden aus, den Margarethes dritter Ehemann trug? Sind historisch korrekte Dachschindeln rot oder grau? Auch manche künstlerische Entscheidung fiel erst jetzt, am Bild selbst: Soll eine göttliche Hand eine Vignette halten, deren Textinhalt bewusst modern ist? Vom ersten Einlesen bis zum fertigen „Altar“ mit zwei Tafeln vergingen sechs Monate.

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links: Blattvergolden des Hintergrunds, Mitte: fertig vergoldete Tafel mit sogenannter Untermalung, rechts: Skizze zu den drei Ehemännern mit alternativen Farbkombinationen über den Köpfen. Roxana Panetta

Barbara von Brandenburg: Wenn ein Bilderrahmen das Bild diktiert

Gänzlich anders näherte ich mich dem Portrait von Barbara von Brandenburg (1464–1515), Margarethes Nichte. Auf sie wurde ich durch die Ausstellung „Ehebande – (Ohn)Macht der Frauen?“ in Schloss Neuburg an der Donau aufmerksam. Barbara wollte wie Margarethe selbstbestimmt leben – und wurde dafür von ihrer Familie mit größter Härte bestraft.
Der erste Schritt war hier nicht Recherche im klassischen Sinn. Er war ein Versuch des Nachempfindens. Barbaras nachgebaute „Gefängniszelle“ in der Ausstellung, Zitate aus ihren Briefen und denen ihrer Brüder und ihres Vaters: das Leid dieser Frau berührte mich sehr.
Und dann entschied ich: Dieses Portrait soll nicht aus einer kunsthistorischen Referenz entstehen, das wäre ihrem Leid niemals gerecht geworden. In meinem Atelier hatte ich einen alten Bilderrahmen: dunkel, schwer, schmal. Dieser beengende Rahmen atmete die Bedrückung, die ich bei der Beschäftigung mit Barbara empfand. Und das Format dieses Rahmens erinnert an etwas sehr Heutiges: ein Reel auf Social Media.

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links: Selfie-Posen, und rechts: das finale Portrait. Roxana Panetta

Ich machte Selfies in verschiedenen Posen, in denen ich Barbaras Haltung in der Enge suchte. Und ich entschied mich dann für ein Detail, das die Brücke zwischen dem 15. und dem 21. Jahrhundert schlägt: die Handgeste, mit der Opfer von Gewalt heute still um Hilfe bitten – die Finger umschließen nacheinander den Daumen. Ein Zeichen, das Barbara natürlich nicht kannte, aber das sie hätte brauchen können und das inzwischen tatsächlich schon Leben rettete.
Auf dem fertigen Bild finden sich Social-Media-Icons, die es endgültig als Anachronismus kenntlich machen. Hätte Barbara von Brandenburg wohl ein Reel von sich gepostet? Oder hätten ihre Brüder ihr Handy konfisziert wie sie ihre Korrespondenz kontrollierten? Hätte sie das Zeichen am Fenster machen können und hätte es jemand gesehen? Was hätten wir tun können, hätten wir Barbaras Hilferuf gesehen?

Was Kunst darf und was sie schuldet?

Ob nachgeahmt oder freie Form: das ist die Freiheit, die ich als Künstlerin habe – und die ein:e (Kunst)historiker:in im Museum nicht hat. Sie müssen mit dem arbeiten, was historisch überliefert ist: Fakten und Artefakte. Aber für eine Ausstellung bedeutet es auch: Wo kein Portrait überliefert ist, kann keines gezeigt werden, bleibt eine Lücke. Schwierig, wenn die Protagonistin einer Ausstellung nicht sichtbar ist. Als Künstlerin sehe ich meine Aufgabe darin, diese Lücke mit einem vermeintlich historischen Bild zu schließen und im zweiten Hinsehen zum Nachdenken einzuladen. Meine Portraits verbinden Namen mit erfundenen Gesichtern und einer wahren Erzählung: diese Frau hat so gelebt. Diese Portraits sorgen dafür, dass Margarethe und Barbara – und alle anderen „Hidden Championnes“ – nicht nur in Forschung und Sachbüchern existieren, sondern einen Platz in unserem kollektiven visuellen Gedächtnis bekommen – denn so werden sie sichtbar und vor dem Vergessen bewahrt!

neue Portraits_ Margarethe und Barbara

Die neuen Portraits von Margarethe und Barbara von Brandenburg sind Teil der Ausstellung „Belächelt. Übergangen. (Fast) vergessen: Hidden Championnes“ von Roxana Panetta sind bis zum 2. August 2026 im Kapellengang der Burg Trausnitz in Landshut zu sehen. Mehr unter hidden-championnes.art. Roxana Panetta