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Digital und analog durch die Krise

Die digitale Residenz. Nach den Fürstbischöfen

Veranstaltungsplanungen, Sonderführungsprogramm, Zeitpläne – irgendwie ist in diesem für die Neue Residenz Bamberg so wichtigen Jahr 2020 alles anders, als wir es ursprünglich gedacht und geplant haben. Deswegen aus aktuellem Anlass kurz vor der Wiedereröffnung für unsere Besucherinnen und Besucher eine kleine digitale und analoge Wasserstandsmeldung aus dem Herzen des Bamberger Welterbes.


Wir sehen betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen? Ein bisschen konnte man in den letzten Wochen der virusbedingten Museumsschließung das Gefühl bekommen, dass wir Museumsmacher zwar zuerst durchaus betroffen reagiert haben, dann aber umso hektischer versucht haben, nach Antworten zu suchen. Um nur ein paar Stichpunkte zu nennen: Virtuelle Kuratorenführungen, Online-Ausstellungen, 3D-Panoramen und und und. Die Schließung des realen Raums führte vielerorts zu einer Verlagerung der Ausstellungsfläche in den digitalen Raum.

Auch in der Neuen Residenz Bamberg wurde in den letzten Wochen am digitalen Angebot kräftig geschraubt. Eine überarbeitete Homepage begrüßt die Besucherinnen und Besucher nun mit runderneuerten Texten, Bildern und vielen zusätzlichen Angeboten. Unter dem Stichwort „Die digitale Residenz“ wurden neue, aber auch bereits vorhandene Angebote gebündelt und einfach zugänglich gemacht.

Kaisersaal mit Deckenfresko in der Neuen residenz Bamberg

Kaisersaal in der Neuen Residenz Bamberg.

So finden unsere Online-Besucherinnen und -Besucher jetzt mit einem Tastendruck alle Blog-Beiträge zur Neuen Residenz auf unserem Schlösserblog. Sie bekommen Einblicke in der Restaurierung Bamberger Möbel auf YouTube, werden auf virtuelle Rundgänge durch die Prunkappartements mitgenommen und können ein 3D-Modell des Kaisersaals, dem wohl bedeutendsten Raumkunstwerk des Ensembles, erleben.

Neu hinzugekommen ist zu diesen Angeboten eine kleine Online-Ausstellung zur Nutzung der Residenz nach der Säkularisierung. Die Ausstellung führt durch die wechselvolle Geschichte der Residenz vom Ende des Bamberger Fürstbistums bis zur Gründung des Freistaates Bayern. Die vielen Bewohner der vergangenen Jahrhunderte werden in Porträts lebendig. Die Ausstellung erinnert zudem daran, dass die Neue Residenz für wenige Monate Sitz der ersten gewählten Regierung des Freistaats Bayern unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann war.

Die oftmals bange Frage hinter all diesen Projekten lautet: Können diese Angebote den realen Besuch eines historischen Bauwerks wirklich ersetzen? Das können sie selbstverständlich nicht. Zahlreiche Erhebungen zu diesem Thema zeigen allerdings auch, dass das ohnehin gar nicht der Sinn hinter digitalen Angeboten ist.

Die digitale Residenz. Eine neue Residenz

Online-Ausstellung „Nach den Fürstbischöfen. Die Neue Residenz im langen 19. Jahrhundert“.

Sie sind ein weiteres Vermittlungsinstrument, das uns immens hilft, das Angebot, das wir unseren Besucherinnen und Besuchern machen, auszudifferenzieren und stärker auf individuelle Interessen zuzuschneiden. Im besten Fall machen diese Angebote Lust auf einen Besuch des Museums, im schlechtesten werden sie einfach nicht zur Kenntnis genommen. Ein signifikanter Rückgang der realen Besucherzahlen ist allerdings in keinem Fall zu erwarten. Im Gegenteil: Wer sich ohne Aktionismus, aber mit Herzblut online präsentiert, der schafft es zumindest manchmal, Menschen auf sich aufmerksam zu machen, die andernfalls nicht mit den jeweiligen Museen in Berührung gekommen wären.

Die Coronakrise ist dabei, hier wie andernorts, mehr ein Katalysator bereits vorher angeschobener Projekte als eine grundsätzliche Weichenstellung. Die Kernaufgaben des Bestandserhalts, der Weiterentwicklung der Präsentationsformen und der wissenschaftlichen Erschließung der Sammlungen haben sich eben nicht verändert. Hierfür kann die digitale Welt auch keinen Ersatz bieten. Der Fehler liegt allerdings schon in der Annahme begründet, dass sie das überhaupt zu tun hätte.

Es geht auch analog weiter

Hinter den Kulissen ging die Arbeit im realen Raum trotz der Krise – natürlich im gebotenen Abstand – ebenfalls weiter. Die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen an und in der Neuen Residenz wurden fortgesetzt, auch wenn – wie andernorts ebenso – einige unvorhersehbare Einschränkungen das reguläre Arbeiten deutlich behindert haben. Das gilt nicht nur für die notwendigen Hygieneregeln, die größere Besprechungen nahezu unmöglich gemacht haben, sondern auch ganz handfest für Materiallieferungen und für Auftragnehmer aus dem europäischen Ausland, die geplante Dienstreise erst einmal nicht antreten konnten.

Kaisersaal in der Neuen Residenz Bamberg

Kaisersaal in der Neuen Residenz Bamberg.

Rosengarten der Neuen Residenz Bamberg

Rosengarten der Neuen Residenz Bamberg mit Gartenfigur Juno aus der Werkstatt von Ferdinand Tiez, um 1760, Foto: Christa Brand.

Trotzdem werden unsere Besucherinnen und Besucher bereits zur Wiedereröffnung mit neuem Hygienekonzept am 30.5.20 einige Neuerungen im Besucherrundweg erleben können: Der Kaisersaal als größter Raum der Residenz wird mit neuen Infotafeln jetzt erstmals frei zugänglich sein, da wir selbstverständlich in diesen Zeiten wo auch immer möglich auf Führungen und damit auch auf gleichsam geplante Menschenansammlungen zu verzichten suchen. Auch die wunderbaren Figuren des Rokokobildhauers Ferdinand Tietz für den Bamberger Hofgarten werden sich neu präsentieren: Zusammen mit den Kollegen der Dombauhütte werden wir die letzte Schließungswoche nutzen, um den Figuren zu einem glanzvolleren Auftritt zu verhelfen – sie bekommen neue Sockel und präsentieren sich nun im reizvollen Dialog mit den Meisterwerken der Barockgalerie vor den Ausstellungsräumen.

Zu guter Letzt ist auch die Restaurierung zahlreicher Möbel und Kunstwerke des Fürstbischöflichen Appartements noch im vollen Gange. Wir werden in diesem Blog noch ausführlicher davon berichten. Aber so viel sei schon mal verraten: Durch Funde im Depot und akribische Forschungsarbeit der Mitarbeiter des Restaurierungszentrums konnten der Projektrestaurator Bernhard Mintrop und seine Kollegen ein herausragendes klassizistisches Ensemble des Bamberger Hofschreinerhandwerks bestehend aus zwei Eckschränken und einer Kommode zu neuem Recht kommen lassen. Sie rücken nach der Restaurierung in die Nähe des Zylinderbüros des Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal, einer Inkunabel der fränkischen Möbelkunst.

Schreibtisch des Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal

Der Schreibtisch von Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal.

Ihr seht, digital und analog ist einiges los in Residenz – auch wenn wir viele Veranstaltungen, die das Jahr des Sanierungsabschlusses begleiten hätten sollen, absagen mussten. Dem Virus sind dabei unter anderem eine Installation mit zeitgenössischer Klangkunst in den Kapellen der Alten Hofhaltung (in Kooperation mit dem Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia) und die Tage der Alten Musik der Musica Canterey e.V. zum Opfer gefallen. Wir hoffen sehr, dass wir beide Veranstaltungen nachholen können, sobald es die gesundheitliche Bedrohungslage erlaubt.

Auch wenn alles anders ist in diesen Krisenzeiten, bleibt eines jedoch stets gleich: Wir freuen uns, wenn Ihr die Neue Residenz Bamberg besucht und Euch von diesem gebauten Stück Geschichte am Domplatz im Herzen des Welterbes Bamberg bezaubern und inspirieren lasst – gerne digital und noch lieber ab dem 30.5. wieder persönlich in Bamberg.

 

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