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Johann Heckler (1883-1973) – Aus dem Leben eines königlichen Hof-Vorreiters

Im Marstallmuseum (Schloss Nymphenburg) gibt es ganz aktuell einen neu gestalteten Raum zum Münchner Hof-Marstall. Was ist ein Marstall und wer arbeitete dort? Diese und viele weitere Fragen werden dort beantwortet.

Ein Album mit Familienfotos zum Blättern und eine Hörstation berichten vom Leben Johann (Hans) Hecklers. Er war einer der letzten Hof-Bediensteten des Münchner Marstalls. In der Hörstation erzählt seine Enkelin aus den Erinnerungen ihres Vaters und Großvaters. Im folgenden Beitrag unserer Referentin für das Marstallmuseum könnt Ihr vorab schon einmal reinhören!


Marstall-Bediensteter Johann Heckler

Johann Heckler arbeitete seit 1896 als Beiläufer, Vorreiter und Postillion am Königlichen Marstall in München. Dieser wurde ab 1918, nach dem Ende der Monarchie, aufgelöst.

Die Verwaltung des ehemaligen Kronguts versetzte in den folgenden drei Jahren die meisten Angestellten des Marstalls in den einstweiligen Ruhestand. Autos, Kutschen und Pferde, Reit- und Fahrzubehör gingen in Staatsbesitz oder Privatbesitz der königlichen Familie über.

Schon seit 1919 hatte Johann Heckler neue Arbeit bei verschiedenen Banken in München gefunden. 1925 sollte der zweifache Familienvater gegen seinen Willen in den aktiven Staatsdienst zurückkehren – als Schlosswart in Würzburg. Davon wurde nach einer Prüfung seiner familiären und gesundheitlichen Situation abgesehen.

Hans Heckler im Alter von 25 Jahren

Hans Heckler im Alter von 25 Jahren (1908). Fotoalbum im Marstallmuseum, S. 8. © Bayerische Schlösserverwaltung / Elfi Liebl.

Woher kennen wir Hecklers Lebensweg?

Johann Hecklers Sohn Herbert (1923-2014) rief mich vor sechs Jahren an, um der Schlösserverwaltung alte Grafiken rund um das Thema Marstall zu schenken. Eine Begutachtung der Drucke bei ihm zuhause in Aubing brachte einen noch größeren Schatz zutage: Das alte Fotoalbum seines Vaters und die dazugehörenden Erinnerungen des Sohns.

Nachforschungen im Hauptstaatsarchiv in den Akten der ehemaligen Hofbediensteten des Marstalls ergaben: Die Personalakte Johann Hecklers existiert noch. Die dort enthaltenen Dokumente ergänzten die Familienerinnerungen aus seiner Zeit als Hof-Bediensteter.

Ausgestorbene Berufe: Beiläufer – Vorreiter – Postillion

Alle diese Berufe gibt es heute praktisch nicht mehr. Beiläufer begleiteten die Kutsche zu Fuß und hielten die Pferde bei Bedarf. Die Unterscheidung Vorreiter und Postillion ist nicht ganz einheitlich. Sie werden beide für den Reiter auf dem linken vorderen Pferd, dem sogenannten Sattelpferd, verwendet. Heckler ritt als 1. Vorreiter von Prinzregent Luitpold stets auf dem Sattelpferd der Kutsche und lenkte es. Er trug diese Berufsbezeichnung seit 1905. Erst 1913, nach dem Tod des Prinzregenten, wurde Heckler zum Postillion befördert.

Johann Heckler, Prinzregent Luitpold und der deutsche Kaiser

Als 1. Vorreiter von Prinzregent Luitpold hatte Heckler einen sehr verantwortungsvollen Posten unter den Augen der Öffentlichkeit inne. Vielleicht ist er am ehesten vergleichbar mit den heutigen Chauffeuren von hochrangigen Politikern. Prinzregent Luitpold war bayerischer Herrscher und regierte für den eigentlichen König Otto (den jüngeren Bruder Ludwigs II.), der wegen einer Geisteskrankheit regierungsunfähig war.

Prinzregent Luitpold und Kaiser Wilhelm II. in der Kaufinger Straße am 12.11.1906

Prinzregent Luitpold und Kaiser Wilhelm II. in der Kaufinger Straße am 12.11.1906. Hans Heckler links auf dem ersten Pferd. Fotoalbum im Marstallmuseum, S. 12. © Bayerische Schlösserverwaltung / Elfi Liebl.

Bis 1912 begleitete Heckler Prinzregent Luitpold bei den jährlichen Herbst- und Hochgebirgsjagden sowie bei vielen offiziellen Gelegenheiten (z. B. zur Eröffnung des Oktoberfestes, zu Galopprennen in Riem oder zu politischen Empfängen und Anlässen). 1906 war er 1. Vorreiter des bayerischen Regenten, als dieser mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. in einem langen festlichen Kutschenkorso zur Grundsteinlegung des Deutschen Museums fuhr.

Kindheit in der Marstallstraße

Johann Heckler wohnte zusammen mit seiner Frau Lina und den beiden Söhnen Hans und Herbert bis 1934 in der Marstallstraße. Dann zogen sie in die Prinzregentenstraße um.

Hans und Herbert Heckler vor der Staatskanzlei

Die Söhne Hans und Herbert Heckler vor dem Armeemuseum, der heutigen Staatskanzlei (um 1928). Fotoalbum im Marstallmuseum, S. 34. © Bayerische Schlösserverwaltung / Elfi Liebl.

 

Herbert Heckler wusste noch vieles aus dem Viertel seiner Kindheit zu berichten, was heute durch Krieg und Städteplanung völlig verändert ist. Die Kinder spielten in den Selbstversorger-Gärten hinter den Wohnungen, die damals selbstverständlich in der Stadt lagen. Kleine Bäche flossen an den Straßen entlang, zahlreiche Mühlen nutzen die Wasserkraft für ihre Mahlwerke.

Hans Heckler im Alter von 75 Jahren

Hans Heckler im Alter von 75 Jahren (um 1958). Fotoalbum im Marstallmuseum, S. 35. © Bayerische Schlösserverwaltung / Elfi Liebl.

Bis zum Armeemuseum, der heutigen Staatskanzlei, war es nur ein Katzensprung.

Das große Marstallareal der Residenz München umfasste damals zahlreiche Wagenhäuser, Stallungen und Wohnungen. Heute existieren dort nur noch die Reithalle und der südlich anschließende Überrest des ehemaligen Schulstalls (heute Restaurant). Diese Gebäude lassen die einstige Bedeutung des Marstallplatzes kaum noch erahnen.

Wer nun neugierig geworden ist, dem empfehlen wir unbedingt einen Besuch des Marstallmuseums. Alle Informationen rund um euren Besuch findet ihr auf unserer Webseite.

Wir danken Herbert Heckler und Elfi Liebl für die Informationen und Fotos!


 

Titelbild: Hans Heckler als 1. Vorreiter von Prinzregent Luitpold, Auffahrt zum Galopprennen 1908. Fotoalbum Marstallmuseum, S. 16. © Bayerische Schlösserverwaltung / Elfi Liebl.

 

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